Der Irrtum in jeder Erfahrung
Warum muss man jemandem sagen, was er schon ist? Weil jeder wache Augenblick, so die Vorrede, das Selbst bereits mit dem Körper und dem Geist verwechselt, die es beobachtet, und der ganze Kommentar diese Verwechslung aufheben will.
Śaṅkara nennt den Irrtum adhyāsa, Überlagerung: Man sieht die Merkmale des einen in einem anderen, wie Silber im Perlmutt. Subjekt und Objekt sind so gegensätzlich wie Licht und Dunkel, die Verwechslung lässt sich also nicht rechtfertigen, und doch durchzieht sie das ganze gewöhnliche Leben, Wahrnehmung, Riten und Schrift eingeschlossen. Im Alltag verhalten sich Gelehrte wie eine Kuh vor einem erhobenen Stock. Das Wissen repariert nicht das Selbst, das nie berührt war. Es beseitigt den Fehler, und ein durchschauter Irrtum kann eine Weile nachwirken, wie ein Doppelmond.
- Selbst
- Unwissenheit
- Nichtzweiheit
- Wissen
- Bewusstsein
- Wahrnehmung
- Erkenntnistheorie
- Identität
- Selbsterkenntnis
- Verkörperung
- Befreiung vom Leiden
Ins Gespräch kommen
- Noch vor dem ersten Aphorismus zeigen Sie, dass jeder Körper und Geist für das Selbst hält, wie man Perlmutt für Silber hält. Warum muss der Kommentar dort beginnen?
- Der Erkennende und alles, was er erkennt, sind Ihnen zufolge so gegensätzlich wie Licht und Dunkel. Wie lassen sich zwei so ungleiche Dinge überhaupt verwechseln?
- Eine Kuh weicht vor einem Mann mit erhobenem Stock zurück, und im Alltag handeln Gelehrte Ihnen zufolge nicht anders. Was verrät das über ihr Wissen?
- Wahrnehmung, Schlussfolgerung und selbst die Schrift arbeiten, wie Sie einräumen, innerhalb des Irrtums, den sie beheben sollen. Wodurch können sie ihn dann noch beheben?
- Ein krankes Auge sieht weiter zwei Monde, auch wenn der Irrtum erkannt ist. Bleibt deshalb für Sie auch der Leib des Wissenden noch eine Weile?