WerkRosa Luxemburg

Einführung in die Nationalökonomie

Ihre Vorlesungen an der Parteischule, zur Hälfte verloren: warum es die Nationalökonomie überhaupt gibt und wie die Menschen vor dem Kapitalismus arbeiteten.

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Deutsch

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Überblick

An der Schule, die die deutsche Sozialdemokratie in Berlin für ihre eigenen Funktionäre und Redakteure unterhielt, lehrte Rosa Luxemburg vom 1. Oktober 1907 an Nationalökonomie. Das Buch arbeitet diese Vorlesungen aus und geht vor wie der Unterricht: von einer Frage und von Beispielen aus. Die Frage lautet, warum es eine Wissenschaft von der Wirtschaft überhaupt gibt. Sie liest die Definitionen vor, die die führenden deutschen Professoren der Zeit geben, unter ihnen Gustav Schmoller, zeigt, dass sie wenig erklären, und gibt ihre eigene Antwort. Wo eine Gemeinschaft ihre Arbeit plant, wie in einem Bauernhaushalt, auf einem mittelalterlichen Fronhof oder in einem Dorf, das seinen Boden gemeinsam besitzt, kann jeder sehen, wer was für wen herstellt, und es gibt nichts zu erklären. Zum Rätsel, das eine Wissenschaft braucht, wird das Wirtschaftsleben erst, wenn vereinzelte Privatproduzenten einen Markt beliefern, den niemand lenkt, und Preise, Krisen und Arbeitslosigkeit eintreten, ohne dass irgendwer sie beschlossen hätte. Die Nationalökonomie ist nach dieser Auffassung die Lehre von einer einzigen geschichtlichen Ordnung, dem Kapitalismus, und würde mit ihm enden. Zwei Kapitel sind historisch. Gestützt auf den amerikanischen Anthropologen Lewis Henry Morgan und auf Untersuchungen zur germanischen Markgenossenschaft, zum Inkareich und zur indischen Dorfgemeinde argumentiert sie, dass das Gemeineigentum den größten Teil der Menschheitsgeschichte hindurch die Regel war und mit Gewalt zerschlagen wurde, oft durch europäische Eroberung. Spätere Kapitel erklären, wie der Austausch das Geld hervorbringt und wie eine Reserve arbeitsloser Arbeiter die Löhne niedrig hält. Sie begann das Buch um 1908, legte es 1912 beiseite, als eine Schwierigkeit darin zur Akkumulation des Kapitals anwuchs, und kehrte 1916 und 1917 im Gefängnis in Wronke zu ihm zurück. Ein Brief an ihren Verleger vom Juli 1916 zählt zehn Kapitel auf. Nach ihrem Tod fanden sich in ihrem Nachlass nur fünf. Paul Levi, ihr Anwalt und Nachlassverwalter, veröffentlichte sie 1925; die Kapitel über den Profit und über die Krisen gehörten zu den fehlenden.

Schlüsselbegriffe

Was ist nach Luxemburg der Gegenstand der Nationalökonomie?

Die Nationalökonomie ist nach ihrer Bestimmung die Wissenschaft von den Gesetzen der kapitalistischen Wirtschaft. Wo eine Gemeinschaft ihre Arbeit plant, gibt es keine verborgenen Gesetze zu entdecken. Im Kapitalismus entscheiden Millionen privater Produzenten getrennt und sind nur durch Kauf und Verkauf verbunden, sodass Ergebnisse auftreten, die niemand beschlossen hat, etwa eine plötzliche Krise. Um sie zu erklären, entstand die Nationalökonomie. Luxemburg folgert, dass sie ihren Gegenstand verliert, sobald die Gesellschaft die Produktion plant.

Was ist Urkommunismus?

Urkommunismus ist die Form, in der die frühesten Gesellschaften lebten: Der Boden gehörte einem Verband von Verwandten, die Arbeit wurde gemeinsam geregelt und ihr Ertrag geteilt. Luxemburg betont, dass dies keine seltene Ausnahme war. Forscher hatten ihn bei Germanen, Slawen, Indern, Peruanern und bei den Völkern gefunden, die Morgan in Nordamerika untersuchte. Er hielt sich Jahrtausende und beweist für sie, dass das Eigentum am Boden in der Geschichte spät auftritt.

Was war eine Markgenossenschaft?

Eine Markgenossenschaft war der Dorfverband der alten Germanen, in dem ein Geschlecht sein ganzes Gebiet gemeinsam besaß. Jeder Haushalt erhielt durch das Los einen Ackeranteil auf begrenzte Zeit, und die Anteile waren streng gleich. Wald, Weide und Wasser blieben ungeteilt. Die Versammlung aller Mitglieder regelte die Angelegenheiten und wählte den Vorsteher. Luxemburg dient sie als nächstliegendes Beispiel aus der deutschen Geschichte für eine Wirtschaft, die durch gemeinsamen Beschluss geführt wird.

Was ist Warenproduktion?

Warenproduktion heißt, Dinge herzustellen, um sie zu verkaufen. Jeder Produzent arbeitet privat und auf eigene Rechnung und erfährt erst auf dem Markt, ob die Gesellschaft sein Erzeugnis gebraucht hat. Ein Schuster, der keinen Käufer findet, hat umsonst gearbeitet. Luxemburg stellt dem die planmäßige Arbeit einer Gemeinde gegenüber, in der die Aufgaben vorher verteilt werden. Nun übernimmt der Tausch die Planung im Nachhinein, über steigende und fallende Preise, und das Geld wird zum unentbehrlichen Bindeglied.

Was ist Arbeitskraft, und warum ist sie eine besondere Ware?

Arbeitskraft ist die Fähigkeit eines Menschen zu arbeiten. Zum Verkauf bietet sie an, wer weder Werkzeug noch Boden noch Werkstatt besitzt und sonst nichts auf den Markt bringen kann. Besonders ist sie, weil ihr Gebrauch mehr schafft, als sie kostet. In Luxemburgs Beispiel braucht ein Arbeiter sechs Stunden, um den Wert seines Lohns herzustellen, und arbeitet elf. Die übrigen fünf gehören dem Unternehmer, obwohl der Vertrag ehrlich war und der volle Preis gezahlt wurde.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Warum es die Nationalökonomie überhaupt gibt

Gearbeitet und gegessen haben Menschen immer, die Nationalökonomie aber ist kaum zweihundert Jahre alt. Luxemburg fragt, was mit dem Wirtschaftsleben geschehen ist, dass es erklärt werden muss.

Die Definitionen der Professoren besagen nach Luxemburg nur, dass eine Wirtschaft die Bedürfnisse eines Volkes befriedigt. Ihre eigene Antwort beginnt bei Fällen, in denen nichts zu erklären ist: einem Bauernhof oder den Höfen Karls des Großen, wo eine schriftliche Ordnung festlegte, was angebaut wurde und wer es erhielt. Ein Rätsel entsteht erst, wenn private Produzenten für einen Markt arbeiten, den niemand leitet. Dann kommen Preise, Arbeitslosigkeit und Krisen, die keiner gewollt hat. Sie lässt ein Dorf über Nacht sein Gemeineigentum verlieren und folgt Schuster und Bäcker, wie sie den Tausch entdecken und mit ihm das Geld. Die Nationalökonomie ist die Lehre von dieser einen planlosen Ordnung und endet mit ihr.

  • Politische Ökonomie
  • Kapitalismus
  • Warenproduktion
  • Austausch
  • Warentausch
  • Geld
  • Arbeitsteilung
  • Internationaler Handel
  • Produktion

Das Gemeineigentum und wie es zerschlagen wurde

Gab es das Privateigentum schon immer? Luxemburg widmet zwei Kapitel den Gesellschaften, die ihren Boden gemeinsam besaßen, und dem, was ihnen ein Ende machte.

Die Forschung des 19. Jahrhunderts hatte an einem Ort nach dem anderen dieselbe Einrichtung gefunden: die germanische Mark mit ihren verlosten Ackeranteilen, das russische Dorf, die indische Gemeinde, die Geschlechtsverbände, die der Amerikaner Lewis Morgan beschrieb. Luxemburg zieht den Schluss, dass gemeinsamer Bodenbesitz den größten Teil der Menschheitsgeschichte hindurch die Regel war. Sie verklärt ihn nicht. Die Menschen hielten zusammen, weil sie der Natur hilflos gegenüberstanden. Das Inkareich zeigt, dass Eroberer die Gemeinden bestehen lassen und sie zusätzliche Felder für Herrscher und Priester bestellen lassen konnten. Aufgelöst hat sie nach Luxemburg schließlich Gewalt von außen, vor allem die europäische Eroberung.

  • Urkommunismus
  • Gemeineigentum
  • Verwandtschaft
  • Agrargeschichte
  • Wirtschaftsgeschichte
  • Kolonialismus
  • Feudalismus
  • Sklaverei
  • soziale Organisation
  • Eigentumsverhältnis
  • Privateigentum
  • Landwirtschaft

Das elastische Lohngesetz

Ein Arbeiter ist frei, schließt einen Vertrag und erhält, was vereinbart war. Luxemburg fragt, wo in einem so gerechten Tausch die Ausbeutung steckt und warum die Löhne nie weit über das steigen, was eine Familie braucht.

Der Arbeiter verkauft nach Luxemburg seine Arbeitskraft, und die erzeugt an einem Tag mehr, als ihr Unterhalt kostet. Ein Fronbauer konnte die Tage zählen, die er dem Herrn schuldete. In der Fabrik lassen sich bezahlte und unbezahlte Stunden nicht unterscheiden. Dem ehernen Lohngesetz Lassalles stellt sie ein elastisches gegenüber: Die Löhne bleiben nahe am Minimum, weil eine Reserve von Arbeitslosen, wie sie schreibt, zwischen Sein und Nichtsein zappelt. Gewerkschaften setzen durch, dass eine anständige Lebenshaltung als soziale Notwendigkeit gilt. Der Anteil des Arbeiters an dem, was er herstellt, sinkt trotzdem mit jedem Fortschritt der Technik.

  • Löhne
  • Lohnarbeitsverhältnis
  • Arbeitskraft
  • Ausbeutung
  • Armut
  • Arbeit
  • Industrialisierung

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Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Kapitalismus“ und „Kolonialismus“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 22 Paarungen. 94 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
KapitalismusKolonialismus13
AusbeutungKolonialismus6
Historischer MaterialismusKapitalismus6
AusbeutungKapitalismus5
KapitalismusWirtschaftsgeschichte5
ArbeitsteilungInternationaler Handel4
ArbeitsteilungWirtschaftsgeschichte3
GeldWirtschaftsgeschichte3
KolonialismusWirtschaftsgeschichte3
ArbeitsteilungAusbeutung2
ArbeitsteilungHistorischer Materialismus2
ArbeitsteilungKapitalismus2
AusbeutungHistorischer Materialismus2
GeldHistorischer Materialismus2
Historischer MaterialismusWirtschaftsgeschichte2
Internationaler HandelKolonialismus2
Internationaler HandelWirtschaftsgeschichte2
ArbeitsteilungGeld1
AusbeutungWirtschaftsgeschichte1
GeldInternationaler Handel1
GeldKapitalismus1
Historischer MaterialismusKolonialismus1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1899 Sozialreform oder Revolution?

    Die hier versammelten Zeitungsartikel schrieb sie binnen eines Jahres nach ihrer Ankunft in Berlin. Was sie darin über die Grenzen der Reform darlegt, ist der Boden, von dem aus sie in allem Späteren argumentiert.

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  2. 1904 Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie

    Gegen Lenins Parteiplan legt sie hier ausführlich dar, wie eine Partei organisiert sein sollte. Vierzehn Jahre später nahm das Gefängnismanuskript über die russische Revolution das Argument wieder auf.

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  3. 1905 Kirche und Sozialismus (Kościół a socjalizm)

    Die polnische Seite ihrer Arbeit: eine Broschüre für die Partei, die sie in Russisch-Polen mit leitete, geschrieben in dem Revolutionsjahr, das sie anschließend in Massenstreik, Partei und Gewerkschaften analysierte.

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  4. 1906 Massenstreik, Partei und Gewerkschaften

    Dass sich Massenaktionen nicht von Führern ansetzen lassen, führt sie nirgends ausführlicher aus als hier. Der Streit mit den Gewerkschaften, den die Schrift eröffnete, kehrte 1910 als ihr Bruch mit Karl Kautsky wieder, dem führenden Theoretiker der Partei.

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  5. 1913 Die Akkumulation des Kapitals

    Zwischen Broschüren und Artikeln ist dies die eine große Abhandlung, die sie vollendet hat. Das Buch liefert die ökonomische Grundlage für ihre Deutung des Krieges drei Jahre später in der Junius-Broschüre.

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  6. 1916 Die Krise der Sozialdemokratie

    Drei Jahre nach der Akkumulation des Kapitals wendet sie deren Imperialismusdeutung auf einen wirklichen Krieg an und auf die Partei, die für ihn gestimmt hatte.

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  7. 1919 Aufsätze und Artikel

    Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge von 1893 bis 1919, die fortlaufende Chronik neben den Büchern. Darunter sind die Polemiken von 1910 gegen Karl Kautsky und ihre letzten Artikel für Die Rote Fahne.

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  8. 1919 Reden

    Was sie laut sagte, zu den Fragen, die ihre Artikel und Broschüren im Druck verhandeln, von ihren ersten Monaten in Deutschland 1898 bis zu den letzten Wochen ihres Lebens.

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  9. 1922 Die russische Revolution

    Unvollendet ließ sie das Manuskript 1918 im Breslauer Gefängnis zurück; Paul Levi druckte es vier Jahre später. Es nimmt den Einwand wieder auf, den sie 1904 gegen Lenin erhoben hatte, jetzt, da seine Partei einen Staat in Händen hielt.

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  10. 1925 Einführung in die Nationalökonomie du bist hier DE
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