Wissen, was Erkennen ist
Kann eine Erkenntnistheorie beginnen, ohne vorauszusetzen, was sie beweisen will? Die Dissertation wirft Kant und seinen Erben vor, ihr Ergebnis eingeschmuggelt zu haben, und fragt, wie ein Anfang ohne Voraussetzungen aussähe.
Die Erkenntnistheorie, heißt es in der Dissertation, muss untersuchen, was alle anderen Wissenschaften ungeprüft voraussetzen: das Erkennen selbst. Kant scheiterte daran schon im Ansatz, denn seine Frage, wie synthetische Urteile a priori möglich sind, unterstellt bereits, dass es solche Urteile gibt und die Erfahrung sie nicht liefern kann. Seine Nachfolger machten denselben Zug mit einer anderen Prämisse und nahmen als ausgemacht, die Welt sei nur unsere Vorstellung. Die Schlussbetrachtung dehnt den Vorwurf auf die ganze Philosophie aus: Ihr Streit entsteht, weil man die Dinge erkennen will, bevor man weiß, was Erkennen ist.
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Ins Gespräch kommen
- Zwei Menschen streiten stundenlang über Gott oder Materie und kommen nicht weiter. Liegt der Fehler in ihren Antworten oder in einer nie gestellten Frage?
- Jede Untersuchung muss irgendwo beginnen. Ist eine voraussetzungslose Erkenntnistheorie nicht eine unmögliche Forderung, auch für Sie?
- Kants Erben beginnen mit der Erklärung, wir kennten nur unsere Vorstellungen von den Dingen. Was haben sie schon vorausgesetzt, bevor sie fragten, was Erkennen ist?
- Kant baute auf Mathematik und Physik, das sicherste Wissen, das es gab. War es nicht vernünftig, bei dem anzusetzen, was bereits trägt?
- Ein Zeitgenosse meint, die Weltanschauung, die die Welt am besten erklärt, setze sich durch wie Arten im Kampf ums Dasein. Warum beweist ihr Sieg noch nichts?