Landesverteidigung als Deckmantel der Eroberung
Die sozialdemokratischen Abgeordneten erklärten, sie verteidigten ihr Land gegen eine Invasion. Luxemburg fragt, was ein Verteidigungskrieg noch heißen kann, wenn jede Großmacht seit zwanzig Jahren den Angriff vorbereitet.
Luxemburg hält der Fraktionserklärung vom 4. August 1914 die Vorgeschichte entgegen: den Flottenbau, die Konzession für die Bagdadbahn, die Marokkokrisen. Imperialistische Politik ist nach ihr das Werk keines einzelnen Staates. Sie ist eine Stufe in der Weltentwicklung des Kapitals, der sich kein Staat entziehen kann, sodass selbst ein kleines Land, das wie Serbien um seine Existenz kämpft, zur Figur im größeren Spiel wird. Für die deutschen Arbeiter wären Sieg wie Niederlage gleich verhängnisvoll. Die Partei schuldete ihnen die Wahrheit über die Herkunft des Krieges und Forderungen: Volksbewaffnung, die Entscheidung des Volkes über Krieg und Frieden, das Ende des Belagerungszustands.
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Ins Gespräch kommen
- Die Abgeordneten Ihrer Partei stimmten dem Krieg zu, um das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich zu lassen. Was haben sie nach Ihrer Lesart verteidigt?
- Serbien wurde von einer Großmacht angegriffen und kämpfte um seine Existenz. Warum war selbst das für Sie kein einfacher nationaler Verteidigungskrieg?
- Für das deutsche Volk sind in diesem Krieg Sieg wie Niederlage gleich verhängnisvoll, schreiben Sie. Worauf soll hoffen, wessen Land im Krieg steht?
- Sie führen den Krieg auf eine Bahnkonzession in der Türkei, das Flottenwettrüsten und den Streit um Marokko zurück. Warum dorthin schauen und nicht auf die Schüsse von Sarajevo?
- Wenn eine feindliche Armee schon die Grenze überschreitet, was hätten die Sozialdemokraten fordern sollen, statt die Kriegskredite zu bewilligen?