Religion ist ein Leben, kein Glaubensbekenntnis
Ein vollendeter Theologe mag nie die Regung des Geistes gespürt haben, so wie Farbenblinde interessante Schlüsse über die Farbe gezogen haben; deshalb lässt sich die Frage der Überschrift nur aus der eigenen religiösen Erfahrung beantworten.
Der Glaube verfällt auf einem festen Weg: Wahrnehmung erhärtet sich zu Vertrauen, Vertrauen zu Glauben und Glaube zu einer Abstraktion, über die die Theologen streiten, bis nichts Lebendiges übrig ist. Die „Didache“, ein Jahrzehnt vor diesem Aufsatz aus einer Bibliothek in Konstantinopel geborgen, ist der Beleg dafür, dass die früheste christliche Lehre zwei Wege darlegte und kein Bekenntnis verlangte. Der Weg des Lebens ist die Liebe. Der Rest richtet sich an die Kirchen, die ihre Grenzen nicht mehr so eng ziehen sollen, dass gebildete Menschen draußen bleiben.
- Glauben
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- Kirchenreform
- Wissenschaft und Religion
- intellektuelle Demut
Ins Gespräch kommen
- Ein frühchristliches Handbuch von etwa 100 beschreibt zwei Wege, den des Lebens und den des Todes, ohne Glaubensbekenntnis. Warum finden Sie dort den rettenden Glauben?
- Wer in einer Kirche aufgewachsen ist, findet das Bekenntnis unmöglich und das Leben darin weiterhin überzeugend. Lässt Ihre Darstellung ihn bleiben?
- Das Gebot der Liebe wurde von Ägyptern, Stoikern, Buddhisten und Konfuzius vorweggenommen. Warum werten Sie das als Zeichen göttlicher Wahrheit und nicht als Einwand?
- Aberglaube ist der Schmutz auf dem ehrwürdigen Pflaster eines Heiligtums, sagen Sie, und wer es reinigen will, solle drinnen niederknien. Warum muss der Kritiker von innen arbeiten?
- Manche wissenschaftlich Gebildete, aus den Kirchen ausgeschlossen, reden davon, eine eigene zu gründen. Warum raten Sie ihnen zu warten und vor allem, ihrerseits niemanden auszuschließen?