Ob eine Arbeiterpartei abwartet oder kämpft
Über zwanzig Jahre kehrt in diesen Stücken dieselbe Frage unter neuen Namen wieder: Dürfen Sozialisten mitregieren, auf Wahlen setzen, eine Bewegung bremsen, die schon auf der Straße ist?
Im Jahr 1899 trat der französische Sozialist Alexandre Millerand in ein bürgerliches Kabinett ein. Luxemburgs Artikel zu dem Fall erklären, eine sozialistische Partei sei in der bürgerlichen Gesellschaft ihrem Wesen nach Opposition, und Millerand, der nach den Schüssen auf Streikende im Amt blieb, sei zur Geisel der Regierung geworden. 1904 beschreibt sie den Reichstag als Jasagemaschine für anderswo gefällte Entscheidungen, die sich nur mit Druck von außen verteidigen lasse. 1910 ist Karl Kautsky der Gegner, der riet, den Feind bis zu den nächsten Wahlen zu ermatten. Sie erwidert, diese Ermattungsstrategie laufe auf Nichtsalsparlamentarismus hinaus, und verlangt von der Partei die Forderung der Republik.
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Ins Gespräch kommen
- Der Sozialist Millerand blieb Minister, nachdem Truppen Streikende erschossen hatten, schildern Sie in „Die sozialistische Krise in Frankreich“. Warum bindet ein Ministeramt einem Sozialisten die Hände?
- Eine sozialistische Partei darf nur auf den Trümmern des bürgerlichen Staates regieren, schrieben Sie in „Eine taktische Frage“. Warum schließen Sie jede Regierungsbeteiligung davor aus?
- In „Die Theorie und die Praxis“ verlangen Sie, die Partei solle die Republik fordern. Warum, wenn auch die beste Republik, wie Sie dort sagen, ein Klassenstaat bleibt?
- In „Sozialdemokratie und Parlamentarismus“ nennen Sie den Reichstag eine automatische Jasagemaschine für anderswo gefällte Entscheidungen. Warum sollen Sozialdemokraten ihn trotzdem verteidigen?
- Ihr Artikel über die Entstehung der Maifeier führt sie auf australische Arbeiter zurück, die 1856 einen Tag die Arbeit ruhen ließen. Was kann ein einziger arbeitsfreier Tag bewirken?