WerkRudolf Steiner

Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?

Ein Schulungshandbuch in Monatsfolgen: die Übungen, durch die nach Steiner jeder lernen kann, eine geistige Welt wahrzunehmen.

von Rudolf Steiner292 Passagen vorhanden

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Deutsch

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Überblick

Sechzehn Folgen in einer Monatszeitschrift, von Juni 1904 bis September 1905, legten einen vollständigen Weg esoterischer Schulung dar. Die Zeitschrift war Lucifer-Gnosis; Rudolf Steiner hatte sie im Jahr zuvor gegründet und schrieb sie fast allein, unterstützt von seiner Sekretärin Marie von Sivers. Die Reihe nennt ihre Voraussetzung gleich im ersten Satz: In jedem Menschen schlummern Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Diese Schulung sei stets geheim gehalten worden, sagt Steiner, und dem Verdacht, ihre Lehrer horteten ihr Wissen für wenige Bevorzugte, begegnet er, indem er die Methode für jeden lesbar druckt. Die Schulung beginnt mit Ehrfurcht, innerer Ruhe und der geduldigen Übung, Dinge wachsen und welken zu sehen. Und sie ist moralisch, bevor sie visionär wird: Der Text stellt die Regel auf, für jeden Schritt zur Erkenntnis verborgener Wahrheiten solle der Schüler drei Schritte in der Vervollkommnung seines Charakters tun. Dann beschreibt Steiner, was die Übungen seiner Überzeugung nach hervorbringen: Organe geistiger Wahrnehmung, die er Lotusblumen nennt oder mit ihrem indischen Namen Chakras; Veränderungen im Traumleben; ein Bewusstsein, das durch den Schlaf hindurch fortbesteht. Er warnt auch, die Schulung könne die Persönlichkeit spalten. Der Weg endet mit der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle, einem furchterregenden, gespenstischen Wesen, in dessen Gegenwart die Schüler, wie Steiner schreibt, entdecken, dass ihr Denken, Fühlen und Wollen auseinandergetreten sind. Englische Leser hatten die ersten sieben Aufsätze 1908 als The Way of Initiation in der Hand, ein Jahr bevor die Reihe zu einem deutschen Buch zusammengefasst wurde, den Rest 1909 als Initiation and Its Results. 1947 wurde das Buch erneut übersetzt, als Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, und in jüngerer Zeit als How to Know Higher Worlds.

Schlüsselbegriffe

Was sind Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung?

Die Gliederung des ganzen Pfades im Buch. Die Vorbereitung schult die Aufmerksamkeit an der Sinneswelt, an Wachsen und Welken, an Tönen und Gefühlen, bis die Seele auf neue Weise antwortet. Die Erleuchtung ist nach Steiners Darstellung das erste Aufdämmern geistiger Wahrnehmung, ein Licht, das aus dem Inneren der Dinge scheint. Die Einweihung ist der Punkt, an dem der Schüler in jener höheren Welt selbstständig handeln und urteilen kann.

Was sind die Lotusblumen, die das Buch beschreibt?

Organe geistiger Wahrnehmung, die sich nach Steiners Darstellung im Seelenleib des Schülers bilden, während die Schulung fortschreitet; die indische Überlieferung nennt sie Chakras. Beim Ungeschulten, schreibt er, sind sie dunkel und ruhig, und Übungen im Denken, Fühlen und Verhalten bringen sie in Drehung. Die sechzehnblättrige Blume in der Kehlkopfgegend etwa verbindet er mit acht Übungen, darunter rechtes Urteil, rechtes Wort und rechte Tat.

Wer ist der Hüter der Schwelle?

Nach dem Buch das Wesen, dem der Schüler beim Übertritt in die geistige Wahrnehmung begegnet, gebildet aus den Folgen seiner eigenen vergangenen Taten, guter wie schlechter, die bis dahin unsichtbar an ihm wirkten. Es zeigt ihm, was er aus sich gemacht hat und nun selbst in die Hand nehmen muss. Später erscheint ein zweiter, großer Hüter, der den Schüler auffordert, nicht in der eigenen Befreiung zu ruhen, sondern der übrigen Menschheit zu dienen.

Was ist die Kontinuität des Bewusstseins?

Der Zustand, in dem das Bewusstsein nach Steiners Beschreibung im Schlaf nicht mehr abreißt. Zuerst ordnen sich die Träume und werden sinnvoll; dann entsteht mitten im traumlosen Schlaf ein klares Erleben der geistigen Welt, bis der Schüler sein Bewusstsein ununterbrochen durch Tag und Nacht trägt. Er stellt ihn als späte Frucht der Schulung dar, nie als etwas, das sich erzwingen oder beschleunigen ließe.

Was meint das Buch mit der Spaltung der Persönlichkeit?

Das Auseinandertreten von Denken, Fühlen und Wollen, die im gewöhnlichen Leben durch die Organisation des Leibes verbunden sind und als eines wirken. Die Schulung lockert dieses Band, schreibt Steiner, sodass jedes selbstständig wird und das eigene Ich des Schülers sie zusammenhalten muss. Ein dafür zu schwacher Charakter droht einseitig zu werden: ein Wille ohne Gedanken, ein Fühlen ohne Urteil oder ein kalt abgesonderter Verstand.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Der Pfad beginnt mit Ehrfurcht

Wo beginnt eine Schulung zu höherer Erkenntnis, wenn nicht bei Visionen? Das Buch antwortet: bei Ehrfurcht, innerer Ruhe und geduldiger Aufmerksamkeit auf Wachsen und Welken, lange bevor irgendetwas Ungewöhnliches wahrgenommen wird.

Die erste Bedingung, schreibt Steiner, ist eine Grundstimmung der Devotion: Ein Schüler, der nicht zu dem aufblicken kann, was Verehrung verdient, wird nicht aufsteigen. Kritik ist nicht verboten, aber für eine Zeit beiseitegestellt. Dann folgt die innere Ruhe, wenige Minuten am Tag, in denen ein Mensch auf die eigenen Erlebnisse blickt wie ein Fremder und scheidet, was wesentlich ist und was bloß erregt. Die Übungen danach sind geduldige Aufmerksamkeit auf die Natur, auf einen Samen, eine wachsende und dann eine welkende Pflanze, bis jedem ein eigenes Gefühl antwortet.

  • spirituelle Praxis
  • Meditation
  • Selbstdisziplin
  • Aufmerksamkeit
  • Geduld
  • Verehrung
  • Selbstbildung
  • Natur
  • Selbstmeisterung
  • Emotion
  • Verlangen
  • Gedanke

Drei Schritte im Charakter für einen im Erkennen

Warum soll eine Schulung des Schauens zuerst eine sittliche sein? Die Regel des Buches lautet: Für jeden Schritt zu verborgenen Wahrheiten soll der Schüler drei Schritte zur Vervollkommnung seines Charakters tun.

Steiner verteidigt die Veröffentlichung gegen den Vorwurf, okkulte Lehrer horteten ihr Wissen: Der einzige nötige Schutz, sagt er, sei die eigene Reife des Schülers, die kein Geheimnis verleihen kann. Darum sind die Bedingungen, die er aufzählt, überwiegend sittlich: Sorge für leibliche und seelische Gesundheit, das Gefühl, dem ganzen Leben anzugehören, die Überzeugung, dass Gedanken und Gefühle auf die Welt wirken wie Taten, Standhaftigkeit, Dankbarkeit. Jede Idee, die nicht zum Ideal wird, heißt es, ertötet eine Kraft in der Seele. Der Lehrer rät und befiehlt nie; der Schüler soll frei bleiben.

  • Ethik
  • Selbsterkenntnis
  • Urteil
  • Erziehung
  • esoterische Schulung
  • Initiation
  • Wissen
  • Erkenntnistheorie
  • Sprache

Organe der Schau und der Hüter

Was soll die Schulung hervorbringen, und was kostet sie den, der sie durchläuft? Steiner beschreibt neue Wahrnehmungsorgane, ein Bewusstsein, das durch den Schlaf hindurch anhält, und eine erschreckende Begegnung an der Schwelle.

Die Ergebnisse sind nach Steiners Beschreibung Organe geistiger Wahrnehmung, die er Lotusblumen oder Chakras nennt und die sich zu drehen beginnen, wenn die Seele des Schülers sich wandelt; die Träume ordnen sich, und schließlich reicht das Bewusstsein ununterbrochen durch den Schlaf. Die Gefahren verschweigt er nicht. Denken, Fühlen und Wollen, im gewöhnlichen Leben verbunden, treten beim Schüler auseinander, und ein schwacher Charakter kann sich spalten. Der Weg endet beim Hüter der Schwelle, einem gespenstischen Wesen, das dem Schüler nach seiner Darstellung zeigt, was die eigenen vergangenen Taten aus ihm gemacht haben.

  • geistige Entwicklung
  • geistige Wahrnehmung
  • Wahrnehmung
  • Hellsehen
  • Ätherleib
  • Bewusstsein
  • Schlaf
  • spirituelle Erfahrung
  • geistige Erkenntnis

In diesem Werk

Passagen vorhanden
292
eigenständige Begriffe
330
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 255

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Meditation“ und „geistige Wahrnehmung“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 24 Paarungen. 85 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
Meditationgeistige Wahrnehmung11
Selbstdisziplinspirituelle Praxis9
Wahrnehmunggeistige Entwicklung7
Bewusstseingeistige Entwicklung6
Selbstdisziplingeistige Entwicklung6
Wahrnehmungspirituelle Praxis6
Wissengeistige Wahrnehmung5
Bewusstseingeistige Wahrnehmung4
geistige Entwicklunggeistige Wahrnehmung4
Meditationspirituelle Praxis4
BewusstseinWahrnehmung3
Meditationgeistige Entwicklung3
MeditationWahrnehmung3
SelbstdisziplinWahrnehmung3
Wissengeistige Entwicklung3
Bewusstseinspirituelle Praxis2
MeditationSelbstdisziplin2
BewusstseinMeditation1
BewusstseinSelbstdisziplin1
BewusstseinWissen1
geistige Entwicklungspirituelle Praxis1
Selbstdisziplingeistige Wahrnehmung1
Wahrnehmunggeistige Wahrnehmung1
Wissenspirituelle Praxis1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1891 Die Grundfrage der Erkenntnistheorie (Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichte's Wissenschaftslehre)

    Eine Doktorarbeit und das Fundament der Philosophie der Freiheit – auch wenn die meisten Leser sie nur aus dem Buch von 1892 kennen, das sie in sich aufnahm.

    DE
  2. 1894 Die Philosophie der Freiheit

    Das philosophische Zentrum von Steiners Werk, geschrieben in seinen Weimarer Jahren noch vor aller Theosophie – und das Buch, auf das er spätere Leser immer wieder zurückverwies.

    DE
  3. 1895 Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit

    Entstanden zwischen der Philosophie der Freiheit und dem Goethe-Buch, als Steiner sich noch zu Nietzsches Verbündeten zählte und bevor sein Verhältnis zum Nietzsche-Archiv zerbrach.

    DE
  4. 1897 Goethes Weltanschauung

    Das letzte Buch aus Steiners Weimarer Jahren und die Summe seiner Arbeit als Herausgeber von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften; die Erkenntnistheorie dazu lieferte Die Philosophie der Freiheit.

    DE
  5. 1901 Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens

    Das erste Buch, das aus Steiners Vorträgen vor den Theosophen hervorging, noch in der Stimme des naturalistischen Philosophen der 1890er-Jahre geschrieben; Das Christentum als mystische Tatsache folgte aus dem nächsten Vortragszyklus.

    EN
  6. 1902 Das Christentum als mystische Tatsache (Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums)

    Das Buch, das Steiners Wende von der Philosophie zum esoterischen Christentum markiert, zuerst als Vorträge vor den Berliner Theosophen gehalten, in den Monaten, bevor er ihr Leiter wurde.

    EN
  7. 1904 Theosophie

    Begonnen zwei Jahre, nachdem Steiner die Leitung der deutschen Theosophen übernommen hatte – das systematische Fundament, auf dem seine späteren Darstellungen der Einweihung und der Weltentwicklung aufbauen.

    DE
  8. 1904 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? du bist hier DE
  9. 1910 Die Geheimwissenschaft im Umriß

    Die umfassendste Einzeldarstellung von Steiners Kosmologie, begonnen innerhalb der theosophischen Bewegung und unter der Anthroposophie weitergeführt, mit vier Vorreden von 1909 bis 1925.

    DE
  10. 1911 Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit

    Steiners zweites Buch über die Christus-Gestalt, neun Jahre nach Das Christentum als mystische Tatsache; es führt die Darstellung weit tiefer in esoterische Behauptungen hinein.

    EN
  11. 1919 Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft

    Steiners wichtigste schriftliche Äußerung zur Gesellschaft, geschrieben für die Monate nach der deutschen Revolution; schon wenige Jahre später erreichte sie englische Leser als The Threefold Commonwealth.

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