Der Rohentwurf des Kapitals
Woher kommt der Reichtum, und könnte eine Gesellschaft ihn je in freier Zeit statt in Arbeit messen? In einer Finanzpanik rasch geschrieben, denken diese privaten Hefte die Frage laut.
In sieben Heften des Krisenwinters 1857/58 denkt Marx Geld, Kapital, Arbeit und Produktion freier und philosophischer durch, als er es sich im Druck gestattet hätte. Er skizziert den Drang des Kapitals, die Arbeiter durch Maschinen zu ersetzen, und stellt sich einen Reichtum vor, der nicht in Arbeit, sondern in freier Zeit gemessen wird — ein hegelianischerer, spekulativerer Marx, als seine Leser ihn kannten. Für spätere Bücher abgebrochen und beiseitegelegt, blieb das Manuskript achtzig Jahre ungelesen und trat erst nach einer Neuausgabe von 1953 hervor, um zentral für die Marx-Renaissance der Neuen Linken zu werden.
- Eigentumsverhältnis
- Arbeit
- Kapital
- Produktion
- Reichtum
- Entfremdung
- Historischer Materialismus
- Politische Ökonomie
- Historische Entwicklung
- Modernität
- Gemeineigentum
- Gemeinschaft
- Land
Ins Gespräch kommen
- Der Beruf eines Menschen wird wegautomatisiert, und man sagt ihm, er solle für den Fortschritt dankbar sein — geben ihm diese Hefte eine andere Sicht auf die Maschine?
- Jemand arbeitet umso länger, je produktiver seine Werkzeuge werden — erklärt deine Skizze vom Kapital, das die Arbeit verdrängt, dieses Paradox?
- Du stellst dir Reichtum vor, gemessen in freier Zeit statt Arbeit — doch wenn Maschinen alles herstellen, wem gehören sie, warum befreit das jemanden?
- Um sich eine Gesellschaft vorzustellen, die den Reichtum in freier Zeit zählt — welche tiefe Annahme, dass die Arbeit einem Leben seinen Wert gibt, muss ein Mensch loslassen?
- Wie unterscheiden sich diese rohen Hefte vom fertigen Kapital — was hast du dir hier zu denken erlaubt, das du aus dem gedruckten Buch gestrichen hast?