WerkLeo Tolstoi

The Four Gospels Harmonized and Translated

(dt. etwa: Vereinigung und Übersetzung der vier Evangelien)

Vier Evangelien, neu aus dem Griechischen übersetzt und zu einer einzigen Erzählung verschmolzen: Die Lehre bleibt, die Wunder werden als Legende beiseitegelegt.

von Leo Tolstoi2.745 Passagen vorhanden

  • Russisch, die Originalsprache
Originaltitel
Соединение и перевод четырёх Евангелий
Erstveröffentlichung
(mit 64 Jahren)
Originalsprache
Russisch

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Überblick

In einem Brief an seinen Schüler Wladimir Tschertkow nannte Tolstoi dieses Buch das Beste, was sein Geist hervorgebracht habe. Als Freunde zehn Jahre nach der Niederschrift vorschlugen, es zu drucken, stimmte er zu, räumte aber in seinem Vorwort von 1891 ein, es sei längst nicht fertig und ihm fehle die Kraft, es zu vollenden. 1902, im Vorwort zu einer neuen Ausgabe, ging er weiter: Hingerissen von seiner Entdeckung, habe er dunkle Stellen mit künstlichen und vermutlich falschen Erklärungen des Griechischen seiner Deutung gefügig gemacht. Umgeschrieben hat er es nie. Die Arbeit reicht bis an den Anfang der 1880er-Jahre zurück, kurz nach der Krise von Meine Beichte. Damals kam Tolstoi zu dem Schluss, dass er nur auf einem Weg erfahren könne, was Jesus tatsächlich gelehrt hatte: beiseitelassen, was die Kirche darüber sagte, und zum griechischen Text zurückgehen. Evangelienharmonien hatten Gelehrte schon vor ihm verfasst, darunter Frederic Farrar und der Straßburger Theologe Eduard Reuss, doch sie ordneten die Berichte nach dem historischen Ablauf. Tolstoi ordnete sie nach ihrem Sinn, zog Johannes zu den drei anderen hinzu und verwob alle vier zu einer einzigen Erzählung in zwölf Kapiteln; er übersetzte Vers für Vers und stritt dabei mit den kirchlichen Auslegern. Er behielt, was die Frage berührte, wie man leben soll. Die Geburtsgeschichten behandelte er als Legenden, wie sie um jede Gestalt wachsen, die nach ihrem Tod Bedeutung erlangt; den Bericht von der Auferstehung nannte er eine Unwahrheit, mit der die ersten Christen eine wahre Lehre verbreitet hätten. Ein Versuch von 1885, das Werk durch die kirchliche Zensur zu bringen, scheiterte. Der Exilverleger Michail Elpidine druckte es zwischen 1892 und 1894 in Genf in drei Bänden, voller Druckfehler, und ab 1895 folgte in London eine englische Übersetzung. Tolstoi zog daraus auch eine viel kürzere Fassung, The Gospel in Brief.

Schlüsselbegriffe

Was unterscheidet Tolstois Evangelienharmonie von früheren?

Sie ordnet die vier Berichte nach ihrem Sinn, nicht nach der Geschichte. Gelehrte wie Frederic Farrar und Eduard Reuss hatten die Evangelien zu einer chronologischen Erzählung geordnet. Tolstoi zog Johannes zu den drei anderen hinzu und verwob sie zu einer einzigen Erzählung in zwölf Kapiteln, geordnet nach dem, was die Lehre sagt, sodass sich das Buch als Folge von Gedanken liest und nicht als Lebensbeschreibung.

Nach welchem Maßstab entscheidet Tolstoi, was er von den Evangelien behält?

Was darauf zielt, wie man leben soll, bleibt; das Übrige wird beiseitegelegt. Nach diesem Maß werden die Geburtsgeschichten zu Legenden, wie sie um jede Gestalt wachsen, die nach ihrem Tod bedeutend wird, und die Auferstehung zu einer Unwahrheit, mit der die ersten Christen eine wahre Lehre verbreiteten. Der Maßstab ist praktisch, nicht historisch: Eine Stelle bleibt, weil man nach ihr leben kann.

Warum kehrte Tolstoi zum griechischen Text zurück, statt der Kirche zu vertrauen?

Weil er zu dem Schluss kam, dass die kirchliche Darstellung Jesu gerade das Hindernis war, seine Lehre zu erkennen. Nach der Krise von Meine Beichte beschloss er, diese Darstellung beiseitezulegen und das Griechische selbst zu übersetzen, Vers für Vers, im Streit mit den kirchlichen Auslegern. Übersetzen ist in diesem Buch die Methode, eine Lehre ihren Hütern wieder abzugewinnen.

Welchen Fehler fand Tolstoi später in seiner eigenen Methode?

Dass die Entdeckung den Belegen vorausgeeilt war. In einem Vorwort von 1902 schrieb er, er habe, hingerissen von seinem Fund, dunkle Stellen mit künstlichen und wohl falschen Erklärungen des Griechischen seiner Lesart angepasst. Schon 1891 hatte er das Werk unvollendet genannt. Er hat es nie neu geschrieben, obwohl er es in einem Brief an Wladimir Tschertkow das Beste nannte, was sein Geist hervorgebracht habe.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Zurück zum Griechischen, an der Kirche vorbei

Wie soll man erfahren, was Jesus wirklich lehrte, wenn eine Kirche zwischen dem Leser und dem Text steht? Tolstois Antwort war, das Griechische selbst neu zu übersetzen, Vers für Vers.

Zu Beginn der 1880er Jahre entschied Tolstoi, dass man nur erfahren könne, was Jesus gelehrt hatte, wenn man beiseitelegt, was die Kirche darüber sagt, und zum griechischen Text zurückkehrt. Frühere Evangelienharmonien, darunter die von Frederic Farrar und Eduard Reuss, ordneten die vier Berichte nach der Geschichte; Tolstoi ordnete sie nach ihrem Sinn, zog Johannes zu den drei anderen hinzu und stritt dabei mit den kirchlichen Auslegern. 1902 gab er zu, dunkle Stellen seiner Lesart angepasst zu haben, mit künstlichen und wohl falschen Erklärungen des Griechischen.

  • Übersetzung
  • Textkritik
  • Schriftauslegung
  • Bibelauslegung
  • Interpretation
  • Schrift
  • Religiöse Autorität
  • Verstehen
  • Wahrheit

Die Lehre bewahrt, die Wunder beiseitegelegt

Was bleibt von den Evangelien, wenn nur bewahrt wird, was darauf zielt, wie man leben soll? Die Geburtsgeschichten werden zur Legende, die Auferstehung zu einer Unwahrheit, die eine wahre Lehre trug.

Tolstoi bewahrte alles in den Evangelien, was darauf zielte, wie man leben soll. Die Geburtsgeschichten behandelte er als Legenden von der Art, wie sie um jede Gestalt wachsen, die nach ihrem Tod bedeutend wird. Den Bericht von der Auferstehung nannte er eine Unwahrheit, mit der die ersten Christen eine wahre Lehre verbreitet hätten. Übrig bleibt eine einzige Erzählung in zwölf Kapiteln, die befolgt und nicht geglaubt werden will, und aus ihr zog er später eine viel kürzere Fassung, The Gospel in Brief.

  • Wunder
  • Glauben
  • Heil
  • geistliches Leben
  • Spiritualität
  • Jüngerschaft
  • moralische Verantwortung
  • Religionsrecht
  • Tod

In diesem Werk

Passagen vorhanden
2.745
eigenständige Begriffe
1.428
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 15

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Bibelauslegung“ und „Übersetzung“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 27 Paarungen. 86 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
BibelauslegungÜbersetzung71
Religiöse AutoritätSchriftauslegung30
BibelauslegungReligiöse Autorität25
InterpretationÜbersetzung25
InterpretationReligion24
InterpretationReligiöse Autorität19
ReligionSchriftauslegung17
SchriftauslegungÜbersetzung15
ReligionÜbersetzung14
Glaubengeistliches Leben13
BibelauslegungReligion10
GlaubenReligion10
GlaubenSchriftauslegung9
BibelauslegungGlauben8
Religiöse AutoritätÜbersetzung8
GlaubenInterpretation7
ReligionReligiöse Autorität7
GlaubenReligiöse Autorität6
Bibelauslegunggeistliches Leben5
Religiongeistliches Leben4
GlaubenÜbersetzung3
Schriftauslegunggeistliches Leben3
Interpretationgeistliches Leben2
BibelauslegungInterpretation1
BibelauslegungSchriftauslegung1
geistliches LebenÜbersetzung1
InterpretationSchriftauslegung1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1884 Meine Beichte (Исповедь)

    Tolstoi reichte es als Einleitung zu einem größeren, damals unveröffentlichten Werk ein: seiner Kritik der kirchlichen Theologie und seiner eigenen Lesart der Evangelien. Es steht an der Schwelle zu allem, was er nach seiner Bekehrung schrieb.

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  2. 1885 Worin besteht mein Glaube? (В чём моя вера?)

    Ein Bekenntnis positiven Glaubens, geschrieben zwischen 1882 und 1884: Wo Meine Beichte an der Schwelle zum Glauben endet, legt dieses Buch dar, worin er besteht.

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  3. 1886 Was sollen wir denn tun? (Так что же нам делать?)

    Von allen Büchern Tolstois nach seiner Bekehrung ist dies das eine, das auf der Straße beginnt: Es wendet die religiösen Schlüsse aus Worin besteht mein Glaube? auf Geld, Arbeit und die Stadt an, in der er lebte.

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  4. 1888 Über das Leben (О жизни)

    Nach der Sozialkritik von Was sollen wir denn tun? gibt dieses Buch Tolstois religiöser Wende die Form einer philosophischen Abhandlung, zuerst erprobt vor den Moskauer Universitätsphilosophen.

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  5. 1892 The Four Gospels Harmonized and Translated (Соединение и перевод четырёх Евангелий) du bist hier RU
  6. 1893 Das Reich Gottes ist inwendig in Euch (Царство Божие внутри вас)

    Die Lehre vom Nicht-Widerstreben, die Worin besteht mein Glaube? als persönlichen Glauben dargelegt hatte, richtet sich hier gegen den Staat selbst.

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  7. 1893 Religion und Moral (Религия и нравственность)

    Im selben Jahr, in dem er Das Reich Gottes ist inwendig in Euch abschloss, legte Tolstoi hier in knapper Form dar, was er unter Religion verstand.

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  8. 1897 Was ist Kunst? (Что такое искусство?)

    Umgeben von religiösen und politischen Schriften, steht hier Tolstois Abhandlung zur Ästhetik.

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  9. 1900 Patriotismus und Regierung (Патриотизм и правительство)

    Der Essay folgt auf „Christianity and Patriotism“ (1894) und „Patriotism or Peace?“ (1896) und geht weiter als beide: vom Gefühl selbst zu den Regierungen, die davon leben.

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  10. 1908 Ich kann nicht schweigen (Не могу молчать!)

    Zwei Jahre vor seinem Tod wechselte Tolstoi von der Abhandlung auf die Zeitungsseite: ein unterzeichneter Artikel an alle, die die Hinrichtungen von 1908 anordneten, vollstreckten oder von ihnen lebten.

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