Wo die Macht der Gesellschaft über den Einzelnen endet
Wann darf man einen Erwachsenen zwingen, etwas zu tun oder zu lassen? Mill gibt eine einzige Regel für das Gesetz und die öffentliche Meinung, und die schwierigen Fälle beginnen, sobald sie ausgesprochen ist.
Gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gemeinschaft darf Macht nur zu einem Zweck gebraucht werden: um Schaden von anderen abzuwenden. Sein eigenes Wohl, das leibliche wie das sittliche, ist ein Grund, mit ihm zu reden, und keiner, ihn zu zwingen. Mill wendet die Regel auf das Gesetz wie auf gesellschaftlichen Druck an und nimmt Kinder und Gesellschaften aus, die er barbarisch nennt. Dann prüft er sie. Wer eine unsichere Brücke betreten will, darf aufgehalten werden, denn stürzen will er nicht. Niemand darf sich in die Sklaverei verkaufen, weil Freiheit nicht die Freiheit einschließt, sich selbst aufzugeben. Alkoholverbot und Sabbatgesetze bestehen die Prüfung nicht.
- Schadensprinzip
- selbstbezügliches Handeln
- Paternalismus
- individuelle Freiheit
- Freiheitsrecht
- Rechtsansprüche
- Politische Autorität
- Autonomie
- Zentralisierung
Ins Gespräch kommen
- Jemand will eine Brücke betreten, die als unsicher bekannt ist, und für eine Warnung bleibt keine Zeit. Warum darf man ihn festhalten, ohne seine Freiheit zu verletzen?
- Niemand lebt ganz für sich, und wer sich durch Trunk oder Spiel ruiniert, schadet auch seiner Familie. Wie bleibt da irgendein Verhalten allein seine eigene Sache?
- Muslime empfinden echten Ekel vor dem Verzehr von Schweinefleisch. Warum hätte eine muslimische Mehrheit nach Ihrem Grundsatz trotzdem kein Recht, ihn allen zu verbieten?
- Ein Mensch darf sich Ihnen zufolge mit Alkohol zugrunde richten, sich aber nicht in die Sklaverei verkaufen. Warum endet die Freiheit gerade bei diesem einen Handel?
- Ihr Freiheitsgrundsatz nimmt Barbaren aus, für die eine Despotie rechtens ist, sofern sie sie bessert. Wer entscheidet, wann ein Volk mündig geworden ist?