Hinrichtungen in seinem Namen
Ist ein Mensch verantwortlich für das Töten, mit dem der Staat die Ordnung schützt, in der er lebt? Tolstoi sagt ja und verlangt, selbst gehenkt zu werden, wenn das Töten weitergeht.
Die Hinrichtungen von 1908, so Tolstoi, geschahen im Namen der Ordnung und des Gemeinwohls und damit auch in seinem Namen. Er sah eine klare Verbindung zwischen seinem geräumigen Zimmer, seinem Mittagessen und seiner Muße und dem Töten, das all dies schützen sollte, und er wollte nicht länger damit leben. Also stellte er sich eine Bedingung: das Geschriebene in Russland und im Ausland zu verbreiten, bis die Hinrichtungen aufhörten oder seine eigene Verbindung mit ihnen zerrissen wäre, durch Gefängnis oder, besser noch, durch eine eingeseifte Schlinge wie die der Bauern.
- Mittäterschaft
- moralische Verantwortung
- Gewissen
- politische Verantwortung
- Klassenverhältnisse
- Landbesitz
- soziale Ungerechtigkeit
- Gerechtigkeit
Ins Gespräch kommen
- Lieber Gefängnis oder Schlinge, als so weiterzuleben wie bisher – verlangt das am Ende, die eigene Mitschuld ernst zu nehmen?
- Sie erinnern die Minister daran, dass Christus schon das Richten über den Bruder verbot, und klagen sie doch selbst der Verbrechen an. Warum ist das kein Richten?
- Die Beamten sagen, die Revolutionäre hätten das Töten begonnen. Sie antworten, diese seien die eigenen Schüler der Regierung und nutzten dieselben Mittel. Wodurch sind sie deren Kinder?
- Sie verbinden die Hinrichtungen damit, dass Bauern das Land vorenthalten wird, auf dem sie geboren wurden. Trägt jeder Grundbesitzer Mitschuld an dem Töten, das seinen Besitz schützt?