Sich dem Staat verweigern
Kann ein Mensch sich der Bindung an den Staat verweigern, ohne zum Verbrecher zu werden? Die Antwort stellt auf die Probe, ob staatliche Herrschaft auf Zustimmung beruht oder Gehorsam allein deshalb verlangen kann, weil eine Mehrheit sie errichtet hat.
Im neunzehnten Kapitel von Social Statics, zuerst 1850 erschienen, legt Spencer seine Regel der gleichen Freiheit an die Regierung an: Ein Mensch darf sich zurückziehen, keine Steuern mehr zahlen und jede politische Bindung verweigern. Damit stellt er sich gegen die Staatsgewalt, gegen die Mehrheitsherrschaft und gegen die Annahme, Staatsbürgerschaft begründe eine unbedingte sittliche Pflicht. Die Wahl hat eine harte Folge: Wer den Staat abweist, verliert seinen Schutz und darf sich nicht beklagen, wenn er ihm die Hilfe versagt. Spencer strich das Kapitel aus der Neufassung von 1892; Nachdrucke sicherten ihm ein anarchistisches Nachleben.
- Anarchismus
- Staatsgewalt
- gleiche Freiheit
- Mehrheitsprinzip
- Zwang
- Besteuerung
- Politische Moral
- bürgerliche Freiheit
- religiöse Libertät
- ziviler Ungehorsam
Ins Gespräch kommen
- Wenn eine Regierung von jemandem Gehorsam fordert, der ihre Autorität zurückweist, was kann diese Person ihr dennoch schulden?
- Warum sollte das Mehrheitsprinzip für jemanden verbindlich sein, der gleiche Freiheit anerkennt, aber die Autorität des Staates zurückweist?
- Eine Person kann sich aus der Regierung zurückziehen, aber welchen Schutz muss sie mit dieser Entscheidung aufgeben?
- Wie lässt sich eine prinzipielle Verweigerung davon unterscheiden, den Schutz des Staates einzufordern, ohne seine Ansprüche anzuerkennen?