WerkRudolf Steiner

Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit

Drei Kopenhagener Vorträge, in denen Steiner seine Lehre von den zwei Jesusknaben zum ersten Mal drucken ließ.

von Rudolf Steiner85 Passagen vorhanden

  • Englisch, eine hier vorhandene Übersetzung
Erstveröffentlichung
(mit 50 Jahren)
Originalsprache
Deutsch

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Überblick

Drei Vorträge, gehalten im Juni 1911 in Kopenhagen auf der Generalversammlung der Skandinavischen Theosophischen Gesellschaft, bilden dieses Buch. Bis August hatte Rudolf Steiner die Nachschrift des Stenographen überarbeitet und in München eine Vorrede unterzeichnet. Wer Theosophie und Die Geheimwissenschaft im Umriß nicht gelesen habe, warnte er, werde das Buch für Phantasterei halten, und er habe Gründe, es sofort erscheinen zu lassen, statt es zu einem geschriebenen Buch umzuarbeiten. Der erste Vortrag setzt beim kleinen Kind an. In seinen ersten drei Jahren, so Steiner, lernt ein Kind aufrecht gehen, sprechen und denken, mit einer Weisheit, die größer ist als alles, was der Erwachsene später bewusst aufbringen kann – für ihn ein Beleg, dass höhere Mächte jeden Menschen führen, noch bevor die Erinnerung einsetzt. Der zweite weitet diese Führung auf die Menschheit als Ganzes aus, die er von geistigen Wesen aufsteigenden Ranges, von den Engeln an aufwärts, durch ihre Epochen geleitet sieht. Der dritte dreht sich um ein Rätsel, das jeder Leser des Neuen Testaments nachprüfen kann: Matthäus und Lukas geben Jesus zwei verschiedene Stammbäume, einen über Davids Sohn Salomo und einen über dessen Sohn Nathan. Steiners Antwort: Es gab zwei Jesusknaben, einen aus jeder Linie. Nach seiner Darstellung wurde die Individualität des Zarathustra in dem Kind des Matthäus wiedergeboren und ging, als die Knaben zwölf waren, in das Kind des Lukas über – jenen Knaben, den Lukas unter den Lehrern im Tempel zeigt; bei der Taufe zog der Christus für drei Jahre in diesen Leib ein. Es war das erste Mal, dass Steiner diese Lehre drucken ließ. Eine autorisierte englische Übersetzung folgte 1915.

Schlüsselbegriffe

Was bedeutet geistige Führung in diesem Buch?

Das Wirken weiserer Mächte an einem Menschen über alles hinaus, was das bewusste Ich vermag. Im ersten Vortrag ist es die Kraft, die ein kleines Kind stehen, sprechen und denken lehrt, bevor die Erinnerung einsetzt; im zweiten weitet sie sich zu den Wesen, die Völker und Zeitalter lenken. Steiner behauptet, eine einzige Art von Führung reiche vom einzelnen Kind bis zur Geschichte der Menschheit.

Warum ist der Beginn der Erinnerung für das Argument wichtig?

Weil er nach Steiners Darstellung den Augenblick markiert, in dem das bewusste Ich die Weisheit ablöst, die das Kind geformt hat. Die meisten Menschen erinnern sich nur bis etwa ins dritte Jahr zurück; davor wird das Kind geformt, statt sich selbst zu formen. Diese Grenze zeigt ihm, wo Führung unbewusst wirkt und wo die eigene Verantwortung eines Menschen beginnt.

Wer sind die Geister der Persönlichkeit oder Zeitgeister?

In der Rangordnung des Buches die Wesen oberhalb der Engel und Erzengel, die nicht einen Menschen oder ein Volk lenken, sondern ganze Zeitalter der Kultur. Engel begleiten nach Steiners Darstellung die Einzelnen, Erzengel führen Völker, und die Zeitgeister geben jeder Epoche ihr Gepräge. Er stellt die Rangstufen als den Weg dar, auf dem die Menschheit durch ihre Kulturepochen zu immer größerem Selbstbewusstsein geführt wird.

Was sind der salomonische und der nathanische Jesus?

Steiners Namen für die zwei Knaben, die er hinter den zwei Stammbäumen findet: das Kind des Matthäusevangeliums, von Davids Sohn Salomo abstammend, und das Kind des Lukasevangeliums, von Davids Sohn Nathan abstammend. Nach seiner Darstellung trug das erste die wiedergeborene Individualität des Zarathustra, das zweite eine Seele, die nie zuvor verkörpert war, und mit zwölf Jahren ging das eine in das andere über.

Was bedeutet im Buch, zu werden wie die Kinder?

Steiner liest das Wort des Evangeliums als Hinweis auf die Kräfte, die in den ersten drei Lebensjahren eines Menschen wirkten. Nach seiner Darstellung sind diese Kräfte, die das Kind stehen, sprechen und denken lehren, dieselben Mächte, die der Christus im Erwachsenen wecken kann, sodass das Pauluswort, nicht ich, sondern Christus in mir, die bewusst gewordenen Kräfte der Kindheit beschreibt.

Themen des Buches

Worauf dieses Buch immer wieder zurückkommt, zu Themen gebündelt und danach geordnet, wie viel des Textes jedes einnimmt.

Die Weisheit der ersten drei Jahre

Wie lernt ein kleines Kind gehen, sprechen und denken, mit einer Weisheit, die kein Erwachsener absichtlich aufbringen könnte? Der erste Vortrag nimmt diese Leistung als Zeichen dafür, dass höhere Mächte jeden Menschen führen, bevor seine Erinnerung einsetzt.

Niemand erinnert sich, wie er aufrecht stehen oder sprechen lernte, und kein Erwachsener könnte die Arbeit bewusst planen, die das Kind in diesen Jahren leistet, bis in den feinen Bau seines Gehirns hinein. Steiner hält fest, die dort wirkende Weisheit sei größer als alles, worüber das bewusste Ich später verfügt, und sie stamme aus der höheren Natur des Menschen im Zusammenwirken mit geistigen Mächten. Setzt um das dritte Jahr die Erinnerung ein, übernimmt das Ich, und jene Führung zieht sich zurück. Er verbindet das mit dem Wort, man müsse werden wie die Kinder.

  • kindliche Entwicklung
  • Kindheit
  • Menschliche Entwicklung
  • Unbewusstes
  • Gedächtnis
  • Sprache
  • Gehirn
  • höheres Selbst
  • Ego
  • Selbsterkenntnis
  • Bewusstsein
  • geistliche Führung
  • geistige Entwicklung
  • Verkörperung
  • Menschennatur

Wesen, die die Zeitalter lenken

Ist die Geschichte der Menschheit nur die Summe menschlicher Entscheidungen? Der zweite Vortrag weitet die Führung des einzelnen Kindes zur Führung der ganzen Menschheit, die von geistigen Wesen aufsteigenden Ranges durch ihre Epochen geleitet wird.

Nach Steiners Darstellung wird der Einzelne von einem Engel geführt, werden Völker von Erzengeln und ganze Zeitalter von Wesen gelenkt, die er Geister der Persönlichkeit oder Zeitgeister nennt. Die Menschheit durchläuft eine Folge von Kulturepochen, vom alten Indien und Persien über Ägypten und Chaldäa, Griechenland und Rom bis zur Gegenwart, und jede gibt weiter, worauf die nächste bauen muss. Seine eigene Zeit, meint er, habe diese Führung durch den Materialismus aus dem Blick verloren, und die Geisteswissenschaft, die er lehrt, solle sie wieder bewusst machen.

  • geistige Wesen
  • Kosmologie
  • geistige Evolution
  • Menschliche Evolution
  • Zivilisation
  • Materialismus
  • Astrologie
  • Spiritualität
  • anthroposophische Geisteswissenschaft

Zwei Jesusknaben

Warum geben Matthäus und Lukas Jesus zwei verschiedene Stammbäume? Der dritte Vortrag beantwortet ein Rätsel, das jeder Leser des Neuen Testaments nachprüfen kann, mit einer Behauptung, die Steiner hier zum ersten Mal drucken ließ.

Matthäus führt Jesus über Davids Sohn Salomo zurück, Lukas über dessen Sohn Nathan, und die beiden Geburtsgeschichten berühren sich kaum. Steiners Antwort lautet, es habe zwei Jesusknaben gegeben, einen aus jeder Linie. Nach seiner Darstellung wurde die Individualität des Zarathustra im Knaben des Matthäus wiedergeboren und ging, als die Knaben zwölf waren, in den Knaben des Lukas über, jenen, den Lukas unter den Lehrern im Tempel zeigt. Bei der Taufe im Jordan zog der Christus in diesen Leib ein und lebte drei Jahre darin. Steiner warnt, ohne seine früheren Bücher werde das wie Phantasie wirken.

  • Christologie
  • Christus
  • Christentum
  • Wiedergeburt
  • Hellsehen
  • Esoterik

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137
nach vorhandenen Passagen, korpusweit
Nr. 541

Was dieses Buch zusammen denkt

Das Rad nimmt die führenden Begriffe dieses Buches und zeigt, wie oft sie gemeinsam zur Sprache kommen. Je breiter das Band zwischen zweien, desto mehr seiner Passagen sprechen von beiden. Unter ihnen am häufigsten zusammen: „Christologie“ und „Kosmologie“.
Konzept-Kookkurrenz, stärkste zuerst 8 Konzepte, verbunden durch 20 Paarungen. 80 Paarungen reichen über diese Konzepte hinaus und werden nicht gezeichnet.
KonzeptVerbundenes KonzeptGemeinsame Passagen
ChristologieKosmologie7
geistige Evolutiongeistige Wesen5
Hellsehengeistige Wesen5
KosmologieWiedergeburt5
geistige Evolutiongeistliche Führung4
Menschliche EntwicklungWiedergeburt4
ChristologieHellsehen3
ChristologieWiedergeburt3
Hellsehengeistige Evolution3
Christologiegeistige Evolution2
ChristologieMenschliche Entwicklung2
Menschliche Entwicklunggeistige Wesen2
Christologiegeistige Wesen1
HellsehenKosmologie1
HellsehenMenschliche Entwicklung1
Kosmologiegeistige Evolution1
Kosmologiegeistliche Führung1
KosmologieMenschliche Entwicklung1
Menschliche Entwicklunggeistige Evolution1
Wiedergeburtgeistige Wesen1

Vorhandene Werke

Das Gesamtwerk der Reihe nach, dieses Buch an seinem Platz markiert. Zuerst der Titel in deiner Sprache, darunter das Original, wo beide sich unterscheiden; die Chips am Rand zeigen, welche Volltexte vorhanden sind.

  1. 1891 Die Grundfrage der Erkenntnistheorie (Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichte's Wissenschaftslehre)

    Eine Doktorarbeit und das Fundament der Philosophie der Freiheit – auch wenn die meisten Leser sie nur aus dem Buch von 1892 kennen, das sie in sich aufnahm.

    DE
  2. 1894 Die Philosophie der Freiheit

    Das philosophische Zentrum von Steiners Werk, geschrieben in seinen Weimarer Jahren noch vor aller Theosophie – und das Buch, auf das er spätere Leser immer wieder zurückverwies.

    DE
  3. 1895 Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit

    Entstanden zwischen der Philosophie der Freiheit und dem Goethe-Buch, als Steiner sich noch zu Nietzsches Verbündeten zählte und bevor sein Verhältnis zum Nietzsche-Archiv zerbrach.

    DE
  4. 1897 Goethes Weltanschauung

    Das letzte Buch aus Steiners Weimarer Jahren und die Summe seiner Arbeit als Herausgeber von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften; die Erkenntnistheorie dazu lieferte Die Philosophie der Freiheit.

    DE
  5. 1901 Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens

    Das erste Buch, das aus Steiners Vorträgen vor den Theosophen hervorging, noch in der Stimme des naturalistischen Philosophen der 1890er-Jahre geschrieben; Das Christentum als mystische Tatsache folgte aus dem nächsten Vortragszyklus.

    EN
  6. 1902 Das Christentum als mystische Tatsache (Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums)

    Das Buch, das Steiners Wende von der Philosophie zum esoterischen Christentum markiert, zuerst als Vorträge vor den Berliner Theosophen gehalten, in den Monaten, bevor er ihr Leiter wurde.

    EN
  7. 1904 Theosophie

    Begonnen zwei Jahre, nachdem Steiner die Leitung der deutschen Theosophen übernommen hatte – das systematische Fundament, auf dem seine späteren Darstellungen der Einweihung und der Weltentwicklung aufbauen.

    DE
  8. 1904 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?

    Das praktische Gegenstück zur Theosophie: Jenes Buch beschreibt, was der geschulte Seher zu schauen beansprucht, dieses die Schulung, die dorthin führen soll.

    DE
  9. 1910 Die Geheimwissenschaft im Umriß

    Die umfassendste Einzeldarstellung von Steiners Kosmologie, begonnen innerhalb der theosophischen Bewegung und unter der Anthroposophie weitergeführt, mit vier Vorreden von 1909 bis 1925.

    DE
  10. 1911 Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit du bist hier EN
  11. 1919 Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft

    Steiners wichtigste schriftliche Äußerung zur Gesellschaft, geschrieben für die Monate nach der deutschen Revolution; schon wenige Jahre später erreichte sie englische Leser als The Threefold Commonwealth.

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