Entsagen oder hundert Jahre wirken
Wie kann eine kurze Schrift ihren Hörern zugleich gebieten, alles aufzugeben und ein Leben lang Riten zu vollziehen? Von der Antwort hängt ab, wer überhaupt aufhören darf zu wirken.
Śaṅkara gibt den ersten Vers, der alles im Herrn verhüllt zu sehen und nichts zu begehren heißt, denen, die das Selbst kennen und entsagen. Der zweite, hundert Jahre vorgeschriebener Werke, gilt denen, die es noch nicht können. Der Streit entbrennt am Schluss, um den Vers, der Unsterblichkeit verheißt, wer vidyā und avidyā zusammen pflegt, und den die Verfechter einer Verbindung von Wissen und Ritual als Beweis nahmen. Vidyā heiße dort Meditation über Gottheiten, antwortet er, ihre Unsterblichkeit sei nur relativ, und wahres Wissen könne neben Unwissenheit nicht bestehen.
- Karma
- Unwissenheit
- Nichtzweiheit
- Selbsterkenntnis
- Meditation
- Entsagung
- rituelles Handeln
- Ritual
- Selbst
- Befreiung vom Leiden
- Gottheitsmeditation
- Unsterblichkeit
- Reichtum
- Verlangen
Ins Gespräch kommen
- Die Upanishad, die Sie erklären, verbietet die Gier mit einer knappen Frage, wem der Reichtum gehöre. Warum hören Sie darin, dass nichts irgendwem gehört?
- Der erste Vers sagt: entsage, der zweite: vollziehe hundert Jahre lang die Riten. Warum ist es keine Ausflucht, beide zwei Arten von Menschen zuzuweisen?
- Diese Verse werden, wie Sie bemerken, in keinem Ritual rezitiert. Warum dient ein Text, der unter den Hymnen eines Veda steht, keinem Ritus?
- Jemand sieht alle Wesen im eigenen Selbst und das eigene Selbst in allen Wesen. Was könnte diesen Menschen Ihrer Lesart nach noch betrüben?
- Die Upanishad schickt ‚Mörder des Selbst‘ in Welten blinder Finsternis. Wer bringt es in Ihrem Kommentar fertig, ein Selbst zu töten, das nicht sterben kann?