Lässt sich Gesellschaft wissenschaftlich untersuchen?
Kann ein Forscher die Gesellschaft untersuchen, ohne von ihr geprägt zu sein? Die Antwort entscheidet darüber, ob die Soziologie kausale Aussagen treffen kann oder ob jede Erklärung lediglich die überkommenen Annahmen des Beobachters wiederholt.
Spencer beginnt bei einem Problem, das die Chemie nicht kennt: Wer die Gesellschaft beobachtet, ist von eben den Verhältnissen geformt, die er untersuchen will. In Einleitung in das Studium der Sociologie zeigt er, wie Klassenlage, Religion, Vaterlandsliebe und Schulbildung das Urteil biegen, ehe die Belege es berichtigen können; darum braucht die Soziologie geschulte Selbstkenntnis statt der Einbildung, neutral zu sein. Die Folge erschien 1873, ihre Warnung bleibt methodisch: erst die Richtung der Verzerrung bestimmen, dann die Ursachenbehauptungen daran prüfen. Beobachtung ist nie unschuldig.
- Soziologie
- Erkenntnistheorie
- Methodologie
- Voreingenommenheit
- Sozialwissenschaft
- Wissenschaftliche Methode
- Wissenschaft
- Rationalität
- Psychologie
- Kognition
- Menschennatur
- Verursachung
Ins Gespräch kommen
- Sie bemerken, dass ein von vordringender Zivilisation hinweggefegter Stamm darin nur Böses sieht, während Außenstehende Fortschritt sehen mögen. Kann irgendeine Nation ihren eigenen Aufstieg gerecht beurteilen?
- Ein Anwalt beklagte beim Essen bitter, billigere Gerichte schadeten seinem Berufsstand, und erwartete Ihre Zustimmung. Was zeigt das darüber, wie ein Beruf Ansichten verbiegt?
- Reisende beschreiben die Neuseeländer als klug, grausam und tapfer oder als schwach, freundlich und feige. Wie soll ein Erforscher der Gesellschaft zwischen solchen Berichten wählen?
- Niemand kann sagen, wann die Herbststürme kommen, und doch wird der Sommer sicher wärmer als der Winter sein. Kann eine Wissenschaft der Gesellschaft Vorhersagen dieser Art leisten?
- Selbsterkenntnis gilt Ihnen als Heilmittel gegen Befangenheit. Weshalb sollte das Erkennen einer Voreingenommenheit ihre Autorität schwächen?