Warum Reform und Revolution nicht zwei Wege sind
Kommt eine Partei zum Sozialismus, indem sie Reform an Reform reiht, nur eben langsamer? Luxemburg antwortet: Wer sich mit der Reform begnügt, wählt keinen ruhigeren Weg, sondern ein anderes Ziel.
Bernstein hatte geschrieben, das Endziel sei ihm nichts, die Bewegung alles. Luxemburg hält dagegen, dass der tägliche Kampf nur durch seine Bindung an dieses Ziel sozialistisch ist, an die Eroberung der politischen Macht. Gesetze sind für sie das Ergebnis früherer Revolutionen und bewegen sich in dem Rahmen, den diese gesetzt haben. Kein Gesetz zwingt zur Lohnarbeit, sondern die Not, also kann auch kein Gesetz sie abschaffen. Reformen und Demokratie machen die Wand zwischen beiden Gesellschaften fester, und nur der Hammerschlag der Revolution reißt sie nieder. Auf die Sorge, die Arbeiter könnten zu früh an die Macht kommen, erwidert sie, anders als zu früh gehe es gar nicht.
- Revisionismus
- Reformismus
- soziale Reform
- Revolution
- politische Macht
- Opportunismus
- Sozialismus
- Demokratie
- Staat
- Klassenbewusstsein
Ins Gespräch kommen
- Ihr Gegner Bernstein nannte das Endziel nichts und die Bewegung alles. Was bleibt von einer Arbeiterpartei, wenn sie ihr Ziel nicht mehr nennt?
- Wer Reform statt Revolution wählt, nimmt Ihnen zufolge keinen ruhigeren Weg zum selben Ziel, sondern ein anderes Ziel. Warum kommt der langsame Weg nie an?
- Zwischen kapitalistischer und sozialistischer Gesellschaft steht für Sie eine Wand, die Reformen nicht durchlöchern, sondern fester machen. Wie können Verbesserungen die Ordnung stärken, der sie abgerungen wurden?
- Auf die Angst vor einer verfrühten Revolution antworten Sie, die Arbeiter könnten die Macht nur „zu früh“ ergreifen. Warum gehört das Scheitern zum Sieg?
- Kein Gesetz zwingt jemanden zur Lohnarbeit, sondern die Not. Weshalb kann dann auch kein Parlament die Lohnarbeit per Gesetz abschaffen?