Die Idee im Ding gesehen
Sind Ideen nur im Kopf, oder lassen sie sich in den Dingen selbst finden? Gegen eine Spaltung, die von Platon bis Kant reicht, stellt sich das Buch auf Goethes Seite, der die Idee in der Pflanze, im Knochen und in der Farbe suchte.
Seit Platon, so Steiner, hat das abendländische Denken die Ideen in ein Reich gesetzt und die sichtbaren Dinge in ein anderes, und Kants Grenzen der Erkenntnis sind die jüngste Gestalt dieser Kluft. Goethe hat sie nie hingenommen. Als Schiller ihm sagte, seine Urpflanze sei eine Idee und keine Erfahrung, antwortete Goethe, es könne ihm lieb sein, dass er Ideen habe, ohne es zu wissen, und sie sogar mit Augen sehe. Das Schlusskapitel benennt die verbleibende Lücke: Goethe lebte in Ideen, ohne sie als solche zu beobachten, Hegel dachte über Ideen nach, ohne die Natur zu beobachten.
- Erkenntnistheorie
- Wahrnehmung
- Ideen
- Idealismus
- Platonismus
- Empirismus
- Beobachtung
- Abstraktion
- Metaphysik
- Wissen
- Erfahrung
- Ethik
- Freiheit
Ins Gespräch kommen
- Jemand spürt, dass jede Theorie ihn weiter von den Dingen entfernt, die er gern betrachtet. Gibt es ein Erkennen, das ihn näher heranführt?
- Die Wissenschaften Ihrer Zeit kamen durch Abstraktion voran und ließen die lebendige Erscheinung zurück. Warum sollten sie zu Goethes Art zurückkehren, Ideen in den Dingen zu sehen?
- Platon malte Gefangene in einer Höhle, die nur Schatten wirklicher Dinge sehen. Warum beginnt mit diesem Bild die Trennung von Ideen und Dingen, die Goethe ablehnte?
- Goethe meinte, die Natur habe kein Geheimnis, das sie dem aufmerksamen Beobachter nicht irgendwo offen vor Augen stelle. Ist das eine Entdeckung oder ein Glaubenssatz?
- Hegel leitet die ganze Ideenwelt aus dem bloßen Gedanken des Seins ab, wie ein Blatt der Idee nach die ganze Pflanze enthält. Warum ist das kein leeres Wortspiel?