Götter, die nichts tun
Wären Götter, die sich nie in die Welt einmischen, eine Erleichterung oder ein Verlust? Der Epikureer Velleius preist ihre Untätigkeit als Befreiung von Furcht, und das Buch fragt, ob die Religion das übersteht.
Gaius Velleius eröffnet das Gespräch für Epikur. Die Götter gebe es, sagt er, weil jedes Volk schon vor aller Belehrung einen Begriff von ihnen habe; sie trügen Menschengestalt, da keine Form schöner sei, und seien vollkommen glücklich, weil sie sich um nichts mühen, am wenigsten um die Lenkung der Welt. Die Furcht vor ihrem Zorn sei darum grundlos. Cotta erwidert, solchen Göttern schulde man nichts, und Ciceros Vorrede hat schon gewarnt, dass ohne ihre Fürsorge Gebet, Frömmigkeit und vielleicht die Gerechtigkeit ihren Grund verlieren.
- Lust
- Natur
- Wahrnehmung
- Furcht
- Menschennatur
Ins Gespräch kommen
- Velleius, Ihr epikureischer Senator, hält die Götter für vollkommen glücklich, weil sie sich um nichts mühen. Wieso sollte das von der Furcht vor ihnen befreien?
- Die Götter Epikurs tragen Menschengestalt, weil keine Form schöner sei. Wozu, fragt Ihr zweifelnder Priester Cotta, braucht ein Gott eine Zunge, wenn er nie spricht?
- Kümmern sich die Götter nicht um uns, warnt Ihre Vorrede, verlieren Gebet und Frömmigkeit ihren Sinn. Warum fürchten Sie, dass dann selbst die Gerechtigkeit nicht überlebt?
- Ihr Epikureer Velleius spottet über einen Schöpfergott, der unendliche Zeiten müßig blieb, ehe er die Welt schuf. Was hätte einen Gott plötzlich zum Bauen bewegen sollen?
- Manche argwöhnen, Epikur habe die Götter aus Angst vor den Gesetzen Athens nur dem Wort nach behalten und der Sache nach abgeschafft. Kann man untätige Götter ehrlich verehren?