Wie das Leben funktioniert, nie aber, wozu es da ist
Kann man das Leben verstehen, indem man seinen Mechanismus erforscht? Die Naturforscher und Theologen seiner Zeit, so Tolstoi, vergaßen zu fragen, wozu es da ist.
Am Anfang steht das Gleichnis von einem Müller, der so davon gefesselt ist, wie der Fluss sein Rad antreibt, dass er nicht mehr nach dem Mehl sieht. Genau das, meint Tolstoi, taten die Gelehrten seiner Zeit mit der Frage nach dem Leben. Die Naturforscher erforschten seinen Mechanismus, die Theologen seine Riten, und keiner fragte, wozu das Leben da ist. Ihre Untersuchungen konnten endlos weitergehen und einen Menschen doch ohne etwas lassen, wonach er leben kann, denn sie beantworteten eine andere Frage.
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Ins Gespräch kommen
- Jemand weiß genau, wie sein Körper und sein Geist funktionieren, und kann doch nicht sagen, wofür er lebt – was hat er übersehen?
- Ein Müller vertieft sich so sehr darin, wie der Fluss sein Rad dreht, dass er sein Mehl nicht mehr prüft. Welches Mehl vernachlässigen die Gelehrten Ihrer Zeit?
- Sie vergleichen die Rede der Wissenschaft vom Leben mit der Frage, wie dick die Schale eines Elefanteneis wäre, wenn Elefanten wie Vögel schlüpften. Warum ist das müßig?
- Das Versprechen der Wissenschaft, das Leben zu erklären, ist, sagen Sie, ein Messiasreich mit der Wissenschaft in der Messiasrolle. Warum soll das Warten darauf Glaube sein?
- Die Bücher dreier Glaubenslehren enthalten die Weisheit der Menschheit und kosten fünf Rubel und zwei Wochen Lesezeit. Warum ignorieren die Gelehrten sie?