Körper im Raum, Handlungen in der Zeit
Kann ein Gedicht leisten, was ein Gemälde leistet, oder ein Gemälde, was ein Gedicht leistet? Das Buch zieht eine Grenze zwischen beiden und zeigt, was jede Kunst verliert, wenn sie sie überschreitet.
Malerei und Bildhauerei setzen Figuren und Farben nebeneinander in den Raum, ihr eigentlicher Gegenstand sind also Körper, und sie müssen einen einzigen Augenblick wählen, den, der der Einbildungskraft das freieste Spiel lässt. Die Poesie gebraucht Töne, die in der Zeit aufeinander folgen, ihr Gegenstand sind also Handlungen. Jede Kunst geht fehl, wenn sie die Aufgabe der anderen übernimmt. Homer beschreibt den Schild des Achilles nicht, er lässt ihn entstehen, und er vermittelt Helenas Schönheit durch ihre Wirkung, indem er Schönheit in Reiz verwandelt, und Reiz ist Schönheit in Bewegung.
- Dichtung
- Malerei
- Dichtung und Malerei
- Dichtung und bildende Kunst
- Vorstellung
- künstlerische Darstellung
- bildliche Darstellung
- Beschreibung
- Erzählung
- Zeitlichkeit
- Einbildungskraft
- Sprache
- Kunsttheorie
- bildende Kunst
Ins Gespräch kommen
- Die Malerei stellt Körper nebeneinander im Raum dar, die Poesie Handlungen in der Zeitfolge. Was geht schief, wenn ein Dichter mit Worten malen will?
- Homer beschreibt den Schild des Achilles nicht, betonen Sie, er lässt ihn entstehen. Warum sehen wir ihn beim Schmieden deutlicher als in jeder Beschreibung?
- Dichter preisen seit jeher schöne Gesichter. Wenn die Poesie keine Körper malen kann, wie soll ein Leser dann Helenas Schönheit je sehen?
- Jemand will eine geliebte Landschaft beschreiben, und der Zuhörer sieht nichts. Was rät Ihre Regel für die Poesie stattdessen?