WerkRudolf Steiner

Theosophie

Steiners Karte des Menschen in neun Gliedern, des Weges der Seele nach dem Tod und des Pfades, auf dem man das alles selbst schauen lernt.

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Die erste Auflage, 1904 in Berlin erschienen, war dem Geist Giordano Brunos gewidmet, des italienischen Philosophen, der 1600 in Rom als Ketzer verbrannt wurde; spätere Auflagen ließen die Widmung fort. Rudolf Steiner schrieb Theosophie zwei Jahre, nachdem er Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft geworden war, und versucht darin, die Lehre dieser Bewegung in eigener Ordnung und mit eigenen Worten darzulegen – als Erkenntnis, nicht als Glauben. Das Buch beginnt mit Fichte, der seinen Berliner Hörern 1813 erklärte, seine Lehre setze einen neuen inneren Sinn voraus, und Steiner behauptet, ein solcher Sinn lasse sich ausbilden. Was folgt, ist in Steiners Begriffen eine Beschreibung dessen, was dieser Sinn wahrnimmt. Der Mensch, so seine Lehre, ist Leib, Seele und Geist, und jedes davon gliedert sich weiter, insgesamt in neun Glieder: drei des Leibes, darunter ein unsichtbarer Lebensleib, drei der Seele und drei des Geistes. Der Geist kehrt in einem Leben nach dem anderen auf die Erde zurück, und Steiner begründet das mit einer Analogie aus der Biologie: Ein Leib erbt seine Gestalt von den Vorfahren, der Geist jedes Menschen aber ist eine Gattung für sich, also lässt sich seine Biographie nur aus einem früheren Leben eben dieses Geistes erklären. Dann beschreibt er den Weg der Seele nach dem Tod durch Seelenwelt und Geisterland, die Gedankenformen und die farbige Aura, die der geschulte Seher nach seinen Worten um einen Menschen wahrnimmt, und zuletzt den Übungsweg, auf dem jeder lernen könne, diese Dinge zu schauen. Fünfmal überarbeitete er das Buch, zuletzt 1922, und bis zu seinem Tod erlebte es einundzwanzig Auflagen. Den Titel behielt er auch nach dem Bruch mit der Theosophischen Gesellschaft 1913, als er seine Lehre Anthroposophie nannte.

Schlüsselbegriffe

Was sind die neun Glieder des Menschen in der Theosophie?

Drei des Leibes, drei der Seele und drei des Geistes: physischer Leib, Lebens- oder Ätherleib und Seelenleib; Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewusstseinsseele; Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Weil sich einige Glieder überdecken, lassen sie sich, so das Buch, auch als sieben zählen. Das Ich, das in der Seele wohnt, hält sie zusammen.

Was ist der Lebens- oder Ätherleib?

Das Glied, das nach Steiners Darstellung den physischen Leib zu Lebzeiten davor bewahrt, in bloße Chemie zu zerfallen. Mineralien haben nur einen physischen Leib; Pflanzen, Tiere und Menschen haben auch einen Lebensleib, der den Stoff durch Wachstum und Fortpflanzung gestaltet und erhält. Im Tod, schreibt er, verlässt er den physischen Leib, und was zurückbleibt, folgt dann nur noch den Gesetzen der mineralischen Welt.

Was sind Seelenwelt und Geisterland?

Die beiden Bereiche, die der Mensch nach Steiners Schilderung zwischen Tod und neuer Geburt durchläuft. In der Seelenwelt, von der Begierdenglut aufwärts in sieben Regionen geordnet, wird die Seele von den noch an den Leib gebundenen Begierden befreit, die sich ohne ihn nicht stillen lassen. Im Geisterland verarbeitet der von diesen Banden gelöste Geist die Früchte seines vergangenen Lebens und bereitet das nächste vor.

Warum heißt jeder Mensch eine Gattung für sich?

Weil nach dem Buch kein allgemeines Gesetz einer Art eine einzelne Biographie erklärt. Gestalt und Verhalten eines Tieres erklären sich aus seiner Gattung, die die Vererbung weitergibt; beim Menschen spielt das Individuum selbst diese Rolle. Und wie eine Gattungsform Abstammung braucht, um erklärt zu werden, braucht der individuelle Geist eine eigene Abstammung, die das Buch in einem früheren Leben findet.

Was ist die Aura, wie das Buch sie beschreibt?

Eine Farbenwolke, die nach Steiners Darstellung der geschulte Seher um einen Menschen wahrnimmt und in der sich das Seelenleben ausdrückt. Unter seinen Beispielen zeigen sich Leidenschaften in rötlichen Tönen, Hingabe in Blau, und die Aura wandelt sich, wenn Gefühl und Charakter sich wandeln. Er gibt sie als Beobachtung aus, nicht als Sinnbild, und bittet den Leser, sie im Urteil offen zu halten, bis sie sich prüfen lässt.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Leib, Seele und Geist

Woraus besteht ein Mensch, wenn nicht nur aus einem Körper? Das Buch antwortet mit einer Karte aus neun Gliedern und stellt das Selbst zwischen das, was der Leib empfängt, und das, was der Geist erfasst.

In Steiners Darstellung begegnet der Mensch der Welt auf dreifache Weise: durch den Leib, der Eindrücke empfängt; durch die Seele, die daraus eigene Gefühle macht; und durch den Geist, der erfasst, was gilt, gleich wem es gefällt. Jedes gliedert sich weiter: physischer Leib, Lebensleib und Seelenleib; Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewusstseinsseele; Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Das Ich lebt in der Seele als ihr Mittelpunkt. Ein wahrer Gedanke, so das Buch, ist wahr unabhängig davon, wer ihn denkt, und indem die Seele ihn erfasst, berührt sie den Geist.

  • Seele
  • Pneuma
  • Menschennatur
  • Verkörperung
  • Leib
  • Bewusstsein
  • Selbstheit
  • Individualität
  • Emotion
  • Gedanke
  • Gedächtnis
  • Vernunft
  • Wahrheit

Ein Leben nach dem anderen

Warum kommt ein Mensch mit gerade diesen Gaben und Lasten zur Welt? Das Buch hält fest, dass die Vererbung den Leib erklärt, eine Biographie aber nur als Fortsetzung eines früheren Lebens desselben Geistes verständlich wird.

Das Argument beginnt in der Biologie. Die Gestalt eines Tieres erklärt sich aus seiner Gattung, der Leib eines Menschen aus seinen Vorfahren. Doch jeder Mensch ist nach Steiner eine Gattung für sich, mit einer Biographie, die kein Vorfahr erklärt; der Geist, der sie formt, muss darum aus einem früheren Leben eben dieses Geistes stammen, wie der Leib von den Ahnen. Was ein Mensch tut, kehrt nach seiner Lehre in einem späteren Leben als Schicksal zu ihm zurück. Zwischen den Leben durchwandert die Seele nach seiner Schilderung eine Seelenwelt, in der ihre Begierden abgestreift werden, und dann ein Geisterland.

  • Wiedergeburt
  • Karma
  • Schicksal
  • Jenseits
  • geistige Welten
  • Verlangen
  • Leben
  • Metaphysik

Ein Wissen, das jeder prüfen kann

Können Aussagen über unsichtbare Welten mehr sein als Glaube? Das Buch besteht darauf, dass gewöhnliches gesundes Denken sie nachvollziehen und prüfen kann, bevor jemand selbst schaut, und schließt mit einem Pfad, auf dem das Schauen gelernt wird.

Steiner beginnt mit Fichte, der seinen Hörern sagte, seine Lehre setze einen neuen inneren Sinn voraus, und behauptet, ein solcher Sinn lasse sich ausbilden. Alles, was das Buch dann beschreibt, die Gedankenformen, die Aura, deren Farben nach ihm der geschulte Seher wahrnimmt, die Regionen der Seelenwelt, wird zur Prüfung angeboten, nicht zum Glauben: Gesunde Urteilskraft könne die Darstellung nachvollziehen, bevor sie sie bestätigen kann. Der abschließende Pfad verlangt innere Ruhe, Ehrfurcht und Wahrheitssinn vor aller Schau und weist jeden ab, der bloß Sensationen sucht.

  • Wahrnehmung
  • Erkenntnistheorie
  • geistige Wahrnehmung
  • geistige Entwicklung
  • Wissen
  • geistige Erkenntnis
  • Aura
  • Spiritualität
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eigenständige Begriffe
294
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 267

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Pneuma“ und „Seele“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 21 Paarungen. 88 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
PneumaSeele19
ErkenntnistheorieWahrnehmung11
Erkenntnistheoriegeistige Wahrnehmung10
JenseitsSeele10
EmotionWahrnehmung9
SeeleWahrnehmung9
SeeleWiedergeburt8
JenseitsPneuma6
PneumaWahrnehmung5
PneumaWiedergeburt5
EmotionSeele4
JenseitsWiedergeburt4
Emotiongeistige Wahrnehmung2
ErkenntnistheorieWiedergeburt2
EmotionJenseits1
ErkenntnistheorieJenseits1
ErkenntnistheorieSeele1
Jenseitsgeistige Wahrnehmung1
Pneumageistige Wahrnehmung1
Seelegeistige Wahrnehmung1
Wahrnehmunggeistige Wahrnehmung1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1891 Die Grundfrage der Erkenntnistheorie (Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichte's Wissenschaftslehre)

    Eine Doktorarbeit und das Fundament der Philosophie der Freiheit – auch wenn die meisten Leser sie nur aus dem Buch von 1892 kennen, das sie in sich aufnahm.

    DE
  2. 1894 Die Philosophie der Freiheit

    Das philosophische Zentrum von Steiners Werk, geschrieben in seinen Weimarer Jahren noch vor aller Theosophie – und das Buch, auf das er spätere Leser immer wieder zurückverwies.

    DE
  3. 1895 Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit

    Entstanden zwischen der Philosophie der Freiheit und dem Goethe-Buch, als Steiner sich noch zu Nietzsches Verbündeten zählte und bevor sein Verhältnis zum Nietzsche-Archiv zerbrach.

    DE
  4. 1897 Goethes Weltanschauung

    Das letzte Buch aus Steiners Weimarer Jahren und die Summe seiner Arbeit als Herausgeber von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften; die Erkenntnistheorie dazu lieferte Die Philosophie der Freiheit.

    DE
  5. 1901 Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens

    Das erste Buch, das aus Steiners Vorträgen vor den Theosophen hervorging, noch in der Stimme des naturalistischen Philosophen der 1890er-Jahre geschrieben; Das Christentum als mystische Tatsache folgte aus dem nächsten Vortragszyklus.

    EN
  6. 1902 Das Christentum als mystische Tatsache (Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums)

    Das Buch, das Steiners Wende von der Philosophie zum esoterischen Christentum markiert, zuerst als Vorträge vor den Berliner Theosophen gehalten, in den Monaten, bevor er ihr Leiter wurde.

    EN
  7. 1904 Theosophie du bist hier DE
  8. 1904 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?

    Das praktische Gegenstück zur Theosophie: Jenes Buch beschreibt, was der geschulte Seher zu schauen beansprucht, dieses die Schulung, die dorthin führen soll.

    DE
  9. 1910 Die Geheimwissenschaft im Umriß

    Die umfassendste Einzeldarstellung von Steiners Kosmologie, begonnen innerhalb der theosophischen Bewegung und unter der Anthroposophie weitergeführt, mit vier Vorreden von 1909 bis 1925.

    DE
  10. 1911 Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit

    Steiners zweites Buch über die Christus-Gestalt, neun Jahre nach Das Christentum als mystische Tatsache; es führt die Darstellung weit tiefer in esoterische Behauptungen hinein.

    EN
  11. 1919 Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft

    Steiners wichtigste schriftliche Äußerung zur Gesellschaft, geschrieben für die Monate nach der deutschen Revolution; schon wenige Jahre später erreichte sie englische Leser als The Threefold Commonwealth.

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