Vom guten Leben zum Sittengesetz
Warum fragte die Ethik nicht mehr, was für einen Menschen gut ist, sondern was das Sittengesetz gebietet? Das Buch führt den Wandel vor allem auf das Christentum und zum Teil auf das römische Recht zurück.
Die griechischen Moralisten fragten, was für einen Menschen gut ist, und die Tugend war Teil der Antwort. Die modernen Moralisten, so Sidgwick, denken die Moral als ein Gesetzbuch von Regeln, ähnlich dem Recht, und dieser Wandel kam vor allem vom Christentum, das richtiges Handeln zum Gehorsam gegen ein göttliches Gesetz machte, und zum Teil von der römischen Rechtswissenschaft, durch die das stoische Gesetz eines Gemeinwesens vernünftiger Wesen ins spätere Denken gelangte. Die juridische Sicht brachte eigene Fragen mit: woher das moralische Vermögen stammt und ob der Wille frei ist.
- christliche Ethik
- Naturrecht
- Gewissen
- Geschichte der Ethik
- moralische Verpflichtung
- Freier Wille
- moralische Verantwortung
- Ethik
- Tugend
- Glück
Ins Gespräch kommen
- Niemand fragt, ob er frei ist, sein eigenes Wohl zu suchen. Warum wird die Willensfreiheit erst dringlich, sobald man sich die Moral als Gesetzbuch vorstellt?
- Christliche Güte zeichnete sich durch Innerlichkeit aus, eine Rechtheit des Herzens jenseits äußerer Gesetzestreue. Wieso ließ gerade diese Innerlichkeit die Häresie als schlimmstes Laster erscheinen?
- Mittelalterliche Handbücher der Kasuistik entschieden zweifelhafte Gewissensfälle wie Rechtsfragen. Weshalb machte diese Gewohnheit die Moral in Ihren Augen zu äußerlich?
- Rom wirkte mehr durch seine Juristen als durch seine Philosophen. Wie gelangte die stoische Idee eines Gesetzes für alle vernünftigen Wesen durch sie weiter?
- Jemand hält jede Regel, die man ihn gelehrt hat, und fragt sich doch, ob er gut gelebt hat. Welche ältere Frage stellt er Ihrer Geschichte zufolge?