WerkRosa Luxemburg

Kirche und Sozialismus

Eine Broschüre von 1905 für kirchentreue Arbeiter: Mit den Kirchenvätern argumentiert sie, nicht die Sozialisten, sondern die Geistlichen hätten die ersten Christen im Stich gelassen.

von Rosa Luxemburg59 Passagen vorhanden

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Originaltitel
Kościół a socjalizm
Erstveröffentlichung
(mit 34 Jahren)
Originalsprache
Polnisch

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Überblick

Arbeiter in Russisch-Polen, die 1905 zur Kirche gingen, bekamen Predigten gegen die Streiks zu hören. Es war das Jahr, in dem sich die Streiks gegen die Regierung des Zaren über das ganze russische Reich ausbreiteten. Die Broschüre setzt bei den Priestern ein, die den Armen sagen, sie sollten ihr Los tragen, und von der Kanzel gegen die Sozialisten wettern. Rosa Luxemburg schrieb sie auf Polnisch für ihre eigene Partei, die Sozialdemokratie des Königreichs Polen und Litauens. Gedruckt wurde sie in Krakau, auf der österreichischen Seite der Grenze, unter dem Namen Józef Chmura. Ihre Leser waren Gläubige, und sie streitet mit ihnen aus deren eigener Überlieferung heraus. Die ersten Christen, schreibt sie, hatten ihre Güter gemeinsam und aßen an gemeinsamen Tischen, wie es die Apostelgeschichte beschreibt. Noch im vierten Jahrhundert riefen Prediger wie Basilius und Johannes Chrysostomos, der Patriarch von Konstantinopel, die Reichen zu dieser Gütergemeinschaft zurück. Gescheitert ist sie nach Luxemburgs Darstellung, weil sie verteilte, was die Menschen verbrauchten, und die Herstellung der Güter ließ, wie sie war: Die Vorräte gingen zur Neige, die Reichen blieben reich, und an die Stelle der Gleichheit trat die Wohltätigkeit. Unterdessen bekam die Kirche einen bezahlten Klerus, dann Zehnten und Grundbesitz, und schlug sich auf die Seite der Besitzenden, die sie einst verurteilt hatte. Die Sozialdemokraten, so ihr Schluss, nehmen niemandem den Glauben und fordern Gewissensfreiheit für alle. Es sind die Geistlichen, die die Kanzel zur politischen Tribüne gemacht haben, und die Arbeiter sollen ihnen antworten wie jedem anderen Verteidiger des Zaren und der Unternehmer. Eine dritte polnische Ausgabe erschien 1906 in Warschau, eine weitere 1920 in Moskau. Die französische Sozialistische Partei brachte 1937 eine Übersetzung heraus, nach der die englische Fassung angefertigt wurde.

Schlüsselbegriffe

Was ist in dieser Schrift eine Verbrauchsgemeinschaft?

So nennt Luxemburg die Art, wie die ersten Christen teilten: Fertige Güter gehörten allen, die Herstellung der Güter blieb, wie sie war. Die Mitglieder legten Geld und bewegliche Habe in eine gemeinsame Kasse und aßen an gemeinsamen Tischen. Äcker und Werkstätten blieben Privatbesitz, und die Arbeit taten Sklaven. Was nur verbraucht wird, geht zur Neige, deshalb hängt eine solche Gemeinschaft von immer neuen Gaben derer ab, die noch Eigentum haben.

Was soll nach Luxemburg allen gemeinsam gehören?

Gemeinsam gehören sollen die Produktionsmittel: Boden, Fabriken, Werkstätten und Werkzeuge, damit alle gemeinsam arbeiten und von dieser Arbeit leben. Luxemburg stellt das neben die Kirchenväter, die von den Reichen verlangten, einen Teil ihres Reichtums herzugeben. Deren Aufruf ließ die Quelle des Reichtums unberührt. Ihrer richtet sich an Menschen, die die Arbeit der Gesellschaft bereits tun, in Fabriken, die einem anderen gehören, und die sie gemeinsam betreiben könnten.

Wie erklärt Luxemburg die Entstehung des Christentums?

Sie erklärt sie aus dem Elend des Römischen Reiches. Große Grundbesitzer hatten den Bauern das Land genommen und ließen es von Sklaven bestellen, und die Landlosen drängten nach Rom, wo man sie mit kostenlosem Getreide und Zirkusspielen ruhig hielt. Ohne Arbeit und ohne Hoffnung auf Hilfe vom Staat wandten sich diese Menschen einer Lehre zu, die die Reichen verurteilte und Gleichheit versprach. Das Christentum war demnach zunächst eine Religion der Mittellosen.

Wie wurde die Geistlichkeit bei Luxemburg zu einem eigenen Stand?

Sie entstand aus der Arbeitsteilung in den Gemeinden. Als die Gemeinden groß wurden, ließen sich die gemeinsame Kasse und der Gottesdienst nicht mehr neben einem Beruf besorgen, also wählte man Mitglieder, die das ausschließlich taten und dafür bezahlt wurden. So kam in der Kirche zur Ungleichheit zwischen Reich und Arm eine zweite hinzu, die zwischen Geistlichkeit und Volk. Die Bischöfe der reichen Städte erhoben sich dann über die übrigen.

Was heißt Gewissensfreiheit in Kirche und Sozialismus?

Gemeint ist, dass der Glaube eines Menschen seine eigene Sache ist und von niemandem verfolgt oder beleidigt werden darf. Luxemburg stellt das als Grundsatz der Sozialdemokratie in aller Welt dar und wendet ihn gegen die Regierung des Zaren, die Katholiken, Juden, Unierte und Ketzer bedrängte. Die Partei verlangt deshalb von keinem Mitglied, die Religion aufzugeben. Ihr Streit mit den Priestern beginnt erst, wenn die Kanzel dazu dient, Unternehmer und Regierung gegen streikende Arbeiter zu verteidigen.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Warum die Gütergemeinschaft der ersten Christen verging

Die Apostelgeschichte beschreibt Gläubige, denen alles gemeinsam gehörte. Luxemburg fragt ihre kirchentreuen Leser, warum diese Lebensform verschwand und was nötig wäre, damit sie hält.

Das Christentum entstand nach Luxemburg unter den Besitzlosen des Römischen Reiches, Menschen, die von verteiltem Getreide lebten, während Sklaven die Arbeit taten. Ihr Mittel war, das zu teilen, was es zu verbrauchen gab: Geld in einer gemeinsamen Kasse, Mahlzeiten an gemeinsamen Tischen. Weil Boden und Arbeit blieben, wie sie waren, mussten die Vorräte von denen aufgefüllt werden, die noch etwas besaßen, und aus dem Teilen wurde das Almosen. Im 4. Jahrhundert predigten Basilius und Johannes Chrysostomos noch die alte Praxis, und Gregor der Große nannte das Geben die Bezahlung einer Schuld. Die wirtschaftlichen Bedingungen, schließt sie, sind stärker als die schönsten Predigten. Dauerhafte Gleichheit verlangt gemeinsame Arbeit mit gemeinsamen Werkzeugen.

  • Urchristentum
  • Gemeineigentum
  • Kommunismus
  • Nächstenliebe
  • Armut
  • Sklaverei
  • Alte Geschichte
  • Produktionsmittel
  • Gleichheit
  • Reichtum
  • Soziale Ungleichheit

Wie die Kirche auf die Seite der Besitzenden kam

Im Jahr 1905 predigten Priester gegen die Streiks. Luxemburg fragt, wie die Erben einer Kirche der Armen dazu kamen, die Reichen zu verteidigen, und antwortet mit einer Geschichte des Kirchenbesitzes.

Als die Gemeinden wuchsen, wurden ihre Geschäfte zu einem Amt, das den ganzen Menschen forderte und bezahlt werden musste: Es entstand eine Geistlichkeit, getrennt vom Volk. Seit dem 6. Jahrhundert schuldeten ihr die Gläubigen den Zehnten jeder Ernte. Im Mittelalter war die Kirche der mächtigste Grundherr, und vor der Revolution gehörte dem französischen Klerus ein Fünftel des Bodens. Dass sie die Besitzenden verteidigt, folgt daraus, dass sie selbst zu ihnen gehört. Sozialdemokraten, sagt Luxemburg den gläubigen Arbeitern, greifen niemandes Glauben an und fordern Gewissensfreiheit gegen den Zaren. Dem Priester antworten sie nur dort, wo er für Unternehmer und Regierung spricht.

  • Religion und Politik
  • Klerus
  • Kirchenvermögen
  • Kirche
  • Religiöse Institutionen
  • Besteuerung
  • Feudalismus
  • Ausbeutung
  • Sozialismus
  • Klassenkampf

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59
eigenständige Begriffe
109
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 631

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Religion und Politik“ und „Sozialismus“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 15 Paarungen. 80 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Religion und PolitikSozialismus9
AusbeutungReligion und Politik6
GemeineigentumUrchristentum6
ArmutUrchristentum4
ArmutGemeineigentum3
SozialismusUrchristentum3
ArmutAusbeutung2
ArmutKlerus2
ArmutReligion und Politik2
GemeineigentumSoziale Ungleichheit2
Soziale UngleichheitUrchristentum2
ArmutSozialismus1
AusbeutungSoziale Ungleichheit1
KlerusSoziale Ungleichheit1
Religion und PolitikSoziale Ungleichheit1

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  3. 1905 Kirche und Sozialismus (Kościół a socjalizm) du bist hier DE
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    Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge von 1893 bis 1919, die fortlaufende Chronik neben den Büchern. Darunter sind die Polemiken von 1910 gegen Karl Kautsky und ihre letzten Artikel für Die Rote Fahne.

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