Freiheit der Andersdenkenden
Kann eine Arbeiterregierung den Sozialismus aufbauen, während sie ihre Kritiker zum Schweigen bringt? Luxemburg hält die Freiheiten, die die Bolschewiki aufhoben, für das Mittel, mit dem eine neue Gesellschaft ihre Fehler bemerkt.
Trotzki hatte die Auflösung der Konstituierenden Versammlung damit verteidigt, dass gewählte Körperschaften hinter einem Volk in Bewegung zurückbleiben. Luxemburg erwidert, die Volksstimmung umspüle solche Körperschaften beständig und lenke sie, und die Beseitigung der Demokratie sei ein Heilmittel, schlimmer als das Übel. Niemand besitzt einen fertigen Plan des Sozialismus. Den Abbau kann man dekretieren, den Aufbau nicht, und nur öffentlich ausgetauschte Erfahrung korrigiert Fehlgriffe. Ohne allgemeine Wahlen, freie Presse und freien Meinungskampf erstirbt das Leben auch in den Sowjets, einige Dutzend Parteiführer dirigieren, und allein die Bürokratie bleibt tätig. Ihre Randnotiz nennt den Grundsatz: Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden.
- Demokratie
- Politische Freiheit
- Wahlen
- politische Repräsentation
- Wahlrecht
- Diktatur des Proletariats
- Massenbeteiligung
- Politische Bildung
- Bolschewismus
Ins Gespräch kommen
- Freiheit nur für Anhänger der Regierung oder Mitglieder einer Partei ist keine Freiheit, notieren Sie am Rand. Warum muss sie gerade dem gehören, der anders denkt?
- Das Negative, den Abbau, kann man dekretieren, sagen Sie, den Aufbau nicht. Warum kann keine Partei das fertige Rezept für den Sozialismus in der Tasche tragen?
- Ohne Wahlen, freie Presse und offenen Meinungskampf erstirbt Ihnen zufolge das Leben in den Räten, und nur die Bürokratie bleibt tätig. Warum folgt eines aus dem anderen?
- Das Wahlrecht erhielt nur, wer von eigener Arbeit lebt. Warum nennen Sie diese Regel widersinnig in einem Land, in dem die Fabriken stillstehen und Unzählige entwurzelt sind?