Recht vor dem Gesetz
Kann ein Herrscher ein Gesetz allein dadurch schaffen, dass er es verkündet? Cicero knüpft den politischen Gehorsam an einen Maßstab, der ihm vorausliegt: Verstoßen erlassene Regeln gegen die Göttern und Menschen gemeinsame Vernunft, verlieren sie den Namen eines Gesetzes.
Geschrieben, während Rom sich von einem Mord an der Via Appia zu erholen suchte, gründet die Schrift das Recht in einer Vernunft, die Göttern und Menschen gemeinsam ist, und nicht im Befehl eines Souveräns. Ein Gesetz, das dieser gemeinsamen Ordnung widerspricht, ist für Cicero darum überhaupt kein Gesetz; er widerspricht damit der Ansicht, schon die Erlassung schaffe Rechtsgültigkeit. Dann übersetzt er den Grundsatz in Bestimmungen über Gottesdienst, Beamte und Abstimmungen. Das Argument bricht ab, bevor die Befugnisse des Konsuls geklärt sind. Die unvollendete Form lässt die vorgeschlagene Verfassung ohne letzte Probe.
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- Naturrecht
Ins Gespräch kommen
- Wenn ein Gesetz gebietet, was die Vernunft verbietet, wie soll ein Bürger diese Pflicht benennen?
- Deine Lehre macht die Vernunft Göttern und Menschen gemeinsam; was hindert die Macht daran, ihre Präferenz als Natur auszugeben?
- Wenn man anerkennt, dass ungerechte Gesetze keine Gesetze sind: Welche Autorität muss ein Mensch dann zurückweisen?
- Worin unterscheidet sich dein Naturrecht von der Behauptung eines Herrschers, dass erlassene Befehle Rechtmäßigkeit begründen?