WerkAristoteles

Organon

Ob ein Schluss gilt, entscheidet seine Form und nicht sein Gegenstand — sechs Abhandlungen darüber, geordnet und benannt erst lange nach dem Tod ihres Verfassers.

von Aristoteles749 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Ὄργανον
Erstveröffentlichung
350 v. Chr.(mit 34 Jahren)
Originalsprache
Altgriechisch

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Überblick

Was die sechs Abhandlungen zusammen leisten, ist, die Form eines Arguments von seinem Gegenstand zu lösen. Wenn alle A B sind und alle B C, dann steht der Schluss, worüber A, B und C auch handeln mögen, und die Erste Analytik ist der erste erhaltene Versuch überhaupt, aufzuschreiben, welche solchen Muster funktionieren und warum. Die Reihenfolge, in der sie stehen, stammt von Andronikos von Rhodos und wurde um 40 v. Chr. festgelegt; der Name kam später, von Alexander von Aphrodisias, der sie im frühen dritten nachchristlichen Jahrhundert ein Organon nannte — ein Werkzeug, also kein Teil der Philosophie, sondern das Gerät, das man vor ihr in die Hand nimmt. Das Wort war ein Zug in einem Streit mit den Stoikern, die die Logik für einen Teil der Philosophie hielten. An der Spitze stehen die Kategorien, die sonderbarste der sechs: fünfzehn kurze Kapitel, ungewöhnlicherweise gar nicht in Bücher geteilt, die alles, was sich von einem Subjekt sagen lässt, in zehn Arten sortieren — Substanz, Quantität, Qualität, Relation, Ort, Zeit und vier weitere. Die Schlussabschnitte lesen sich eher nach dem Anhang eines Herausgebers als nach Aristoteles, und manche Forscher bezweifeln, dass das Buch überhaupt von ihm stammt. Dann teilte die Überlieferung die Sammlung entzwei. Boethius' lateinische Fassungen der Kategorien und von De interpretatione waren sechshundert Jahre lang alles, was der Westen hatte; der Rest kam erst im zwölften Jahrhundert zurück — die Topik, die Sophistischen Widerlegungen und die Erste Analytik in Boethius' eigenen, vergessenen Fassungen, die Zweite Analytik neu übersetzt von Jakob von Venedig nach griechischen Handschriften in Konstantinopel. Kant meinte, es bleibe nichts mehr zu erfinden. Francis Bacon widersprach laut genug, um sein eigenes Buch von 1620 Novum Organum zu nennen — das neue Werkzeug, Alexanders Wort zurückgeholt.

Schlüsselbegriffe

Was meint Aristoteles in den Kategorien mit einer ersten Substanz?

Eine erste Substanz ist ein Einzelding: dieser Mensch, dieses Pferd. Alles andere wird entweder von solchen Einzeldingen ausgesagt, wie „Mensch“ und „Lebewesen“, oder ist in ihnen, wie eine Farbe im Körper. Art und Gattung heißen Substanz nur in zweitem Sinn, weil sie angeben, was das Einzelne ist. Nimmt man die Einzeldinge weg, sagt Aristoteles, könnte nichts anderes bestehen.

Was unterscheidet konträre von kontradiktorischen Aussagen?

Ein kontradiktorisches Paar besteht aus einer Behauptung und ihrer genauen Verneinung: „Jeder Mensch ist weiß“ und „Nicht jeder Mensch ist weiß“. Eine der beiden ist wahr, die andere falsch. Konträr sind die beiden Extreme, „Jeder Mensch ist weiß“ und „Kein Mensch ist weiß“. Sie können nicht beide wahr sein, wohl aber beide falsch, nämlich dann, wenn einige Menschen weiß sind und andere nicht. Auf diesem Unterschied ruht die Wahrheitslehre von De interpretatione.

Was ist ein Syllogismus, und wozu dienen darin die Buchstaben?

Ein Syllogismus ist ein Schluss, bei dem aus einigen zugestandenen Sätzen etwas anderes mit Notwendigkeit folgt. Das klassische Muster: Kommt A jedem B zu und B jedem C, dann kommt A jedem C zu. Die Buchstaben zeigen, dass der Schluss allein am Muster hängt und nicht daran, wovon die Rede ist. Die Erste Analytik geht die möglichen Muster durch und trennt die gültigen von den ungültigen.

Worin unterscheidet sich ein Beweis von einem bloß gültigen Schluss?

Ein Beweis ist ein Syllogismus, der Wissen davon gibt, warum etwas so ist. Seine Vordersätze müssen wahr sein, grundlegender als der Schlusssatz und dessen Ursache nennen. Aristoteles’ Beispiel: Man kann schließen, die Planeten seien nahe, weil sie nicht funkeln, doch das stellt nur die Tatsache fest. Die Planeten funkeln nicht, weil sie nahe sind; erst ein Schluss in dieser Ordnung ist ein Beweis.

Was ist Dialektik, und wozu taugt sie Aristoteles zufolge?

Dialektik ist die Kunst, aus anerkannten Meinungen zu argumentieren, aus dem, was alle, die meisten oder die Weisen für richtig halten, statt aus bewiesenen ersten Wahrheiten. Einer fragt, der andere verteidigt eine These. Die Topik nennt drei Zwecke: Übung des Verstandes, das Gespräch mit anderen auf deren eigenem Boden und die Philosophie, weil man leichter sieht, wo die Wahrheit liegt, wenn man beide Seiten einer Frage vertreten kann.

Was ist eine sophistische Widerlegung?

Ein Argument, das den Gegner zu widerlegen scheint, es aber nicht tut. Aristoteles zählt dreizehn Arten. Sechs leben von der Sprache, vor allem von einem Wort mit zwei Bedeutungen: Übel sind „notwendig“, das „Notwendige“ ist gut, also sind Übel gut. Sieben kommen ohne solche Tricks aus, etwa wenn vorausgesetzt wird, was gerade strittig ist. Wer die Arten kennt, kann sagen, an welcher Stelle das Argument bricht.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Die zehn Arten des Sagbaren

Was tun wir, wenn wir von einem Menschen sagen, er sei ein Lebewesen, er sei blass, er sei auf dem Markt? Die drei Antworten sind von verschiedener Art, und an ihrer Unterscheidung hängt, was überhaupt als Ding gilt.

Die Kategorienschrift ordnet alles, was sich von einem Subjekt sagen lässt, in zehn Arten: was es ist, wie groß, wie beschaffen, worauf bezogen, wo, wann und vier weitere. Zugrunde liegt das Einzelne, dieser Mensch oder dieses Pferd, das Aristoteles erste Substanz nennt; Art und Gattung sind Substanz nur in zweitem Sinn, und gäbe es keine Einzeldinge, könnte nichts anderes bestehen. Ein Merkmal hebt die Substanz heraus: Sie bleibt ein und dieselbe und nimmt doch Gegensätze an, erst blass, dann dunkel, erst gut, dann schlecht.

  • Prädikation
  • Klassifikation
  • Gattung und Art
  • Gattung
  • Akzidenzien
  • Eigenschaften
  • Konträre
  • Substanz
  • Kategorien
  • Qualitäten
  • Quantität
  • Relationen
  • Privation

Aussage, Wahrheit und die offene Zukunft

Wahr oder falsch kann nur ein Satz sein, der etwas bejaht oder verneint. Gilt das auch für einen Satz über morgen, und ist der morgige Tag dann schon entschieden?

De interpretatione beginnt bei den Wörtern, Zeichen kraft Übereinkunft, und grenzt die eine Satzart ein, die die Logik braucht: die Aussage. Auch eine Bitte ist ein Satz, aber weder wahr noch falsch. Zu jeder Bejahung gehört genau eine Verneinung, und von einem solchen Paar muss eine Seite wahr sein. Aristoteles prüft die Regel an einer Seeschlacht, die morgen stattfinden mag oder nicht. Wäre eine Seite schon heute wahr, geschähe alles notwendig und jedes Überlegen wäre müßig; also steht für ihn noch nicht fest, welche der beiden wahr ist.

  • Sprache
  • Negation
  • Widerspruch
  • Kontingenz
  • Notwendigkeit
  • Bejahung und Negation
  • Wahrheit

Der Syllogismus: Form ohne Gegenstand

Welche Schlüsse zwingen, worüber sie auch handeln? Um das herauszufinden, setzt Aristoteles Buchstaben an die Stelle der Dinge.

Ein Syllogismus ist nach der Ersten Analytik eine Rede, in der, wenn einiges gesetzt ist, etwas anderes daraus mit Notwendigkeit folgt. Aristoteles schreibt die Begriffe als Buchstaben, ordnet die möglichen Paare von Vordersätzen in drei Figuren und fragt bei jedem, ob ein Schluss folgt. Wenige Muster der ersten Figur leuchten unmittelbar ein, er nennt sie vollkommen; die übrigen beweist er, indem er sie auf diese zurückführt. Wo ein Muster nichts erzwingt, zeigt er das an Begriffen wie Schwan und Schnee, bei denen die Vordersätze wahr sind und der vermeintliche Schluss falsch.

  • syllogistische Logik
  • Syllogismus
  • Logik
  • Schlussfolgerung
  • Konversion
  • Modallogik

Beweis: Wissen, warum es so ist

Ein gültiger Schluss aus wahren Sätzen erklärt noch nichts. Was muss hinzukommen, damit ein Beweis Wissen gibt, und wo fängt die Kette der Beweise an?

Etwas im strengen Sinn wissen heißt nach der Zweiten Analytik, seine Ursache kennen und einsehen, dass es sich nicht anders verhalten kann. Ein Beweis ist darum ein Syllogismus, dessen Vordersätze wahr, erste und als Ursachen früher sind als der Schlusssatz. Dass die Planeten nahe sind, lässt sich daraus erschließen, dass sie nicht funkeln, doch nur die umgekehrte Ordnung erklärt. Wer meint, das Beweisen laufe ins Endlose oder im Kreis, erhält zur Antwort: Erste Prinzipien werden gar nicht bewiesen, der Geist erfasst sie, ausgehend von Wahrnehmung, Erinnerung und Erfahrung.

  • Demonstration
  • Wissen
  • Verursachung
  • Wesen
  • Universalien

Dialektik und die Widerlegung, die nur so aussieht

Gestritten wird meist dort, wo kein Beweis zu haben ist, zwischen einem Fragenden und einem, der eine These verteidigt. Wie macht man das gut, und wie durchschaut man eine Widerlegung, die nur so aussieht?

Die Dialektik der Topik schließt aus dem, was allen, den meisten oder den Weisen einleuchtet. Aristoteles nennt drei Zwecke: Übung, Gespräch mit anderen und Philosophie, denn die ersten Prinzipien einer Wissenschaft lassen sich in ihr selbst nicht beweisen. Der größte Teil der Schrift liefert Gesichtspunkte, um eine vorgeschlagene Definition zu prüfen, die leichter umzustoßen als aufzustellen ist. Die Sophistischen Widerlegungen gelten der Fälschung: dreizehn Weisen, wie ein Argument zu widerlegen scheint, sechs davon hängen an der Sprache, etwa ein Wort mit zwei Bedeutungen, sieben nicht.

  • Dialektik
  • Argumentation
  • Definition
  • Fehlschlüsse
  • Mehrdeutigkeit
  • Äquivokation
  • Widerlegung

In diesem Werk

Passagen vorhanden
749
eigenständige Begriffe
430
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 88

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Argumentation“ und „Dialektik“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 26 Paarungen. 81 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
ArgumentationDialektik39
DefinitionPrädikation35
DefinitionDemonstration32
FehlschlüsseLogik27
LogikPrädikation22
DefinitionDialektik19
DialektikLogik16
DefinitionLogik12
DemonstrationDialektik12
Demonstrationsyllogistische Logik12
ArgumentationFehlschlüsse11
Prädikationsyllogistische Logik11
ArgumentationLogik10
DemonstrationPrädikation10
DialektikPrädikation10
DemonstrationLogik9
ArgumentationDefinition8
DialektikFehlschlüsse8
FehlschlüssePrädikation7
ArgumentationDemonstration3
ArgumentationPrädikation3
Argumentationsyllogistische Logik3
DefinitionFehlschlüsse3
Dialektiksyllogistische Logik3
Fehlschlüssesyllogistische Logik3
Definitionsyllogistische Logik2

Vorhandene Werke

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  1. -350 Organon (Ὄργανον) du bist hier EN
  2. -345 Eudemische Ethik (Eudemian Ethics)

    Zu dritt sind die aristotelischen Ethiken überliefert; bestritten wird die Echtheit allein bei der dritten, der Magna Moralia.

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  3. -340 Metaphysik (Metaphysics)

    Form, Stoff und Ursache trägt die Physik aus, nicht dieses Buch, und die Schriften über die Tiere und die Seele bauen auf deren Gerüst. Alexander von Aphrodisias, Avicenna, Averroes und Thomas von Aquin haben je einen Kommentar darauf errichtet.

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  4. -335 Nikomachische Ethik (Ἠθικὰ Νικομάχεια)

    Die Tradition behielt diese und nicht die andere: die vollständigste der drei ethischen Abhandlungen, und drei ihrer zehn Bücher teilt sie mit der Eudemischen Ethik, die denselben Boden abdeckt.

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  5. -335 Rhetorik (The "Art" of Rhetoric)

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  6. -330 Der Staat der Athener (Ἀθηναίων Πολιτεία)

    Historiker benutzen sie als Quelle, nicht als zu deutenden Text — was auf nichts sonst unter dem Namen des Aristoteles zutrifft. Ihr Platz ist neben der Politik: das erhaltene Stück jener Erhebung, die für sie angelegt wurde.

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  7. -330 Poetik (Περὶ Ποιητικῆς)

    Ihr nächster Nachbar im Corpus ist die Rhetorik: Nirgends sonst nimmt Aristoteles eine Kunst von der Seite des Machenden her auseinander, und nirgends sonst spricht er ausführlicher über Dichtung.

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  8. -330 Politik (Πολιτικά)

    Kein fertiges Buch, sondern Vorlesungen, in die kürzere Stücke und Randnotizen eingearbeitet sind — und der Ort, auf den die Nikomachische Ethik zulief, als sie zum Schluss die Untersuchung des Charakters in die der Verfassungen übergehen ließ.

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  9. -320 Oikonomika (Economics)

    Aristoteles selbst behandelt denselben Boden im ersten Buch der Politik, wo er die Hauswirtschaft durchgeht. Im Corpus halten diese drei Bücher ihren Platz allein durch den Namen.

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