Einig über Pflichten, nicht über Prinzipien
Können Menschen, die über die Grundlagen der Moral streiten, dennoch gemeinsam an dem arbeiten, was zu tun ist? Die ersten Ansprachen bejahen es, wenn man aufhört, zuerst die Grundlagen klären zu wollen.
Sidgwick hatte erlebt, wie die Debatten der Metaphysical Society jedes Mitglied dort zurückließen, wo es begonnen hatte, und er warnte die Ethische Gesellschaft in Cambridge davor, es ihr gleichzutun. Ihr Ziel sei, mit Aristoteles gesprochen, nicht Erkenntnis, sondern Handeln; also solle sie das höchste Gut beiseitelassen und auf der breiten Übereinstimmung über einzelne Pflichten aufbauen, die es bereits gab. Diese Übereinstimmung verdient Achtung: Regeln, die in der gesellschaftlichen Entwicklung gewachsen sind, wollen behutsam behandelt werden, und ein feiner Gerechtigkeitssinn achtet stillschweigende Übereinkünfte ebenso wie geschriebene Verträge.
- praktische Ethik
- Moralphilosophie
- moralisches Wissen
- moralischer Fortschritt
- Ethik
- Moralität
- praktisches Schlussfolgern
- Gerechtigkeit
Ins Gespräch kommen
- Einer neuen ethischen Gesellschaft raten Sie, keine Einigung über erste Prinzipien mehr zu suchen. Was kann eine solche Gesellschaft dann noch erreichen?
- Jahre der Debatte in der Metaphysical Society ließen jedes Mitglied dort, wo es angefangen hatte. Welche Lehre ziehen Sie daraus für Menschen, die das Handeln verbessern wollen?
- Überlieferte Moralregeln können einem nachdenklichen Kopf willkürlich erscheinen. Weshalb bitten Sie Reformer, sie mit Respekt zu behandeln, statt gegen sie aufzubegehren?
- Jemand hat nie etwas unterschrieben, doch andere haben sich auf eine stillschweigende Übereinkunft mit ihm verlassen. Warum bindet ihn ein feiner Gerechtigkeitssinn trotzdem daran?
- Das Ziel einer ethischen Gesellschaft sei, sagen Sie mit Aristoteles, nicht Erkenntnis, sondern Handeln. Bleibt da bei ihren Treffen noch Raum für Argumente?