Logiker, die nur in Bildern denken
Welcher Verstand taugt überhaupt dazu, über die Dreifaltigkeit zu streiten? Anselms Antwort schließt einige der scharfsinnigsten Logiker seiner Zeit vom Gespräch aus.
Bevor er das Argument beantwortet, wendet sich Anselm gegen die Denker, die es vorbrachten: Dialektiker, für die allgemeine Substanzen bloß ein Hauch der Stimme sind und die sich eine Farbe nur als Körper denken können. Wer sein Pferd nicht von dessen Farbe unterscheiden kann, schreibt er, wird den einen Gott nicht von seinen Beziehungen unterscheiden. Glaubensfragen gehören denen, die demütig an sie herangehen. Ein Gläubiger soll am Glauben festhalten und seine Gründe suchen; versteht er sie, danke er Gott, wenn nicht, senke er nicht die Hörner gegen ihn.
- Glaube und Vernunft
- theologische Methode
- intellektuelle Demut
- kirchliche Autorität
- Lehrstreit
- Theologische Sprache
- Substanz
- Prädikation
Ins Gespräch kommen
- Manche Logiker Ihrer Zeit hielten Allgemeinwörter wie „Mensch“ für bloßen Hauch der Stimme. Warum können sie die Dreifaltigkeit dann nicht verstehen?
- Wer nicht begreift, wie viele Menschen der Art nach ein Mensch sind, begreift Ihnen zufolge nie drei Personen in einem Gott. Warum beim Menschen beginnen?
- Wer nicht geglaubt hat, wird nicht erfahren, schreiben Sie, und wer nicht erfahren hat, wird nicht verstehen. Welche Erfahrung geht dem Verstehen voraus?
- Wer im Glauben nicht durchschaut, wie eine Lehre zusammenhängt, soll Ihnen zufolge nicht die Hörner gegen sie senken. Was soll er stattdessen tun?