Das Ganze, dessen Organe die Disziplinen sind
Was hält die Fakultäten einer Universität zusammen, und wozu dient das Studium überhaupt? Schelling antwortet, dass die Philosophie das Ganze liefert, von dem jede Einzelwissenschaft nur ein Organ ist.
Entstanden, als die moderne Forschungsuniversität eben erfunden wurde, halten die Vorlesungen fest: Recht, Medizin, Theologie und Naturwissenschaft untersuchen je ein Bruchstück, und wer das Bruchstück ohne das Ganze meistert, erlernt ein Handwerk, keine Wissenschaft. Die Philosophie liefert dieses Ganze, den einen Organismus der Erkenntnis, dessen Organe die Disziplinen sind, jede durch ihr Verhältnis zum Absoluten bestimmt. Unter der Pädagogik läuft ein weiterer Anspruch: Ziel des Studiums ist nicht der Nutzen, sondern die Bildung eines freien Geistes. Dieser Gedanke überdauerte Schellings eigenes System und bereitete den Boden, auf dem Humboldt die Universität Berlin errichten sollte.
- Organizismus
- Synthese
- Form
- Metaphysik
- Ontologie
- Idealismus
- Notwendigkeit
- Wissen
- Absolutes
Ins Gespräch kommen
- Einem Studenten sagt man, sein Fach mache ihn anstellbar und mehr nicht. Was hält deine Idee des Studiums dem entgegen?
- Ist die Behauptung, die Philosophie eint alle Fakultäten, nicht bloß ein Philosoph, der seinem eigenen Fach die Krone reicht?
- Wie würdest du unterscheiden, ein Fach als Handwerk zu lernen und es als Organ eines Ganzen zu lernen?
- Um das Studium als Bildung eines freien Geistes zu begreifen und nicht als Broterwerb: Was muss ein Mensch von seiner Ausbildung nicht mehr verlangen?
- Jemand fühlt sich von seinem Spezialgebiet gegen jede andere Art des Wissens abgemauert. Wie antwortet der Organismus der Wissenschaften darauf?
- Du machst jede Wissenschaft zum Organ eines Körpers. Was wird aus einer Disziplin, die ihren Platz in deinem Ganzen verweigert?