Ist die Lust das Ziel des Lebens?
Wenn jedes Lebewesen von Geburt an Lust sucht, ist dann ein schmerzfreies Leben alles, was wir wollen? Cicero lässt die epikureische Sache mit voller Kraft vortragen und fragt dann, ob ihre besten Anhänger nach ihr leben.
Torquatus vertritt, die Lust, vor allem die gefestigte Ruhe der Schmerzlosigkeit, sei das Ziel, dem alles andere dient, und Tugenden wie Freundschaft verdienten ihren Rang, weil sie diese Lust sichern. Ciceros Erwiderung wendet die Schule gegen ihre eigenen Beispiele: Die Vorfahren des Torquatus handelten um der Ehre, nicht der Lust willen, Epikur nannte seinen qualvollen letzten Tag glücklich und stiftete Geburtstagsfeiern, nachdem er gelehrt hatte, der Tod gehe uns nichts an. Viele Epikureer, räumt Cicero ein, sind treue Freunde, die nach der Pflicht leben, und eben darin sieht er einen Beweis, dass das Ehrenhafte schwerer wiegt als die Lust.
- Lust
- Schmerz
- Glück
- Freundschaft
- Ethik
Ins Gespräch kommen
- Unter Qualen nannte der sterbende Epikur diesen Tag glücklich, den Schmerz aufgewogen durch die Erinnerung an seine Lehren. Kann das gelten, wenn Schmerz das größte Übel ist?
- Ihr Epikureer Torquatus stammt von einem Helden ab, der einem besiegten Feind die Kette abriss und den eigenen Sohn hinrichten ließ. Geschah beides um der Lust willen?
- Der Stoiker Kleanthes malte die Lust auf einem Thron, die Tugenden als Mägde, die ihr nur Vorsicht zuflüstern. Warum trifft dieses Bild die Epikureer so empfindlich?
- Epikur lehrte, der Tod gehe uns nichts an, und verfügte doch im Testament jährliche Feiern seines Geburtstags. Warum stört Sie das mehr, als es Sie rührt?
- Thorius aus Lanuvium genoss bei bester Gesundheit jede verfeinerte Lust, fürchtete nichts und fiel im Kampf für die Republik. Was fehlte seinem Leben Ihrer Ansicht nach dennoch?