Das Recht des Stärkeren, für Natur gehalten
Woher sollte jemand wissen, was Frauen von Natur aus sind, wenn niemand sie je frei hat aufwachsen sehen? Mill legt die Beweislast denen auf, die eine Ordnung verteidigen, die mit Gewalt begann.
Die Unterwerfung der Frauen, so Mill, wurde nie nach einem Vergleich mit anderen Möglichkeiten gewählt. Sie begann, als das stärkere Geschlecht die Macht nahm, und das Gesetz machte aus der Tatsache später ein Recht, wie einst bei der Sklaverei. Dass sie natürlich wirkt, beweist wenig, denn jede Herrschaft erschien denen natürlich, die sie innehatten. Was die Natur der Frau heißt, ist etwas höchst Künstliches, das Ergebnis von Treibhauszucht in der einen Richtung und Unterdrückung in der anderen. Die Erfahrung kann nicht zwischen zwei Ordnungen entschieden haben, wenn nur eine erprobt wurde. Männer wollen eine willige Sklavin, also erzieht man Frauen zu dem Glauben, Nachgeben sei ihr Wesen.
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Ins Gespräch kommen
- Männer wollen Ihrer Darstellung nach in einer Frau keine gezwungene Sklavin, sondern eine willige. Wodurch wird ein ganzes Geschlecht dazu erzogen, die eigene Abhängigkeit zu wollen?
- Jede Gesellschaft, die die Geschichte kennt, hat die Frauen den Männern unterstellt. Warum ist diese lange Erfahrung kein Beleg dafür, dass die Ordnung sich bewährt?
- Die Erziehung der Frauen schildern Sie als Pflanze, auf einer Seite im Treibhaus getrieben, auf der anderen im Frost gelassen. Was hält man dann für Natur?
- Frauen, heißt es, nehmen die Herrschaft der Männer freiwillig hin und klagen nicht. Warum lassen Sie diese Hinnahme nicht als Zustimmung gelten?