Ein Charakter gegen seine Zeit
Was heißt es, die höchsten Werte eines Zeitalters mit dem Instinkt zu richten statt mit Argumenten? Das Buch liest Nietzsche weniger als Lehre denn als Naturell, das vor Schuld, Sünde, Jenseits und Vaterland zurückschreckte.
Der erste Teil gibt den Ton für alles Weitere an: Nietzsches Einwände gegen seine Zeit waren keine logisch gewonnenen Schlüsse, sondern Reaktionen einer gesunden Natur, so wie sich ein Auge von einer schmerzenden Farbe abwendet. Schuld, Sünde, ein Jenseits und ein über das Leben gestelltes Sittengesetz erschienen ihm als Zeichen des Niedergangs, die Askese als Leben, das sich gegen sich selbst kehrt. Selbst die Wahrheit geriet in Verdacht, als Wert, der erst zeigen muss, dass er dem Leben dient. Steiner schreibt als Verbündeter, hält diese Instinkte für die richtigen und fragt, welcher Mensch nach ihnen leben könnte.
- Instinkt
- Moralität
- Religion
- Askese
- Wahrheit
- Vernunft
- Wissen
- Erkenntnistheorie
- Interpretation
- Konformität
- Leiden
- Naturalismus
Ins Gespräch kommen
- Was sagen Sie jemandem, der sich für Dinge schuldig fühlt, die er ehrlich nicht bereuen kann?
- Die Freigeister in Nietzsches Umgebung kannten jeden Einwand gegen die alten religiösen Vorstellungen, doch ihre Instinkte hingen weiter an ihnen. Was hatte er, das ihnen fehlte?
- Nietzsche hält die Falschheit eines Urteils für keinen Einwand, wenn es dem Leben dient. Untergräbt das nicht seine eigenen Behauptungen?
- Nietzsche schrieb in Aphorismen und widersprach sich oft. Zwingt ihm die Lesart als geschlossener Charakter nicht eine Einheit auf, die er verweigerte?
- Jemand verzichtet immer wieder auf Freuden, weil Entsagung sich tugendhaft anfühlt. Wann ist das Stärke, und wann kehrt sich da Leben gegen sich selbst?