WerkThomas Paine

Common Sense

Die Flugschrift, die den britischen Kolonisten in Amerika in klaren Worten sagte: Das Problem ist der König selbst, und die Lösung heißt Unabhängigkeit.

von Thomas Paine73 Passagen vorhanden

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Erstveröffentlichung
(mit 39 Jahren)
Originalsprache
Englisch

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Überblick

Georg III. erklärte dem Parlament am 26. Oktober 1775, die amerikanischen Kolonien befänden sich in offener Rebellion und würden mit Gewalt zur Ordnung gebracht. Die Rede erreichte Philadelphia in den ersten Januartagen 1776, und am 10. Januar brachte der Drucker Robert Bell dort eine anonyme Flugschrift in den Verkauf. Ihr Verfasser, Thomas Paine, war erst dreizehn Monate zuvor aus England gekommen und hielt die Zeit der Bittschriften für vorbei: Die Kolonien sollten sich jetzt für unabhängig erklären. Die Gesellschaft, schrieb er, erwächst aus den Bedürfnissen der Menschen und ist ein Segen; die Regierung ist bestenfalls ein notwendiges Übel und gehört nah an die Menschen, denen sie dient. Ein König fügt ihr nichts hinzu als Kosten und Gefahr, und ein erblicher ist schlimmer, denn ein Volk, das einen guten Herrscher wählt, hat kein Recht, seine Enkel dessen Nachkommen auszuliefern. Dann das praktische Argument: Eine Insel in dreitausend Meilen Entfernung kann keinen Kontinent regieren, und Amerika hat die Männer, das Holz und den Handel, um allein zu bestehen. Bald überwarf sich Paine mit Bell wegen der Gewinne und gab eine erweiterte Ausgabe – mit einem Anhang, der auf die Rede des Königs antwortete – an Bells Konkurrenten William und Thomas Bradford. Es folgten Erwiderungen, darunter Plain Truth von James Chalmers, einem Loyalisten aus Maryland, der die britische Verfassung verteidigte. George Washington lobte die Argumentation der Flugschrift, John Adams dagegen hielt ihren Regierungsplan für viel zu demokratisch. Wie viele Exemplare verkauft wurden, ist bis heute umstritten: Paine sprach später von 120.000 in drei Monaten, während manche Historiker die realistische Obergrenze bei etwa 75.000 ansetzen – in Kolonien mit rund zweieinhalb Millionen Menschen.

Schlüsselbegriffe

Warum nennt Common Sense die Regierung ein notwendiges Übel?

Weil sie nur dort gebraucht wird, wo die Gesellschaft allein nicht ausreicht. Die Gesellschaft entsteht nach Paine aus den Bedürfnissen der Menschen und ist ein Segen; die Regierung ist bestenfalls ein notwendiges Übel. Da das Übel nun einmal notwendig ist, kommt es darauf an, es so klein und so nah an den Regierten zu halten wie möglich, und jede Einrichtung muss sich daran messen lassen, ob sie ihnen dient oder über ihnen steht.

Warum ist ein Erbkönig schlimmer als ein gewählter?

Weil die Erbfolge Menschen bindet, die nie zugestimmt haben. Selbst wenn ein Volk seinen ersten König frei gewählt hat, war das allein seine Entscheidung; es hatte kein Recht, seine Enkel dessen Nachkommen auszuliefern. Die Erbfolge nimmt jeder Generation eine Entscheidung ab, die ihr zusteht, und legt sie für alle im Voraus fest, wer auch immer der Erbe sein mag. Deshalb gilt sie Common Sense als noch schlimmer als die Monarchie selbst.

Was besagt das Argument von der Insel, die einen Kontinent regiert?

Es ist Paines praktischer Nachweis, dass britische Herrschaft über Amerika nicht funktionieren konnte, was immer sie beanspruchte. Eine Regierung auf einer kleinen Insel in dreitausend Meilen Entfernung konnte die Bedürfnisse eines Kontinents weder verstehen noch rechtzeitig auf sie antworten. Das Argument verschiebt die Frage von der Loyalität zur Tauglichkeit: Auch wer Großbritannien noch verbunden war, musste fragen, ob diese Ordnung funktionieren konnte, und Paine verneint es.

Warum lehnt Paine die Versöhnung mit Großbritannien ab?

Weil der König diesen Weg selbst versperrt hatte. Georg III. hatte dem Parlament erklärt, die Kolonien befänden sich in offener Rebellion und würden mit Gewalt zur Ordnung gebracht, und Paine sah darin das Ende aller Bittschriften. Eine Versöhnung hätte die Kolonien einer Regierung zurückgegeben, die sich für den Krieg gegen sie entschieden hatte und sie aus dieser Entfernung ohnehin nicht gut regieren konnte; als Lösung blieb nur die Trennung.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Gesellschaft, Regierung und die Nutzlosigkeit der Könige

Was braucht ein Volk wirklich von einer Regierung, und was fügt ein König dem hinzu? Nichts als Kosten und Gefahr, antwortet Paine – und eine vererbte Krone ist noch schlimmer.

Die Gesellschaft entsteht aus den Bedürfnissen der Menschen und ist ein Segen; die Regierung ist bestenfalls ein notwendiges Übel, und je geringer der Abstand zwischen ihr und den Regierten, desto besser. An diesem Maßstab gemessen leistet ein König nichts, was ein Volk nicht selbst leisten könnte, und er kostet viel. Die Erbfolge macht es schlimmer, selbst wenn der erste König gut war: Ein Volk, das sich einen Herrscher wählt, darf sich selbst binden, aber es hat kein Recht, seine Enkel dessen Nachkommen auszuliefern, wer immer sie sein mögen.

  • Monarchie
  • Erbfolge
  • Politische Legitimität
  • Politische Autorität
  • Volkssouveränität
  • Politische Gleichheit
  • Göttliche Souveränität
  • Religion und Politik
  • Freiheit

Warum die Unabhängigkeit nicht warten konnte

Lohnt es sich noch, auf eine Versöhnung mit Großbritannien zu warten, oder ist die Zeit der Bittschriften vorbei? Sie ist vorbei, antwortet Paine, und die Kolonien haben längst, was sie brauchen, um allein zu bestehen.

Der König hatte die Kolonien für offen aufständisch erklärt und angekündigt, sie mit Gewalt zur Ordnung zu bringen; Paine nahm ihn beim Wort. Bittschriften setzten ein Mutterland voraus, das zuhört, und dieses Mutterland hatte sich für den Krieg entschieden. Übrig blieb eine praktische Frage, und Paine beantwortete sie praktisch: Eine Insel in dreitausend Meilen Entfernung konnte keinen Kontinent regieren, und Amerika besaß die Männer, das Holz und den Handel, um auf eigenen Füßen zu stehen. Die Unabhängigkeit war keine Wette auf die Zukunft, sondern die Anerkennung dessen, was schon da war.

  • Politische Unabhängigkeit
  • Unabhängigkeit
  • Aussöhnung
  • Selbstregierung
  • Republikanismus
  • Handel
  • Landesverteidigung
  • Seemacht
  • Bürgerkrieg
  • Nachwelt
  • Krieg
  • Imperium
  • politische Gewalt
  • politische Einheit
  • Nationale Identität
  • Politische Urteilskraft
  • Konstitutionalismus
  • Verfassungsdesign
  • politische Repräsentation

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156
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Nr. 574

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Monarchie“ und „Politische Legitimität“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 15 Paarungen. 53 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
MonarchiePolitische Legitimität7
ErbfolgeMonarchie5
ErbfolgePolitische Legitimität4
HandelPolitische Unabhängigkeit3
Politische LegitimitätPolitische Unabhängigkeit3
Politische UnabhängigkeitSelbstregierung3
SelbstregierungUnabhängigkeit3
AussöhnungPolitische Unabhängigkeit2
AussöhnungSelbstregierung2
AussöhnungUnabhängigkeit2
Politische LegitimitätUnabhängigkeit2
HandelSelbstregierung1
HandelUnabhängigkeit1
MonarchieUnabhängigkeit1
Politische LegitimitätSelbstregierung1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1776 Common Sense du bist hier EN
  2. 1776 The American Crisis

    Eine Folge von Schriften, kein Buch: einzeln erschienen zwischen Dezember 1776 und Dezember 1783, wann immer die Nachrichten vom Krieg eine verlangten, jede unter dem Titel The Crisis.

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  3. 1782 Letter Addressed to the Abbé Raynal on the Affairs of North-America (Letter to the Abbe Raynal)

    Zehn Monate nach dem Sieg von Yorktown, als der Krieg zu Ende ging, machte sich Paine daran, die Darstellung der Revolution für europäische Leser richtigzustellen.

    EN
  4. 1791 Die Rechte des Menschen (Rights of Man)

    Paines Beitrag zum Flugschriftenkrieg, den Burkes Reflections in Großbritannien auslöste; die Schriftstellerin Mary Wollstonecraft hatte Burke schon im November 1790 als Erste geantwortet.

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  5. 1793 Reasons for Wishing to Preserve the Life of Louis Capet (Reasons for Preserving the Life of Louis Capet)

    Die zweite von drei Reden, die Paine im Konvent über das Schicksal des Königs hielt: Die erste, im November 1792, forderte einen Prozess gegen Ludwig; die letzte bat um Aufschub der Hinrichtung.

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  6. 1794 Das Zeitalter der Vernunft (The Age of Reason)

    Zwischen den beiden Teilen dieses Buches saß Paine zehn Monate in einem Pariser Gefängnis. Es ist sein einziges zusammenhängendes Werk über Religion – und dasjenige, das ihn am meisten kostete.

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  7. 1795 Dissertation on First Principles of Government

    Auf wenige Dutzend Seiten verdichtet Paine hier seine politischen Grundsätze – sein letzter Versuch, vom Konvent aus eine französische Verfassung mitzugestalten.

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  8. 1797 The Existence of God

    Die positive Seite des Arguments, das Das Zeitalter der Vernunft gegen die Offenbarungsreligion geführt hatte – vorgetragen vor den Theophilanthropen, der Pariser Gesellschaft, deren Bekenntnis dem Paines entsprach.

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  9. 1797 Thomas Paine an die Gesetzgeber und an die Direktoren der Republik Frankreich (Agrarian Justice)

    Erst die Predigt eines Bischofs über Arm und Reich brachte die Schrift in Druck. Sie treibt die sozialen Vorschläge aus Die Rechte des Menschen zu einem Prinzip weiter: Den Landlosen steht ein Anteil an der Erde zu.

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  10. 1807 Examination of the Prophecies

    Ein Begleitstück zu Das Zeitalter der Vernunft: Es prüft den Umgang der Evangelien mit Prophezeiungen so genau, wie der zweite Teil jenes Buches die Verfasserschaft der Bibel geprüft hatte.

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