1772 schrieb ein Akziseeinnehmer in Lewes, einer Marktstadt in Sussex, eine Flugschrift für das Parlament: Seine Kollegen würden so schlecht bezahlt, dass die Armut ehrliche Männer dazu treibe, Bestechungsgeld anzunehmen. Die Petition, der sie Nachdruck verleihen sollte, wurde abgelehnt, und 1774 entließ die Akziseverwaltung ihren Verfasser: Thomas Paine, siebenunddreißig Jahre alt, ehemals Korsettmacher, schon als Junge von der Schule abgegangen, ohne Gönner und ohne Geld. Benjamin Franklin, der sich in London für die Kolonien einsetzte, gab ihm ein Empfehlungsschreiben mit. Am 30. November 1774 ging Paine in Philadelphia an Land, krank von einem Fieber, das er sich auf der Überfahrt geholt hatte.
Alles, was er danach schrieb, stellt jeder Macht, die er vorfand, dieselbe Frage: Wer hat ihr das Recht dazu gegeben? Seine Antwort gab er erstmals im Januar 1776 in Common Sense, und er nahm sie nie zurück: Niemand erbt Herrschaft über einen anderen. Ein Volk, das einen guten König wählt, hat kein Recht, seine Enkel den Nachkommen dieses Königs auszuliefern. Auf das Parlament angewandt, hieß das: Keine Generation kann die nächste binden. Auf die Kirchen angewandt: Eine Offenbarung ist für alle außer dem, der sie als Erster empfing, bloßes Hörensagen. Auf den Boden angewandt: Die Erde gehörte einst allen, und wer ein Stück davon besitzt, schuldet allen anderen eine Pacht.
Nur wenige dieser Grundsätze stammten von Paine selbst. Oft klingt bei ihm John Locke an, der englische Philosoph der Naturrechte, obwohl Paine behauptete, ihn nie gelesen zu haben. Sein Verdienst war, sie einem Massenpublikum vorzulegen. Common Sense erklärte Kolonisten, die noch immer Bittschriften an den König richteten, dass die Zeit der Bittschriften vorbei sei. In Kolonien mit etwa zweieinhalb Millionen Einwohnern wurden zwischen 75.000 und 120.000 Exemplare verkauft – die Zahl ist umstritten –, und oft wurde die Schrift laut vorgelesen.
Mit Die Rechte des Menschen trug er das Argument in seine Heimat Großbritannien. Das Buch antwortete Edmund Burke, dem Whig-Politiker, der ererbte Institutionen gegen die Französische Revolution verteidigt hatte. Der zweite Teil, 1792 erschienen, fügte einen durchgerechneten Plan hinzu: die Staatsausgaben senken und mit dem Ersparten Renten ab fünfzig zahlen sowie arme Kinder zur Schule schicken. Im Dezember 1792 verurteilte ein Londoner Geschworenengericht Paine in Abwesenheit wegen aufrührerischer Verleumdung. Da hatte Frankreich ihn bereits zum Ehrenbürger ernannt, und er saß im Nationalkonvent in Paris.
Dort maß er die Revolution selbst an denselben Grundsätzen. Im Januar 1793 bat er den Konvent, Ludwig XVI. zu verschonen, ihn nach Amerika zu verbannen und die Todesstrafe abzuschaffen; dieses Plädoyer trug ihm die Feindschaft der Jakobiner ein. Als der Konvent im Dezember seine ausländischen Mitglieder ausschloss, wurde Paine als Ausländer verhaftet und verbrachte zehn Monate im Gefängnis des Luxembourg. Frei kam er, als James Monroe, der neue amerikanische Gesandte in Paris, ihn als Bürger der Vereinigten Staaten reklamierte.
1795 kehrte er in den Konvent zurück und forderte das Wahlrecht für jeden Mann, ob mit Eigentum oder ohne; niemand erhob sich, um ihm beizupflichten. Zwei Jahre später schlug er in Agrarian Justice einen nationalen Fonds vor, der jedem Menschen mit einundzwanzig 15 Pfund und ab fünfzig jährlich 10 Pfund zahlen sollte – als Recht, nicht als Almosen. Den modernen Sozialstaat haben seine Sozialvorschläge wohl nur wenig geprägt, doch Befürworter eines Grundeinkommens berufen sich heute auf diese Flugschrift.
Nichts ruinierte sein Ansehen in Amerika so gründlich wie Das Zeitalter der Vernunft. Er schrieb es, um den Glauben an einen Gott gegen jede Kirche zu verteidigen, die beanspruchte, in dessen Namen zu sprechen. Als Paine 1802 nach Amerika zurückkehrte, hatten sich frühere Verbündete gegen ihn gewandt, und 1806 wies ein Wahlbeamter in New Rochelle seine Stimme zurück: Er sei kein Amerikaner. Er starb am 8. Juni 1809 in Greenwich Village. Die Quäker verweigerten ihm einen Platz auf ihrem Friedhof; begraben wurde er auf seiner Farm in New Rochelle, im Beisein nur einer Handvoll Trauernder.