Ein Werkzeug, das das Denken schützt
Schließen liegt dem Menschen von Natur aus, wozu also Regeln dafür? Avicennas späte Logik antwortet in Andeutungen und erwartet, dass der Leser jedes Argument selbst zu Ende führt.
Die Logik, sagt die erste Methode, ist ein regelgebendes Werkzeug, dessen Beachtung davor bewahrt, im Denken in die Irre zu gehen, und Denken heißt hier der Schritt des Geistes von dem, was er schon hat, zu dem, was ihm noch fehlt. Das Buch bietet nur Grundsätze und Umrisse und traut einem scharfen Leser zu, sie auszuarbeiten. Es achtet auf Wörter, weil das Denken in ihnen reist, doch in keiner bestimmten Volkssprache, und es endet dort, wo die Gefahr am größten ist: bei Verwechslungen von Laut und Schrift, den Vokalzeichen und Punkten, die arabische Buchstaben unterscheiden. Achte auf die Bedeutungen, nicht auf die Wörter, lautet sein letzter Rat.
- Logik
- Definition
- Wesen
- Prädikation
- Sprache
- Semantik
- Gattung und Art
- Wesenseigenschaften
- Erkenntnistheorie
Ins Gespräch kommen
- Die Logik ist Ihnen zufolge ein Werkzeug, dessen Regeln den Geist vor dem Irrweg bewahren. Wozu braucht das Schließen, das uns doch natürlich ist, überhaupt ein Werkzeug?
- Ihr Vorwort bietet nur Grundsätze und Umrisse, die ein wacher Geist leicht ausarbeiten werde. Warum schreiben Sie Philosophie in Andeutungen statt in ausgeführten Argumenten?
- Wer diese Regeln lernt, jedes Argument prüft wie ein Buchhalter seine Summe und dennoch irrt, soll Ihnen zufolge die Philosophie lassen. Ist das ein gerechtes Urteil?
- Ihr letzter Rat lautet, auf die Bedeutungen zu achten, nicht auf die Wörter. Wie oft scheitert ein Argument, weil ein Wort mehr zu sagen schien, als es meinte?
- Im Arabischen, bemerken Sie, spricht der Koranvers ‚der Mensch ist im Verlust‘ schon von jedem Menschen. Warum muss ein Logiker beachten, wie jede Sprache ‚alle‘ und ‚einige‘ sagt?