Ethik als Anpassung
Wie kann eine Theorie der natürlichen Entwicklung jemandem sagen, wie er handeln soll, statt lediglich, wie Organismen entstanden sind? Die Antwort ist wichtig, weil sie den Konflikt zwischen privatem Vorteil und sozialer Pflicht in einen vorübergehenden Anpassungsfehler verwandeln könnte.
Spencer nimmt das Handeln als Vorgang der Anpassung, nicht als Gebot, das von außen in das menschliche Leben fällt. Im Band von 1879 misst er die Taten daran, wozu sie führen: zu längerem, weiterem, vollerem Leben für den Einzelnen, die Nachkommen und die umgebende Gesellschaft. Gegen Intuitionismus, Utilitarismus und Theologie hält er, dass jeder von ihnen nur einen Teil dieser Geschichte erfasst. Eine Gesellschaft, die noch zwischen Eigennutz und Rücksicht auf andere gespalten ist, ist demnach unzureichend angepasst; in einer voll entwickelten Gesellschaft fielen beide als natürliche Tatsache zusammen.
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Ins Gespräch kommen
- Eine hingebungsvolle Mutter stillt ihr Kind über ihre Kräfte hinaus und bricht zusammen, und ihre anderen Kinder leiden. Warum zählen Sie das trotz der Hingabe als Scheitern?
- Ein Messer nennen wir gut, wenn es schneidet. Wenn eine gute Handlung ebenso gut zu ihrem Zweck passt, wessen Zweck ist das dann?
- Sie sagen, das Pflichtgefühl werde schwinden, je sittlicher die Menschen werden, weil gute Taten zur Freude werden. Ist jemand, der kein „Soll“ mehr spürt, sittlicher?
- Pessimisten wie Optimisten fragen, ob das Leben mehr Freude als Leid enthält, stellen Sie fest. Warum sollten Freude und Leid den Wert eines Lebens messen?
- Ihnen zufolge hat jeder teilweise recht, der dem Gewissen folgt, Freuden zählt oder einem göttlichen Gebot gehorcht. Warum sollte die Geschichte des Handelns ihren Streit entscheiden?