WerkRosa Luxemburg

Reden

Rund siebzig Reden vor Parteitagen, Massenversammlungen und Gerichten, die meisten in Kongressprotokollen und Zeitungsberichten überliefert.

von Rosa Luxemburg612 Passagen vorhanden

  • Deutsch, die Originalsprache, und deine Sprache
Erstveröffentlichung
(mit 48 Jahren)
Originalsprache
Deutsch

Rechtsverletzung melden

Überblick

Eine Rede im September 1913 kostete sie ein Jahr Gefängnis. Auf Versammlungen in Frankfurt hatte Rosa Luxemburg gesagt, die deutschen Arbeiter würden sich weigern, wenn man ihnen befehle, auf ihre französischen Brüder zu schießen. Am 20. Februar 1914 verurteilte ein Frankfurter Gericht sie, weil sie Soldaten zum Ungehorsam aufgefordert habe. Ihre Ansprache an die Richter von diesem Tag gehört zu den Reden dieses Bandes. Die juristischen Punkte überlässt sie ihren Anwälten und sagt dem Gericht, was sie glaubt: Kriege können nur so lange geführt werden, wie die Masse der arbeitenden Menschen sie entweder unterstützt oder duldet. Einige der Reden sind nur in der dritten Person erhalten, so wie ein Berichterstatter sie mitschrieb. Die früheste stammt vom sozialdemokratischen Parteitag in Stuttgart im Oktober 1898, fünf Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland. Dort sagte sie den Delegierten, für eine revolutionäre Partei gebe es keine praktischere Frage als die nach dem Endziel. Spätere Reden zeigen sie auf den Kongressen der Sozialistischen Internationale; auf dem Londoner Parteitag der russischen Partei 1907, wo sie über die Revolution von 1905 sprach; vor einem weiteren Gericht, in Weimar; und auf Massenversammlungen während des preußischen Wahlrechtskampfes, wo sie die abwartenden Parteiführer zum Massenstreik drängte. Die letzten stammen vom Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands, der vom 30. Dezember 1918 bis zum 1. Januar 1919 in Berlin tagte. Luxemburg forderte dort, die neue Partei solle sich an den Wahlen zur Nationalversammlung beteiligen und sie als neues Instrument des revolutionären Kampfes nutzen. Die Delegierten stimmten mit 62 zu 23 gegen sie.

Schlüsselbegriffe

Was meint Luxemburg mit Kadavergehorsam?

Kadavergehorsam ist Gehorsam ohne eigenen Willen: Der Soldat führt Befehle aus, wie ein Leichnam sich bewegen ließe. In ihrer Frankfurter Verteidigungsrede von 1914 sagt Luxemburg, Staatsanwalt und Kaiser sähen darin beide das Fundament des Staates und des Sieges im Krieg. Sie stellt eine andere Auffassung dagegen: Ob Kriege zustande kommen und wie sie ausgehen, entscheidet sich an dem, was die Masse des arbeitenden Volkes denkt und hinzunehmen bereit ist.

Was ist Weltpolitik in Luxemburgs Reden?

Weltpolitik nennt sie das Ausgreifen der Großmächte über Europa hinaus, mit Flotten, Kolonien und Feldzügen wie dem gegen China im Jahr 1900. Als sie in jenem Jahr für zwei Kommissionen des Pariser Kongresses der Internationale sprach, bezeichnete sie Militarismus und Kolonialpolitik als zwei Seiten dieser einen Erscheinung. Praktisch hieß das: Die Sozialisten durften sich nicht länger auf platonische Erklärungen beschränken und brauchten eine gemeinsame internationale Aktion.

Welche Rolle gibt Luxemburg dem liberalen Bürgertum in einer Revolution?

Die Rolle des Führers gibt sie ihm nicht. Auf dem Londoner Parteitag der russischen Partei griff sie 1907 die Ansicht an, das Bürgertum sei die natürliche Avantgarde einer Revolution gegen den Zaren und die Arbeiter dürften es nicht erschrecken. Dieses Schema, sagte sie, stamme aus früheren Revolutionen und passe nicht mehr. Die russischen Liberalen waren zurückgewichen: In der zweiten Duma stimmten sie für das Budget und die Rekruten der Regierung, die sie auseinanderjagen würde.

Was war die Dämpfung, die Luxemburg 1912 angriff?

Dämpfung hieß die Zusage des Parteivorstands, in sechzehn Wahlkreisen die eigene Agitation zurückzuhalten, als Teil eines Abkommens mit den Fortschrittsliberalen für die Stichwahlen zum Reichstag 1912. Luxemburg erklärte in Parteiversammlungen, der Vorstand hätte diese Bedingung der Liberalen rundweg ablehnen müssen. Ein Wahlkampf ist nach ihrer Auffassung dazu da, die Masse der Wähler aufzuklären und aufzurütteln, und eine Partei, die ihre Agitation dämpft, gibt diesen Zweck um der Mandate willen preis.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Warum das Endziel die praktischste Frage ist

Von ihrer ersten Parteitagsrede an hält Luxemburg ihrer Partei eines vor: Die tägliche Arbeit ist nur sozialistisch, wenn sie an die Eroberung der Macht gebunden bleibt. Wie vertritt sie das Auge in Auge mit den Veteranen?

In Stuttgart sagte sie im Oktober 1898, fünf Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland, den Delegierten, Gewerkschaften, Sozialreform und Demokratie verfolgten auch Liberale, und erst die Beziehung zum Endziel mache sie sozialistisch. Als junger Rekrut gescholten, erwiderte sie, ihre Epauletten wolle sie sich auf dem linken Flügel holen. Ein Jahr später zerlegte sie in Hannover die Vorstellung, die Arbeiter müssten zuerst wirtschaftliche Macht erringen: Das Bürgertum hatte eine neue Eigentumsform geschaffen, bevor es herrschte, die Arbeiter schaffen keine. Über die Parteischule sagte sie 1908, deren Schüler gingen mit dem Wissen, dass sie weiterlernen müssen.

  • Sozialismus
  • Klassenkampf
  • politische Strategie
  • Politische Bildung
  • parlamentarische Politik
  • Sozialdemokratie
  • Gewerkschaften
  • Arbeiterbewegung
  • politische Macht

Reden gegen den Krieg, in Versammlung und Gerichtssaal

Zweimal stand sie für das vor Gericht, was sie von einer Tribüne gesagt hatte. Ihre Reden über den Krieg und ihre Antworten an die Richter behaupten dasselbe: Kriege hängen von denen ab, die man in sie schickt.

Auf dem Pariser Kongress der Internationale nannte Luxemburg 1900 Militarismus und Kolonialpolitik zwei Seiten einer Erscheinung, der Weltpolitik. Im selben Jahr warf sie ihrer Partei vor, im Frieden gegen den Militarismus zu donnern und nichts zu tun, als deutsche Truppen nach China fuhren. Vor der Frankfurter Strafkammer wies sie im Februar 1914 das Bild des Staatsanwalts zurück, ein Heer beruhe auf blindem Gehorsam. Kriege sind nach ihren Worten nur möglich, solange die arbeitende Masse sie mitmacht oder duldet, und diese Überzeugung zu ändern ist die Aufgabe, die sich Sozialdemokraten stellen. Auf die Vermutung, sie könne vor der Strafe fliehen, erwiderte sie, ein Sozialdemokrat stehe zu seinen Taten.

  • Militarismus
  • Krieg
  • politische Repression
  • Internationalismus
  • Imperialismus
  • politische Rhetorik

Druck der Straße und der Nutzen einer Wahl

Wann soll eine Partei die Menschen auf die Straße rufen und wann an die Urne? Die Reden von 1910 bis 1918 vertreten beides, gegen Führer, die warten wollten, und gegen Delegierte, denen es nicht schnell genug ging.

Im preußischen Wahlrechtskampf von 1910 warb Luxemburg in Massenversammlungen für den politischen Massenstreik. Hunderttausend Menschen im Berliner Tiergarten hatten nach ihren Worten gezeigt, was die Straße ertrotzen kann. Kein Staat verzichtet auf den Kampf aus Furcht, seine Kanonen könnten zerbrechen, und Organisationen sind zum Gebrauch da. 1912 griff sie den Parteivorstand an, weil er in einem Abkommen mit den Liberalen die eigene Agitation dämpfte. Auf dem Gründungsparteitag der KPD stritt sie in die andere Richtung, gegen Delegierte, die die Wahlen zur Nationalversammlung boykottieren wollten. Maschinengewehre oder Parlamentarismus sei eine zu grobe Wahl, hielt sie ihnen vor. Sie wurde überstimmt.

  • Massenstreiks
  • Wahlrecht
  • Massenpolitik
  • Kollektives Handeln
  • Demokratie
  • Parlamentsherrschaft
  • Revolution
  • Parteipolitik

In diesem Werk

Passagen vorhanden
612
eigenständige Begriffe
534
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 116

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Klassenkampf“ und „Revolution“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 26 Paarungen. 82 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
KlassenkampfRevolution23
KlassenkampfSozialismus20
KapitalismusKlassenkampf16
KapitalismusSozialismus14
MassenstreiksRevolution14
Klassenkampfpolitische Strategie13
Massenstreikspolitische Strategie13
ArbeiterbewegungKlassenkampf12
KlassenkampfMassenstreiks12
RevolutionSozialismus11
KapitalismusMilitarismus10
ArbeiterbewegungMassenstreiks9
Arbeiterbewegungpolitische Strategie6
MilitarismusSozialismus6
Revolutionpolitische Strategie6
ArbeiterbewegungSozialismus5
KlassenkampfMilitarismus5
KapitalismusRevolution4
MassenstreiksSozialismus4
Sozialismuspolitische Strategie4
ArbeiterbewegungKapitalismus2
ArbeiterbewegungRevolution2
KapitalismusMassenstreiks2
Kapitalismuspolitische Strategie1
Militarismuspolitische Strategie1
MilitarismusRevolution1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1899 Sozialreform oder Revolution?

    Die hier versammelten Zeitungsartikel schrieb sie binnen eines Jahres nach ihrer Ankunft in Berlin. Was sie darin über die Grenzen der Reform darlegt, ist der Boden, von dem aus sie in allem Späteren argumentiert.

    DE
  2. 1904 Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie

    Gegen Lenins Parteiplan legt sie hier ausführlich dar, wie eine Partei organisiert sein sollte. Vierzehn Jahre später nahm das Gefängnismanuskript über die russische Revolution das Argument wieder auf.

    DE
  3. 1905 Kirche und Sozialismus (Kościół a socjalizm)

    Die polnische Seite ihrer Arbeit: eine Broschüre für die Partei, die sie in Russisch-Polen mit leitete, geschrieben in dem Revolutionsjahr, das sie anschließend in Massenstreik, Partei und Gewerkschaften analysierte.

    DE
  4. 1906 Massenstreik, Partei und Gewerkschaften

    Dass sich Massenaktionen nicht von Führern ansetzen lassen, führt sie nirgends ausführlicher aus als hier. Der Streit mit den Gewerkschaften, den die Schrift eröffnete, kehrte 1910 als ihr Bruch mit Karl Kautsky wieder, dem führenden Theoretiker der Partei.

    DE
  5. 1913 Die Akkumulation des Kapitals

    Zwischen Broschüren und Artikeln ist dies die eine große Abhandlung, die sie vollendet hat. Das Buch liefert die ökonomische Grundlage für ihre Deutung des Krieges drei Jahre später in der Junius-Broschüre.

    DE
  6. 1916 Die Krise der Sozialdemokratie

    Drei Jahre nach der Akkumulation des Kapitals wendet sie deren Imperialismusdeutung auf einen wirklichen Krieg an und auf die Partei, die für ihn gestimmt hatte.

    DE
  7. 1919 Aufsätze und Artikel

    Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge von 1893 bis 1919, die fortlaufende Chronik neben den Büchern. Darunter sind die Polemiken von 1910 gegen Karl Kautsky und ihre letzten Artikel für Die Rote Fahne.

    DE
  8. 1919 Reden du bist hier DE
  9. 1922 Die russische Revolution

    Unvollendet ließ sie das Manuskript 1918 im Breslauer Gefängnis zurück; Paul Levi druckte es vier Jahre später. Es nimmt den Einwand wieder auf, den sie 1904 gegen Lenin erhoben hatte, jetzt, da seine Partei einen Staat in Händen hielt.

    DE
  10. 1925 Einführung in die Nationalökonomie

    Ihre Ökonomie, wie sie sie lehrte: schlichter als Die Akkumulation des Kapitals, die aus diesem Buch hervorging. Hier breitet sie aus, was sie über Gesellschaften mit Gemeineigentum vor dem Kapitalismus gelesen hatte.

    DE
Anmelden oder abonnieren, um dieses Werk zu besprechen

— oder öffne ein anderes Werk aus dieser Feder