Werkal-Ghazālī

Das Elixier der Glückseligkeit

Al-Ghazālīs persisches Buch über die Hinwendung der Seele zu Gott, in der gekürzten Fassung, die ein amerikanischer Missionar 1873 nach einer türkischen Vorlage anfertigte.

von al-Ghazālī133 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Kīmiyā-yi Saʿādat
Originalsprache
Persisch

Rechtsverletzung melden

Überblick

Gegen Ende seines Lebens, um 1105, verfasste al-Ghazālī auf Persisch das Kīmiyā-yi saʿādat, als kürzeres Gegenstück zu seinem arabischen Iḥyāʾ ʿulūm al-dīn in vierzig Büchern. Das vollständige Werk hat vier Teile zu je zehn Kapiteln: über den Gottesdienst, den Umgang mit anderen Menschen, die Laster und die Tugenden. Schon der persische Titel, wörtlich „Alchemie der Glückseligkeit“, trägt das Argument. So wie die Alchemie nach damaligem Glauben unedles Metall in Gold verwandelte, wendet die rechte Erkenntnis den Menschen von der Welt ab und Gott zu. Sie hat vier Gegenstände: das eigene Selbst, Gott, diese Welt, wie sie wirklich ist, und die kommende. Henry A. Homes lebte vierzehn Jahre als amerikanischer Missionar in Konstantinopel, vertrat dort die Vereinigten Staaten als Geschäftsträger und wurde später Bibliothekar der New York State Library in Albany. Dort gab er 1873 eine englische Fassung heraus; als Vorlage diente ihm eine türkische Ausgabe, 1845 in der kaiserlichen Druckerei von Konstantinopel gedruckt. Sie gebe, so vermerkte er, nur einen Teil des Originals wieder, und er selbst strich weitere Abschweifungen, Wiederholungen und einige Beispiele. Weil die osmanische Zensur das Buch zugelassen hatte, zeige es zudem, so Homes, was acht Jahrhunderte nach seiner Entstehung noch als rechtgläubig galt. Seine Fassung widmet jeder der vier Erkenntnisse ein Kapitel – an erster Stelle der Selbsterkenntnis als Schlüssel zur Gotteserkenntnis – und ein fünftes der Liebe zu Gott. Weitere englische Fassungen folgten: Claud Fields Kürzung von 1910, teils nach einer Urdu-Übersetzung angefertigt, und Jay R. Crooks vollständige Übersetzung aus dem Persischen von 2008.

Schlüsselbegriffe

Warum heißt das Buch ein Elixier, eine Alchemie?

Das Elixier oder die Alchemie des Titels ist die Erkenntnis Gottes. Alchemisten hofften, unedles Metall in Gold zu verwandeln; diese Erkenntnis wendet einen Menschen von der Welt zu Gott, dem einzigen dauerhaften Glück. Billig ist sie nicht zu haben: Das Buch verlangt Selbstverleugnung und Mühe. Es warnt auch, sie sei selten, und wer auf der Jagd nach ihr das solide Gold der gewöhnlichen religiösen Gelehrsamkeit verachtet, stehe am Ende mit nichts da.

Auf welchen vier Erkenntnissen ist das Buch gebaut?

Vier Dinge muss man kennen, und das Buch gibt jedem ein Kapitel: sich selbst, Gott, diese Welt, wie sie wirklich ist, und die kommende Welt. Sie bilden eine Leiter, keine Liste. Die Selbsterkenntnis steht vorn, weil sie der Schlüssel zur Gotteserkenntnis ist. Wer Gott kennt, sieht, wozu die Welt da ist, und wer diese und die nächste kennt, weiß, was mit den Jahren dazwischen zu tun ist. Die Liebe zu Gott, das letzte Kapitel, ist das Ziel der Leiter.

Was meint das Buch mit dem Geist?

Der Geist ist das eigentliche Selbst eines Menschen, und er ist nicht der Körper. Sein Dasein steht außer Zweifel, sagt das Buch, doch er hat weder Hand noch Fuß, weder Auge noch Ohr und nimmt keinen Ort ein; der Körper ist sein Werkzeug und sein Reittier. Sinne und Glieder dienen ihm wie Diener einem Herrscher. Im Tod wird der Körper abgelegt, und der Geist besteht fort mit dem, was er erkannt und geliebt hat.

Was meint das Buch mit „der Welt“?

Die Welt ist in diesem Buch nicht die Erde und nicht die anderen Menschen, sondern ein Zustand: die Lage vor dem Tod, benannt nach seiner Nähe, im Gegensatz zum künftigen Zustand, benannt nach seiner Dauer. Sie soll dazu dienen, Vorrat für das nächste Leben zu sammeln: Erkenntnis, Liebe zu Gott, gute Taten. Weltlich im schlechten Sinn wird etwas in ihr erst, wenn es diesem Zweck nicht mehr dient und um seiner selbst willen geliebt wird.

Was unterscheidet einen Propheten von einem Heiligen?

Beide empfangen Wissen unmittelbar von Gott, ohne Studium. Ein Prophet hat diese Gabe und wird außerdem gesandt, die Völker zu Gott zu rufen und eine Lebensordnung, ein Gesetz, zu bringen; was er über das Gewöhnliche hinaus wirkt, heißt Wunder. Ein Heiliger hat dieselbe Art Gabe, folgt aber dem Gesetz eines früheren Propheten und ist nicht gesandt; was er Außergewöhnliches wirkt, heißt Gnadenwunder. Das Buch verlangt, keines von beiden zu leugnen.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Ein kleines Abbild des Herrschers

Kann der Blick nach innen etwas über Gott lehren? Die ersten beiden Kapitel behaupten, das eigene Selbst sei das einzige Modell göttlicher Herrschaft, das man von innen studieren kann.

Das Buch beginnt mit dem Wort, wer sich selbst kenne, kenne seinen Herrn, und macht daraus eine Methode. Der Geist ist nicht der Körper, regiert ihn aber wie ein Herrscher sein Reich, unsichtbar und an keinem bestimmten Ort. Diese Ordnung ist ein kleines Abbild, jedem Menschen mitgegeben, damit er einen Herrscher begreift, der die Welt regiert, ohne in ihr zu wohnen. Wer die Ereignisse den Sternen oder Hitze und Kälte zuschreibt, gleicht einer Ameise, die eine Feder schreiben sieht und nie an die Hand denkt.

  • Selbsterkenntnis
  • Gotteserkenntnis
  • Seele
  • Leib
  • Leib und Seele
  • Menschennatur
  • Analogie
  • Schöpfung
  • Göttliche Vorsehung

Ein Markt am Weg

Wie viel eines Lebens gehört den Dingen, die dieses Leben braucht? Die Antwort hängt an einem einzigen Bild: die Welt als Rastplatz, nicht als Heimat.

Die Welt ist im dritten Kapitel ein Markt mitten in der Wüste, auf dem Reisende Vorräte für eine längere Reise kaufen. Der Körper ist das Kamel des Pilgers: Er muss es füttern und tränken, doch wer jede Stunde nur mit seinem Kamel zubringt, verliert die Karawane und stirbt in der Wüste. Von außen gesehen ist die Welt eine alte Frau in Seide und Brokat, und die Törichten verlieben sich in das Kostüm. Das religiöse Gesetz gibt das Maß: so viel Sorge um den Körper, wie die Reise braucht, nicht mehr.

  • Weltlichkeit
  • Anhänglichkeit
  • Verlangen
  • Religionsrecht
  • Gehorsam
  • geistliche Zucht
  • Tugend

Was der Tod aufdeckt

Wenn das nächste Leben straft, woher kommt die Strafe? Al-Ghazālī findet sie in dem, was ein Mensch aus dieser Welt mitnimmt: seinen Lieben.

Der Tod, so das vierte Kapitel, vernichtet den Geist nicht, er trennt ihn vom Körper, und der Geist behält, was er geliebt hat. Wessen Herz an Geld, Rang oder Lust hing, dem wird all das mit einem Schlag entrissen; die Skorpione und Schlangen des Grabes sind eben diese Bindungen, zu Schmerz geworden. Die geistige Hölle hat drei Feuer: die Trennung vom Begehrten, die Scham, wenn verborgene Fehler offenbar werden, und den Ausschluss von Gottes Schönheit. Keines kommt von außen hinzu, jedes wird in diesem Leben gebaut.

  • Jenseits
  • Tod
  • Herz
  • Moralpsychologie
  • Vernunft
  • Prophezeiung

Das Schöne lieben

Kann man zur Liebe verpflichtet werden? Das Buch antwortet, Liebe folge dem Erkennen: Wer sieht, was Gott ist, liebt ihn, ohne dass man es ihm befiehlt.

Das letzte Kapitel nennt die Liebe zu Gott das Ziel allen anderen Wissens und gibt der Liebe zwei Ursachen: Schönheit und Wohltat. Wer eine schöne Kalligraphie sieht, fühlt sich zu der Hand hingezogen, die sie schrieb. Die Schönheit der Gestalt, beharrt das Buch, gehört dem Geist, nicht dem Körper, und alles Schöne hat seine Schönheit von Gottes Licht, also ist jede wahre Liebe am Ende Liebe zu ihm. Da er zudem Quelle jeder empfangenen Güte ist, kann nicht anders, als ihn zu lieben, wer ihn kennt.

  • Göttliche Liebe
  • Gottesliebe
  • Glück
  • Mystik
  • Gottesverehrung
  • Wissen
  • Erkenntnistheorie
  • Kosmologie

In diesem Werk

Passagen vorhanden
133
eigenständige Begriffe
216
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 444

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Gotteserkenntnis“ und „Jenseits“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 21 Paarungen. 86 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
GotteserkenntnisJenseits7
AnhänglichkeitJenseits6
GotteserkenntnisSeele6
JenseitsSeele6
HerzWissen5
JenseitsTod5
AnhänglichkeitTod4
SeeleTod4
GotteserkenntnisHerz3
GotteserkenntnisTod2
Göttliche LiebeJenseits2
Göttliche LiebeTod2
HerzJenseits2
HerzSeele2
AnhänglichkeitGotteserkenntnis1
AnhänglichkeitSeele1
GotteserkenntnisGöttliche Liebe1
GotteserkenntnisWissen1
Göttliche LiebeHerz1
JenseitsWissen1
SeeleWissen1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. Al-Qisṭās al-mustaqīm: Eine Ableitung der Logik aus dem Koran (القسطاس المستقيم)

    Eine von mehreren Antworten auf die Ismāʿīliten, diese als Gespräch auf Reisen gestaltet; seine Autobiographie verweist auf sie, statt ihre Argumente zu wiederholen.

    AR
  2. Das Elixier der Glückseligkeit (Kīmiyā-yi Saʿādat) du bist hier EN
  3. Das Kriterium des Handelns (ميزان العمل)

    Die zweite Hälfte eines Paares: Nachdem er in Miʿyār al-ʿilm („Der Maßstab des Wissens“) einen Maßstab für das Erkennen gesetzt hatte, setzte er hier, um 1095 und noch in Bagdad, einen für das Handeln.

    AR
  4. Der Erretter aus dem Irrtum (المنقذ من الضلال)

    Eine intellektuelle Autobiographie, geschrieben in Nischapur, nachdem er 1106 in die Lehre zurückgekehrt war; ins Englische brachte sie erstmals Claud Field, 1909, als The Confessions of Al Ghazzali.

    EN
  5. Die Inkohärenz der Philosophen (تهافت الفلاسفة)

    Das Buch, für das ihn die Philosophie kennt, vollendet in Bagdad im Januar 1095, wenige Monate bevor er dort seinen Lehrstuhl aufgab und die Stadt verließ.

    AR
  6. Die Nische der Lichter (مشكاة الأنوار)

    Eines seiner späten Werke und jenes, in dem sein Denken den Mystikern am nächsten kommt: drei Kapitel über einen einzigen Koranvers und ein einziges Wort des Propheten.

    AR
  7. Die Wunder des Herzens (كتاب شرح عجائب القلب)

    Das einundzwanzigste der vierzig Bücher des Iḥyāʾ ʿulūm al-dīn und das Fundament der folgenden Bücher über Laster und Tugenden.

    AR
  8. The Standard of Knowledge (معيار العلم في فن المنطق)

    Nach der Inkohärenz der Philosophen verfasst, um deren Lesern das Fachvokabular der Philosophen zu erklären und Juristen wie Theologen einen Prüfstein für ihre eigenen Argumente zu geben.

    AR
  9. مقاصد الفلاسفة

    Ein Bericht vor der Widerlegung: Avicennas System, ohne ein Wort des Einwands dargelegt, eingefasst von einer kurzen Vorrede und einem Schluss, die auf Die Inkohärenz der Philosophen vorausweisen.

    AR
Anmelden oder abonnieren, um dieses Werk zu besprechen

— oder öffne ein anderes Werk aus dieser Feder