Das Śatapatha Brāhmaṇa, ein gewaltiges Priesterhandbuch des vedischen Opfers, führt Yājñavalkya als Autorität dafür an, wie die Riten zu vollziehen sind. Eine Entscheidung zeigt seine Art. Der Text verbietet dem Opferherrn, das Fleisch einer Kuh oder eines Ochsen zu essen, und verzeichnet dann Yājñavalkyas Erwiderung: Er selbst esse es, sofern es zart sei. Der Schlussteil desselben Brāhmaṇa ist die Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad, und dort stellt der Ritualexperte mit der spitzen Zunge eine andere Frage. Er fragt nicht mehr, wie das Opfer wirkt, sondern wer der Mensch ist, der es vollzieht, und seine Antworten gehören zur ältesten Philosophie, die in Indien überliefert ist.
Ob hinter dem Sprecher ein einzelner Mann stand, können die Texte nicht sagen. Die Forschung setzt die Upaniṣad um das siebte oder sechste Jahrhundert vor Christus an, und die Jahreszahlen auf dieser Seite geben dieses Datum wieder, keine Lebenszeit. Steven Lindquist, ein Religionswissenschaftler, der die Figur durch mehr als tausend Jahre Literatur verfolgt hat, behandelt Yājñavalkya als eine Gestalt, an der die Texte immer weiter bauten, und versucht nicht, den Menschen dahinter zu rekonstruieren. Die spätere Überlieferung macht ihn zum Begründer des Weißen Yajurveda, einer der Ritualschulen des Veda, und erzählt, sein erster Lehrer Vaiśampāyana habe ihn alles Gelernte zurückgeben lassen. Auch ein Gesetzbuch, die Yājñavalkya Smṛti, trägt seinen Namen und lässt ihn sagen, er habe die Waldlehre von der Sonne empfangen. Patrick Olivelle, ihr moderner Herausgeber und Übersetzer, datiert sie ins vierte oder fünfte Jahrhundert nach Christus, als Werk eines Verfassers, dessen Name verloren ist.
In der Upaniṣad erwirbt er sein Ansehen in einem Wettstreit. König Janaka von Videha setzt tausend Kühe, Gold an die Hörner gebunden, für den gelehrtesten der Brahmanen bei seinem Opfer aus. Niemand wagt, sie zu beanspruchen, und Yājñavalkya lässt seinen Schüler sie heimtreiben, noch bevor er eine einzige Frage beantwortet hat. Die Herausforderer folgen einer nach dem anderen. Gārgī, eine gelehrte Frau, setzt ihm zweimal zu, und er warnt sie, nicht über das hinaus zu fragen, was gefragt werden darf. Als Ārtabhāga, ein weiterer Herausforderer, fragt, was nach dem Tod von einem Menschen bleibt, nimmt Yājñavalkya ihn bei der Hand und weigert sich, vor allen zu antworten. Die beiden gehen beiseite, und der Text berichtet nur, dass sie über das Handeln sprachen, karma: Gut wird ein Mensch durch gutes Handeln, schlecht durch schlechtes.
Was er Janaka danach lehrt, lenkt den Blick von der Welt auf den, der sie sieht. Wenn Sonne und Mond untergegangen sind, das Feuer erloschen ist und die Rede schweigt, hat ein Mensch noch ein Licht, und dieses Licht ist das Selbst. Das Selbst sieht, kann aber nicht gesehen werden, und es lässt sich nur durch Verneinung beschreiben: neti neti, „nicht so, nicht so“. Im traumlosen Schlaf, sagt er dem König, wird ein Mensch wie ein Ozean, ein einziger Seher ohne einen zweiten, advaita; Michael Witzel, Indologe in Harvard, schreibt Yājñavalkya die Prägung dieses Begriffs zu. Wie ein Mensch handelt, so wird er, und wie er begehrt, so handelt er.
Der letzte Dialog spielt zu Hause. Kurz bevor er sein Haus verlässt, um als Wanderer zu leben, bietet Yājñavalkya an, seinen Besitz zwischen seinen beiden Frauen Maitreyī und Kātyāyanī aufzuteilen. Maitreyī fragt, ob die ganze Erde voller Reichtum sie unsterblich machen würde. Er verneint und sagt, ein Gatte, eine Gattin oder ein Sohn sei um des Selbst willen lieb. Lindquist zählt den Abschied vom Hausstand zu dem, was Yājñavalkya der Literatur zufolge als Erster tat, und das Ideal der Entsagung, das ihm zugeschrieben wird, wurde für die hinduistischen Orden wandernder Asketen wichtig.
Die Schule des Advaita Vedānta, die das Selbst und das Brahman für eins hält, fand später ihre eigene Lehre in diesen Dialogen; Śaṅkara, ihr Gründungslehrer, schrieb einen Kommentar zur ganzen Upaniṣad. Die Dialoge selbst sind Jahrhunderte älter als jede Schule des Vedānta.