Hegels Staat vom Kopf auf die Füße gestellt
Steht der Staat als fleischgewordene Vernunft über der Gesellschaft, oder ist er das Erzeugnis der wirklichen Menschen und privaten Interessen unter ihm? Die Antwort entscheidet, ob die Politik Theologie ist oder etwas, das ein Mensch ändern kann.
Marx liest Hegels Rechtsphilosophie Paragraph für Paragraph und wendet Feuerbachs Methode gegen deren Urheber: Hegel hatte das eigentliche Subjekt — Familien, Bedürfnisse, den Widerstreit der Interessen — zum bloßen Prädikat der Idee gemacht und Monarchie und Bürokratie als deren Verkörperung gekrönt. Gegen diese Mystifikation setzt Marx die Demokratie, in der der Staat offen das eigene Werk des Volkes ist. Das Manuskript brach unveröffentlicht ab und wartete achtzig Jahre auf einen Leser, doch sein Einsatz — dass das materielle Leben der politischen Form zugrunde liegt — bestimmte die Richtung von allem, was er danach schrieb.
- Staat
- Souveränität
- Monarchie
- Demokratie
- politische Theorie
- politische Philosophie
- Abstraktion
- Mystifikation
- Selbstbewusstsein
- Metaphysik
- Staatstheorie
- Zivilgesellschaft
- Politische Verfassung
- Verfassung
- Idealismuskritik
Ins Gespräch kommen
- Für die meisten fühlt sich Politik an wie das Wetter — etwas, das ihnen widerfährt, nicht etwas, das sie gemacht haben. Ändert dein Streit mit Hegel das?
- Ein Bürger wählt und zahlt Steuern und spürt doch, dass die wirklichen Entscheidungen anderswo fallen — benennt deine Kritik, was er da fühlt?
- Hegel umzukehren ist elegant, doch warum erklärt das materielle Leben den Staat besser als die Idee — ist das nicht bloß ein anderes Dogma?
- Wenn der Staat nur das eigene Erzeugnis der Gesellschaft ist und nicht fleischgewordene Vernunft — welche Ehrfurcht vor Gesetz und Autorität muss ein Mensch preisgeben?
- Wie unterscheidet sich deine Demokratie, in der der Staat offen das Werk des Volkes ist, von Hegels konstitutioneller Monarchie, die ebenfalls beanspruchte, die Vernunft des Volkes zu verkörpern?