WerkAristotle

Der Staat der Athener

Mehr als tausend Jahre verschollen — und wiedergefunden auf einer Papyrusrolle, die ein amerikanischer Missionar 1890 in Ägypten kaufte.

von Aristotle132 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Ἀθηναίων Πολιτεία
Erstveröffentlichung
330 v. Chr.(mit 54 Jahren)
Originalsprache
Altgriechisch

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Überblick

Am Lykeion trug man die Verfassungen von 158 Staaten zusammen, mit ziemlicher Sicherheit als Rohmaterial für die Politik, und die meiste Arbeit daran dürften Schüler geleistet haben. Von den 158 ist einzig diese auf uns gekommen, und sie ist zugleich die, die Aristoteles am ehesten selbst geschrieben hat — woran allerdings eine Reihe ernstzunehmender Forscher zweifelt. Zurück kam sie in Stücken und durch Zufall. Zwei Blätter einer anderen Abschrift waren 1879 im Fayum aufgetaucht und 1880 gedruckt worden, unerkannt bis zum folgenden Jahr; die 1890 in Ägypten gekaufte Rolle sicherte E. A. Wallis Budge für das British Museum, und schon im Januar 1891 hatte Frederic Kenyon den Text herausgegeben. Sie kommt in zwei Hälften, die Verschiedenes tun. Die erste verfolgt, wer in Athen die Macht hatte und unter welcher Ordnung, vom Prozess gegen die Alkmaioniden bis zum Sturz der Dreißig und zur Wiederherstellung der Demokratie 403 v. Chr. Die zweite beschreibt schlicht die Apparatur: wie ein Mann als Bürger eingeschrieben wurde, wie der Rat besetzt wurde, wie die Geschworenen den Gerichtshöfen zugelost wurden, wofür jeder Amtsträger zuständig war. Sie argumentiert nichts und lobt niemanden. Genau darin liegt ihr ganzer Wert, denn mehrere ihrer Kapitel tragen Auskünfte, die in keinem anderen erhaltenen antiken Text stehen. Der Fund, hieß es damals, eröffne beinahe eine neue Epoche der griechischen Geschichtsforschung.

Schlüsselbegriffe

Was bedeutet Verfassung in diesem Buch über ein schriftliches Gründungsdokument hinaus?

Hier bezeichnet Verfassung das Gefüge, in dem eine Stadt Ämter vergibt, Herrschaft verteilt und festlegt, wer als Bürger gilt – nicht eine einzige schriftliche Urkunde. Das Buch führt daher vom Sturz der Dreißig im Jahr 403 v. Chr. über die Eintragung bis hin zu Räten, Gerichten und Magistraten. Politische Ordnung erscheint als praktisches Gefüge. Sie muss verwaltet werden.

Wie macht das Buch aus dem Bürgerrecht ein Verfahren statt eines Geburtsrechts?

Bürgerschaft erscheint als Verwaltungsstatus, der durch Eintragung und öffentliche Prüfung begründet wird, statt lediglich als vererbte Identität zu gelten. Das Buch erklärt, wie ein Mann in die Bürgerschaft aufgenommen wird und wie dieser Status für die Institutionen der Stadt sichtbar wird. Die Geburt allein erschöpft die Erklärung nicht. Erst die Eintragung macht die Zugehörigkeit politisch erkennbar.

Warum beschreibt das Buch Rat und Gerichte als getrennte Einrichtungen?

Die Trennung weist verschiedenen Körperschaften unterschiedliche Aufgaben zu: Der Rat erledigt die öffentlichen Geschäfte, während durch das Los bestimmte Geschworene in den Gerichten über Fälle entscheiden. Aristoteles’ Darstellung zeigt, dass Rechenschaft mehr voraussetzt, als ein Gemeinwesen lediglich als demokratisch zu bezeichnen; Entscheidungen müssen auf Ämter mit klar umrissenen Zuständigkeiten verteilt werden. Im Verfahren liegt Macht. Institutionen machen Herrschaft sichtbar.

Was kann ein Ämterverzeichnis sichtbar machen, was eine politische Geschichte nicht vermag?

Eine politische Geschichte hält fest, wer wann die Macht innehatte und wann sich Ordnungen veränderten; ein Ämterverzeichnis zeigt, wie die Macht im gewöhnlichen Alltag wirkte. Der zweite Teil beschreibt daher den Rat, die Zuteilung der Geschworenen und die Aufgaben der Magistrate, statt eine weitere Krise zu erzählen. Er legt den Apparat unterhalb der Ereignisse frei. Stabilität hängt von diesen Einzelheiten ab.

Warum weigert sich Der Staat der Athener, eine bestimmte Staatsordnung durchgehend zu loben?

Das Werk verfolgt Athen durch wechselnde Ordnungen – vom Prozess gegen die Alkmaioniden über den Sturz der Dreißig bis zur demokratischen Wiederherstellung im Jahr 403 v. Chr. –, ohne Demokratie, Oligarchie oder irgendeine konkurrierende Staatsform durchgehend zu beurteilen. Seine Zurückhaltung ermöglicht den Vergleich. Das Buch beschreibt, bevor es urteilt.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Wie Athen die Macht hielt

Wie hält eine Bürgerschaft die politische Macht rechenschaftspflichtig, wenn die Ordnungen wechseln? Athen hatte bis 403 vor Christus oligarchische Herrschaft und die Wiederherstellung der Demokratie hinter sich, und von der Antwort hängt ab, ob bürgerliche Freiheit ein Verfahren ist oder eine Parole bleibt.

Statt die Demokratie zu verteidigen oder die Tyrannis zu verurteilen, hält der Bericht fest, wie in Athen die Macht den Besitzer wechselte, vom Prozess gegen die Alkmaioniden bis zum Sturz der Dreißig und zur Wiederherstellung 403 vor Christus. Die zweite Hälfte wendet sich von der politischen Geschichte zur Verwaltung: Bürgereinschreibung, Rat, Verlosung der Geschworenen, Zuständigkeiten der Amtsträger. Diese Paarung macht Rechenschaft greifbar. Gelobt oder verurteilt wird keine Ordnung; gezeigt werden die Verfahren, durch die bürgerliche Macht ausgeübt, geprüft und bestritten werden konnte.

  • Bürgerpflicht
  • institutionelle Gestaltung
  • Rechenschaftspflicht
  • politische Macht
  • Bürokratie
  • Gerechtigkeit
  • Demokratie
  • öffentliche Verwaltung
  • Rechtsstaatlichkeit
  • Politische Autorität
  • Politische Legitimität
  • Losverfahren
  • Oligarchie
  • öffentliche Finanzen
  • Tyrannei

In diesem Werk

Passagen vorhanden
132
eigenständige Begriffe
210
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 164

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Governance mit institutionelle Gestaltung.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 19 Paarungen. 178 gemeinsame Passagen insgesamt. 81 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Governanceinstitutionelle Gestaltung22
BürgerpflichtGovernance21
GovernanceRechenschaftspflicht15
Bürgerpflichtinstitutionelle Gestaltung14
BürgerpflichtRechenschaftspflicht13
BürokratieGovernance13
Governancepolitische Macht11
Rechenschaftspflichtinstitutionelle Gestaltung10
BürgerpflichtBürokratie8
Bürokratieinstitutionelle Gestaltung8
GerechtigkeitGovernance8
BürokratieRechenschaftspflicht7
Governancepolitische Stabilität7
Gerechtigkeitinstitutionelle Gestaltung5
GerechtigkeitRechenschaftspflicht5
BürgerpflichtGerechtigkeit4
Gerechtigkeitpolitische Stabilität3
Bürgerpflichtpolitische Stabilität2
Rechenschaftspflichtpolitische Stabilität2

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  2. -330 Der Staat der Athener (Ἀθηναίων Πολιτεία) du bist hier GRCEN
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