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Cato der Ältere über das Alter

Cato der Ältere nimmt sich mit vierundachtzig die vier üblichen Klagen über das Altwerden einzeln vor – und weist alle vier zurück.

von Cicero65 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Originaltitel
Cato Maior de Senectute
Erstveröffentlichung
44 v. Chr.(mit 62 Jahren)
Originalsprache
Latein

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Überblick

Ein Jahrhundert nach seinem Tod holte Cicero den alten Cato zurück: vierundachtzigjährig sitzt er im Jahr 150 v. Chr. mit zwei jüngeren Römern zusammen und beantwortet die vier Vorwürfe, die jeder gegen das Alter erhob – dass es einen von jeder Tätigkeit abzieht, dass es den Körper schwächt, dass es das Vergnügen nimmt und dass es neben dem Tod steht. Cato antwortet auf jeden einzeln. Große Geschäfte werden durch Urteil und Ansehen geführt, nicht durch Kraft; das Verlöschen der Begierde ist eine Befreiung und kein Raub, denn die Begierde war es, die die Menschen dumm machte; ein Geist, der in Gebrauch bleibt, bleibt seinem Besitzer erhalten; und der Tod ist entweder das Ende, das niemand erleiden kann, oder ein Anfang, den zu fürchten sich nicht lohnt. Die Wahl des Sprechers ist das halbe Argument: Cato lernte im Alter noch Griechisch, bewirtschaftete bis zuletzt sein Land, führte Prozesse, schrieb Geschichte und starb mit fünfundachtzig. Die Wahl ist zugleich die Grenze des Arguments – Cato war reich, berühmt, gesund und von Menschen umgeben, und Cicero wusste es. Er lässt Cato es selbst aussprechen, statt darüber hinwegzugehen. Merkwürdig wird das Buch durch die Lage, aus der heraus es geschrieben ist: Cicero war in seinen Sechzigern, durch Caesars Sieg aus der Politik gedrängt und seit einem Jahr in Trauer um eine Tochter, und nichts davon steht auf der Seite. Es wurde einer der beiden kurzen Cicero-Texte, die Europa immer wieder nachdruckte. William Caxton ließ im August 1481 eine englische Fassung durch seine Presse in Westminster gehen, übersetzt von Stephen Scrope und durchgesehen von William Worcester, und zweihundertdreiundsechzig Jahre später druckte Benjamin Franklin in Philadelphia die Übersetzung von James Logan – der erste Klassiker, der in Nordamerika übersetzt und gedruckt wurde, und das Buch aus seiner eigenen Presse, das Franklin am liebsten mochte.

Schlüsselbegriffe

Welche vier Vorwürfe beantwortet Cato, wenn er das Alter verteidigt?

Cato beantwortet vier gängige Vorwürfe: Das Alter ziehe den Menschen vom Handeln ab, schwäche den Körper, nehme die Freuden und rücke den Tod näher. Diese Abfolge gibt dem Dialog seine argumentative Gestalt. Jede Klage benennt einen vermeintlichen Verlust, und Cato antwortet, indem er den Maßstab für ein gelungenes Leben verschiebt: weg von Kraft und Begehren, hin zu Urteilskraft, geistiger Tätigkeit und Freiheit von der Furcht.

Warum schätzt Cato Autorität höher als körperliche Stärke ein?

Für Cato hängen öffentliche Angelegenheiten stärker von Urteilskraft und Autorität ab als von körperlicher Kraft. Das Alter kann daher die Art des Handelns verändern, ohne einem Menschen die Fähigkeit zum Handeln zu nehmen: Erfahrung und Ansehen erlauben es einem älteren Menschen, zu lenken, zu beraten und Entscheidungen zu treffen. Diese These preist die Untätigkeit nicht; sie verlagert die Wirksamkeit von dem, was der Körper leisten kann, auf das, was die Urteilskraft lenken kann.

Was hält den Geist tätig, wenn das Alter den Körper schwächt?

Für Cato ist die fortgesetzte Tätigkeit des Geistes die Voraussetzung dafür, dass ein älterer Mensch seine Handlungsfähigkeit bewahrt. Ein Geist, der sich in Urteil, Lernen und Nachdenken übt, verschwindet nicht einfach, wenn der Körper schwächer wird; er bleibt ein aktiver Besitz. Catos eigenes spätes Studium des Griechischen sowie seine fortgesetzte Tätigkeit in der Landwirtschaft, als Prozessredner und in der Geschichtsschreibung geben dieser These ein konkretes Beispiel, statt sie als bloßen Ratschlag stehen zu lassen.

Wie begründet Cato, dass der Tod nicht gefürchtet werden sollte?

Catos Argument gegen die Furcht vor dem Tod hat zwei Seiten: Wenn der Tod das Bewusstsein beendet, bleibt niemand zurück, der unter ihm leiden könnte; wenn der Tod ein anderes Dasein eröffnet, muss auch dieses nicht gefürchtet werden. Das Argument beweist nicht, welche der beiden Möglichkeiten zutrifft. Es nimmt der Furcht den Grund, indem es zeigt, dass keine der beiden Alternativen den Lebenden einen Anlass gibt, den Tod als Übel zu betrachten.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Das Alter als Wandel der Kräfte

Nimmt das Älterwerden die Voraussetzungen für ein lebenswertes Leben, oder ersetzt es Kraft durch Urteilskraft, Freiheit und Weitblick?

Cato beantwortet die vier Vorwürfe gegen das Alter der Reihe nach: Es muss das nützliche Handeln nicht beenden, denn die öffentlichen Geschäfte hängen an Urteil und Ansehen so gut wie an der Kraft; es muss die Freude nicht zerstören, denn ein schwindendes Verlangen kann von törichter Begierde befreien; es muss den Geist nicht ausleeren, sofern der Geist im Gebrauch bleibt; und der Tod muss nicht schrecken, ob er nun die Erfahrung beendet oder ein anderes Leben beginnt. Doch Cicero gibt Cato eine ehrliche Grenze: Mit vierundachtzig ist er reich, gesund und von Menschen umgeben.

  • Alterung
  • Weisheit
  • Natur
  • Tod
  • Akzeptanz
  • Charakter
  • Gedächtnis
  • Tugend
  • Führung
  • Pflicht
  • Wachstum
  • Lust
  • Zeit
  • Trauer
  • Vernunft
  • Integrität
  • Autorität
  • hohes Alter
  • Landwirtschaft
  • Bürgertugend
  • Freundschaft
  • Unsterblichkeit
  • Besonnenheit
  • Geistiges Leben
  • Phronesis
  • öffentlicher Dienst
  • Mäßigung
  • Landleben
  • Jenseits
  • Gespräch

In diesem Werk

Passagen vorhanden
65
eigenständige Begriffe
169
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 600

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Tod“ und „hohes Alter“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 12 Paarungen. 57 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Todhohes Alter7
Tugendhohes Alter6
Naturhohes Alter5
TodUnsterblichkeit5
Bürgertugendhohes Alter4
Landwirtschafthohes Alter4
LandwirtschaftNatur4
NaturTod2
Unsterblichkeithohes Alter2
BürgertugendFreundschaft1
Freundschafthohes Alter1
TodTugend1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. -70 Sämtliche Reden (Orations)

    Vier Bände gehaltener und veröffentlichter Rede – manche, wie die gegen Verres, nie vorgetragen. Ein Teil der philosophischen Bücher entstand erst, als er aus diesem Leben verdrängt war.

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  2. -54 De re publica / Vom Staat (De re publica)

    Platon schrieb Der Staat und dann Die Gesetze; Cicero nahm sich beides vor, und die Abhandlung über das Recht ist das Gegenstück zu diesem Buch – ein paar Jahre später begonnen und unvollendet geblieben.

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  3. -52 Über Gesetze (De legibus)

    Was De re publica beschrieben hatte, sollte hier Gesetz werden. Jahrhundertelang lief das Buch als die geringere Hälfte eines Paares um, dessen bessere Hälfte verschollen war.

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  4. -46 Brutus / Orator (Brutus; Orator)

    Nicht die Reden selbst, sondern der Bericht über sie und über alle, die sie vor ihm gehalten hatten. Mit im Band steht Orator, das Bild des idealen Redners, im selben Jahr für denselben Widmungsträger geschrieben.

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  5. -45 Akademische Abhandlungen. Lucullus (Academica)

    Wer wissen will, warum Cicero zur skeptischen Akademie hielt, wird von Vom Wesen der Götter, später im selben Jahr entstanden, hierher verwiesen: Hier verteidigt er das Verfahren, jede Seite einer Frage zu erörtern und sich mit dem Wahrscheinlichen zu begnügen.

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  6. -45 Gespräche in Tusculum (Tusculanae Disputationes)

    Die praktische Fortsetzung der Abhandlung über das höchste Gut, unmittelbar danach geschrieben: Jenes Buch vergleicht, was die Schulen für das Gute halten; dieses setzt die Antwort gegen Furcht und Trauer ein.

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  7. -45 Über das höchste Gut und das größte Übel (De finibus bonorum et malorum)

    Ciceros ausführlichste Darstellung der Ethik: drei Gespräche, in verschiedenen Jahren und an verschiedenen Orten angesiedelt, verbunden zu einem Überblick darüber, wozu nach den führenden Schulen ein Leben da ist.

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  8. -45 Vom Wesen der Götter (De natura deorum)

    Nach den Gesprächen in Tusculum vollendet, eröffnete es eine Reihe von drei Büchern über Religion: Über die Wahrsagung und Über das Fatum folgten 44 v. Chr.

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  9. -44 Cato der Ältere über das Alter (Cato Maior de Senectute) du bist hier EN
  10. -44 Laelius über die Freundschaft (De Amicitia)

    Die Ausgabe druckt im Anschluss Der Traum des Scipio, der zu De re publica gehört. Der ständige Begleiter dieses Buches steht daneben auf dem Regal: Cato der Ältere über das Alter.

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  11. -44 Vom pflichtgemäßen Handeln (De officiis)

    Das letzte seiner philosophischen Bücher und das, das am weitesten gereist ist: Über Jahrhunderte hinweg war es schlicht das Standardbuch des richtigen Verhaltens.

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