Schuld ohne Tat
Wie kann ein Neugeborenes, das nichts gewollt hat, schuldig sein? Die Antwort verlegt die vererbte Sünde aus dem Körper in eine Schuld, die die menschliche Natur trägt.
Sünde gibt es nach Anselm nur in einem vernünftigen Willen, also kann nichts Körperliches sie tragen: Im Samen ist nicht mehr Schuld als im Speichel oder im Blut. Weitergegeben wird eine Schuld im Sinn einer Verpflichtung. In Adam beraubte eine Person die menschliche Natur der empfangenen Gerechtigkeit, und die beraubte Natur macht nun jede Person, die aus ihr kommt, zum Schuldner: Sie schuldet die Gerechtigkeit, die Adam aufgab, und Genugtuung für das Aufgeben, und kann beides nicht zahlen. Nur Adams Sünde geht in die Erbsünde ein, nicht die näherer Eltern; niemand trägt die Sünde des Vaters, nur die eigene.
- Erbsünde
- Erbschaft
- Erbschuld
- ererbte Sünde
- persönliche Sünde
- Menschennatur
- Sünde
- Wille
- vernünftige Seele
- Gerechtigkeit
- Ungerechtigkeit
- Göttliche Gerechtigkeit
- moralische Verantwortung
- Abstammung
- Erzeugung
Ins Gespräch kommen
- Im Samen, aus dem ein Kind entsteht, liegt Ihnen zufolge nicht mehr Schuld als in Speichel oder Blut. Wo hat die Erbsünde dann ihren Sitz?
- In Adam machte eine Person die Natur ungerecht, schreiben Sie, und nun macht die Natur jedes Kind ungerecht. Wie wandert Schuld von der Person zur Natur und zurück?
- Ein Neugeborenes hat noch nie etwas gewollt, und doch nennen Sie es einen Sünder. Wie kann ein Kind, das nichts getan hat, schon etwas schulden?
- Kinder schulden eine Gerechtigkeit, die sie nicht einmal wollen können, und manche meinten, man dürfe sie nicht verdammen. Warum mildern Sie diesen Schluss nicht?