Der Pfad beginnt mit Ehrfurcht
Wo beginnt eine Schulung zu höherer Erkenntnis, wenn nicht bei Visionen? Das Buch antwortet: bei Ehrfurcht, innerer Ruhe und geduldiger Aufmerksamkeit auf Wachsen und Welken, lange bevor irgendetwas Ungewöhnliches wahrgenommen wird.
Die erste Bedingung, schreibt Steiner, ist eine Grundstimmung der Devotion: Ein Schüler, der nicht zu dem aufblicken kann, was Verehrung verdient, wird nicht aufsteigen. Kritik ist nicht verboten, aber für eine Zeit beiseitegestellt. Dann folgt die innere Ruhe, wenige Minuten am Tag, in denen ein Mensch auf die eigenen Erlebnisse blickt wie ein Fremder und scheidet, was wesentlich ist und was bloß erregt. Die Übungen danach sind geduldige Aufmerksamkeit auf die Natur, auf einen Samen, eine wachsende und dann eine welkende Pflanze, bis jedem ein eigenes Gefühl antwortet.
- spirituelle Praxis
- Meditation
- Selbstdisziplin
- Aufmerksamkeit
- Geduld
- Verehrung
- Selbstbildung
- Natur
- Selbstmeisterung
- Emotion
- Verlangen
- Gedanke
Ins Gespräch kommen
- Jemand reagiert auf jedes Ereignis sofort und gewinnt nie Abstand zum eigenen Leben. Was verlangt die innere Ruhe täglich von ihm?
- Der Kritik verdankt unsere Kultur ihre Größe, doch jedes richtende Urteil vertreibe die Kräfte der Seele, die zu höherer Erkenntnis führen, sagen Sie. Wie können beide Aussagen stimmen?
- Wie ein Fremder betrachtet, ordnen sich die eigenen Freuden, Sorgen und Entschlüsse in Wesentliches und Unwesentliches. Warum sollte Abstand so sortieren?
- Manche Kinder empfinden heilige Scheu, die Klinke der Tür eines verehrten Menschen zu drücken. Warum gehen aus solchen Kindern so viele Schüler höherer Erkenntnis hervor?
- Hingabe wirkt auf die Seele wie das Reiben auf eine Glasstange, die dadurch elektrisch wird. Warum sollte Ehrfurcht eine wirkliche Kraft in der Seele aufbauen?