Eine Freiheit, zu der die Sünde nicht gehört
Hieße frei sein, Unrecht tun zu können, wäre das heiligste Wesen das unfreieste. Anselm verwirft die Voraussetzung und fragt, wozu Freiheit da ist.
Die gängige Bestimmung, die Macht zu sündigen und nicht zu sündigen, scheitert sofort: Sie machte Gott und die guten Engel unfrei. Anselm bestimmt die freie Wahl stattdessen als Macht, die Richtigkeit des Willens um dieser Richtigkeit willen zu bewahren. Engel und Adam sündigten durch die freie Wahl, aber nicht durch die Macht, die sie frei macht. Ein Wille, der die Richtigkeit verloren hat, behält diese Macht, wie jemand im Dunkeln seine Sehkraft behält, ohne sie gebrauchen zu können. Zurückgeben kann sie nur Gott, ein größeres Wunder als eine Totenerweckung.
- Freier Wille
- sittliche Rechtschaffenheit
- Redlichkeit
- Definition
- Begriffliche Unterscheidungen
- Leistungsfähigkeit
- Potenzialität
- Engel
- Gnade
- Göttliche Gnade
- menschliche Vermögen
- Rationalität
Ins Gespräch kommen
- Gott und die guten Engel können nicht sündigen, und doch nennt sie niemand unfrei. Warum scheidet damit die Macht zu sündigen als Bestimmung der Freiheit aus?
- Wer gute Augen hat, sieht im Dunkeln keinen Berg und behält doch die Sehkraft. Wie erklärt dieses Bild einen Willen, der seine Richtigkeit verloren hat?
- Einem Willen, der seine Richtigkeit verließ, sie zurückzugeben, ist Ihnen zufolge ein größeres Wunder als eine Totenerweckung. Warum ist ein Wille schwerer zu heilen als ein Leben?
- Wer sündigen kann, kann Knecht der Sünde werden. Gehörte diese Macht zur Freiheit, gehörte dann nicht auch die Macht dazu, die Freiheit selbst zu verlieren?