WerkAristotle

Politik

Aristoteles zerlegt die Polis in Dörfer und Haushalte, sortiert die Verfassungen danach, wer regiert und in wessen Interesse, und fragt, warum Regime stürzen.

von Aristotle511 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Πολιτικά
Erstveröffentlichung
330 v. Chr.(mit 54 Jahren)
Originalsprache
Altgriechisch

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Überblick

Ehe Aristoteles die Polis als Polis behandelt, zerlegt er sie in Dörfer und Haushalte. Darum trägt das erste Buch die Behauptung, dass manche Menschen von Natur Sklaven seien — in seiner eigenen Formulierung eingeschränkt auf jeden, der sich von anderen Menschen so unterscheidet wie ein Körper von einer Seele —, und daneben die Frage, ob die Tugenden einer Frau und die eines Mannes dieselben sind. Das zweite Buch liest dann Platons Staat genau und verwirft ihn: Gemeinsamer Besitz wird mehr Streit hervorbringen statt weniger, und gemeinsame Frauen und Kinder werden die natürliche Zuneigung nicht ausbreiten, sondern sie so lange verdünnen, bis nichts mehr davon übrig ist. Von dort geht das Werk zum Vergleich über, sortiert die Verfassungen danach, wer regiert und in wessen Interesse, und untersucht ausführlich, warum Regime stürzen. Fast das gesamte aristotelische Corpus erreichte das mittelalterliche Europa durch arabische Hände; dieses Werk scheint den Weg nie angetreten zu haben, und der lateinische Westen besaß überhaupt keinen Text davon, bis Wilhelm von Moerbeke um 1260 auf Bitten des Thomas von Aquin einen übersetzte. Die Handschrift, von der er ausging, brach mitten im zweiten Buch ab, sodass er bessere Abschriften kommen lassen und die Arbeit noch einmal machen musste. Nicole Oresme übertrug es ab 1372 für Karl V. ins Französische, die erste Fassung in einer modernen Sprache, und unterbrach sich unablässig, um über die Generalstände zu sprechen. Ob die acht Bücher in der richtigen Reihenfolge stehen, ist umstritten, seit Werner Jaeger die These aufstellte, hier seien zwei getrennte Abhandlungen zusammengefügt worden. Die beste Polis wird beschrieben, und dann hört der Text einfach auf.

Schlüsselbegriffe

Was meint Aristoteles mit dem Gelderwerb als einer eigenständigen Kunst?

Aristoteles unterscheidet die Haushaltsführung von der Kunst des Gelderwerbs. Die Haushaltsführung zielt auf die Güter, die ein Haushalt zum Leben braucht, während der Gelderwerb nach Geld strebt, ohne einer natürlichen Grenze zu folgen. Den Tausch zur Deckung notwendiger Bedürfnisse behandelt er anders als den Handel, der auf Anhäufung ausgerichtet ist – vor allem dann, wenn das Geld selbst zum Zweck und nicht mehr zum Mittel wirtschaftlicher Tätigkeit wird. Diese Unterscheidung zieht eine moralische Grenze um den Wohlstand.

Warum misst Aristoteles der Mittelschicht eine so große politische Bedeutung bei?

Aristoteles misst der Mittelschicht politische Bedeutung bei, weil sie zwischen den Extremen von Reichtum und Armut steht. Wer über ein gemäßigtes Vermögen verfügt, so seine Argumentation, wird weniger dazu neigen, die Armen zu beherrschen oder den Reichen ihren Wohlstand zu missgönnen; außerdem kann er abwechselnd herrschen und gehorchen. Eine Stadt mit einer großen Mittelschicht hat daher bessere Aussichten, Zerwürfnisse zu vermeiden und ihre Verfassung zu bewahren.

Was meint Aristoteles mit der Politie als einer Regierungsform?

Die Politie bezeichnet eine Verfassung, in der die Vielen zum gemeinsamen Vorteil regieren, gewöhnlich in einer Ordnung, die demokratische und oligarchische Elemente miteinander verbindet. Aristoteles versteht sie als praktische Alternative zur Herrschaft der Reichen oder der Armen allein. Ihre gemischte Struktur ist deshalb von Bedeutung, weil sie den rivalisierenden Gruppen einen Anteil an der Regierung gibt, ohne einer von ihnen zu erlauben, die Stadt als Privateigentum zu behandeln.

Warum macht Aristoteles die Muße zum Ziel von Arbeit und Krieg?

Aristoteles macht die Muße zum Ziel von Arbeit und Krieg, weil das politische Leben letztlich die Tätigkeiten ermöglichen soll, die zu einem guten Leben gehören. Die Arbeit liefert das Notwendige, und der Krieg schützt die Stadt; weder das eine noch das andere ist jedoch der letzte Zweck menschlicher Gemeinschaft. Die Muße erlaubt die Ausbildung von Tugend und Urteilskraft sowie jene Tätigkeiten, die Aristoteles mit Bildung und Musik verbindet. Der Frieden dient daher einer Lebensform, die über das bloße Überleben hinausgeht.

Wie unterscheidet Aristoteles zwischen zahlenmäßiger Gleichheit und Gleichheit nach Verdienst?

Aristoteles unterscheidet zahlenmäßige Gleichheit von proportionaler Gleichheit. Die zahlenmäßige Gleichheit gibt jedem denselben Anteil, während die proportionale Gleichheit die Anteile nach einem maßgeblichen Unterschied verteilt, etwa nach Verdienst oder Beitrag. Politische Gruppierungen berufen sich selektiv auf diese Grundsätze: Demokraten betonen den freien Status, Oligarchen den Reichtum. Seine Analyse erklärt, warum einander widersprechende Ansprüche auf Gerechtigkeit jeweils plausibel erscheinen können und dennoch zu unvereinbaren Verfassungen führen.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Die Stadt und das gemeinsame Leben

Was macht aus Haushalten und Dörfern eine Stadt, und was soll eine Stadt sichern? Aristoteles’ Antwort entscheidet darüber, ob die politische Gemeinschaft nur dem Überleben dient oder dem guten Leben.

Aristoteles baut die Stadt aus Haushalten und Dörfern auf und gibt der politischen Gemeinschaft dann einen Zweck jenseits von Schutz und Handel: Sie ermöglicht den Menschen, gut zu leben. Gegen die Vorstellung, die Stadt sei bloß ein künstlicher Vertrag, versteht er das gemeinsame Leben als Entfaltung menschlicher Anlagen — und verteidigt zugleich Hierarchien, darunter die natürliche Sklaverei und getrennte Tugenden für Ehefrauen und für Männer. Buch II prüft Platons Versuch, private Bindungen zu tilgen. Gemeinsamer Besitz würde den Streit vervielfachen, gemeinsame Familien die Zuneigung verdünnen. Gemeinschaft braucht besondere Bindungen.

  • Gemeinschaft
  • soziale Organisation
  • Politische Legitimität
  • Governance
  • politische Partizipation
  • Glück
  • Recht

Verfassungen und Stabilität

Wer soll herrschen, und wessen Interessen soll die Herrschaft dienen? Die Antwort trennt rechtmäßige Verfassungen von ihren entarteten Formen und erklärt, warum selbst gut entworfene Ordnungen zerfallen.

Aristoteles vergleicht die Verfassungen anhand zweier Fragen: Wie viele regieren, und regieren sie zum gemeinsamen Vorteil oder zum eigenen? Königtum, Aristokratie und Politie stehen darum gegen Tyrannis, Oligarchie und Demokratie, sobald die Herrschenden den eigenen Nutzen verfolgen; die Einteilung erlaubt ihm, Macht zu analysieren, ohne eine einzelne institutionelle Form für überall hinreichend zu halten. Danach untersucht er Umstürze, Parteiungen und Ungleichheit, um politische Instabilität zu erklären, und fragt, wie eine Ordnung sich erhalten kann, statt bloß Autorität zu beanspruchen. Stabilität muss gestaltet werden.

  • politische Stabilität
  • politische Theorie
  • politische Philosophie
  • Führung
  • institutionelle Gestaltung
  • Demokratie
  • politische Macht
  • Politische Autorität
  • Sozialer Zusammenhalt
  • Gleichheit
  • Rechtsstaatlichkeit
  • Ökonomik
  • Oligarchie
  • Tyrannei
  • Eigentumsverhältnis

Bürgerschaft und staatsbürgerliche Bildung

Was müssen Bürger lernen und einüben, bevor eine Verfassung Bestand haben kann? Aristoteles macht Bildung und Bürgertugend zu politischen Notwendigkeiten, denn eine Ordnung überlebt nur, wenn ihre Bürger für ihre Gesetze und Ziele gebildet sind.

Eine Verfassung erreicht ihre Zwecke nicht durch Ämter und Gesetze allein; sie muss die Bürger zu den Tugenden erziehen, die ihre Herrschaftsform verlangt. Aristoteles bindet die Bürgerschaft an das Regieren und das Regiertwerden, während Gerechtigkeit, Verdienst und Gleichheit strittig bleiben, je nach Verfassung und je nach den Gütern, die sie verteilt. So stellt das Werk die staatsbürgerliche Pflicht neben die institutionelle Gestaltung: Regierende wie Bürger müssen Gewohnheiten ausbilden, die die politische Ordnung tragen. Erziehung ist Verfassungsarbeit.

  • Tugendethik
  • Gerechtigkeit
  • Erziehung
  • Bürgertugend
  • Meritokratie
  • Staatsbürgerschaft
  • Politische Institutionen
  • Aristokratie

In diesem Werk

Passagen vorhanden
511
eigenständige Begriffe
536
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 62

Was dieses Buch zusammen denkt

Jeder Bogen am Rad ist ein Begriff dieses Buches. Ein Band verbindet zwei, nach denen der Text gemeinsam greift; seine Breite zeigt, wie viele seiner Passagen beide enthalten. Am stärksten: Governance mit politische Stabilität.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 16 Paarungen. 326 gemeinsame Passagen insgesamt. 84 schwächere Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Governancepolitische Stabilität59
Governancepolitische Theorie56
Governancepower dynamics34
Governanceinstitutionelle Gestaltung28
politische Stabilitätpower dynamics26
FührungGovernance21
Governancepolitische Philosophie17
AutoritätGovernance15
AutoritätFührung10
Führungpolitische Stabilität10
Führungpower dynamics10
institutionelle Gestaltungpolitische Stabilität10
institutionelle Gestaltungpolitische Theorie10
Autoritätpower dynamics7
politische Theoriepower dynamics7
Autoritätpolitische Stabilität6

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    Über Porphyrios' Isagoge kamen die mittelalterlichen Schulen an diese sechs heran. Der Rest des Corpus benutzt sie einfach: Die Physik, die Metaphysik und die biologischen Schriften setzen den Syllogismus und die zehn Arten voraus.

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  2. -330 Der Staat der Athener (Ἀθηναίων Πολιτεία)

    Historiker benutzen sie als Quelle, nicht als zu deutenden Text — was auf nichts sonst unter dem Namen des Aristoteles zutrifft. Ihr Platz ist neben der Politik: das erhaltene Stück jener Erhebung, die für sie angelegt wurde.

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  3. -330 Poetik (Περὶ Ποιητικῆς)

    Ihr nächster Nachbar im Corpus ist die Rhetorik: Nirgends sonst nimmt Aristoteles eine Kunst von der Seite des Machenden her auseinander, und nirgends sonst spricht er ausführlicher über Dichtung.

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  4. -330 Politik (Πολιτικά) du bist hier GRCEN
  5. Eudemische Ethik (Eudemian Ethics)

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    Aristoteles selbst behandelt denselben Boden im ersten Buch der Politik, wo er die Hauswirtschaft durchgeht. Im Corpus halten diese drei Bücher ihren Platz allein durch den Namen.

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  9. Rhetorik (The "Art" of Rhetoric)

    Volksversammlung, Gericht und Leichenrede sind der Gegenstand; die Form ist die der Schule, wie bei allem, was von Aristoteles erhalten ist.

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