Der fehlende Mechanismus in der natürlichen Selektion
Können zufällige Variationen die voneinander abhängigen Veränderungen zusammenfügen, die komplexe Organismen benötigen, oder muss die Vererbung die Auswirkungen von Gebrauch und Nichtgebrauch weitertragen? Die Antwort entscheidet über mehr als eine biologische Theorie: Sie stützt oder bedroht Spencers Erklärungen des Geistes und der sozialen Evolution.
In zwei Essays von 1886 hielt Spencer fest, dass die natürliche Selektion aufeinander abgestimmte Teile wie Knochen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße nicht zusammenfügen könne, weil sie sich alle gemeinsam ändern müssten. Er erneuerte Lamarcks These, dass erworbene Veränderungen auf die Nachkommen übergehen, und machte die Vererbung zum ursächlichen Motor von Anpassung, Psychologie und Soziologie. August Weismann trat ihm 1893 und 1894 in vier Wortwechseln entgegen: Das Keimplasma bleibe vom Körper abgeschottet. Die Biologie folgte Weismann.
- Anpassung
- natürliche Selektion
- Evolutionstheorie
- Erbschaft
- Gebrauch und Nichtgebrauch
Ins Gespräch kommen
- Wie löst die Berufung auf erworbene Anpassung das Problem von Organen, die sich gemeinsam verändern müssen?
- Die natürliche Selektion mag nützliche Variationen bewahren – warum sollte sie nicht aus voneinander unabhängigen Veränderungen ein funktionsfähiges Organ zusammensetzen können?
- Wenn sich ein Mensch durch Gebrauch und Nichtgebrauch verändert, was macht diese Veränderung vererbbar und nicht bloß persönlich?
- Was müsste seine Soziologie aufgeben, wenn erworbene Veränderungen nie die nächste Generation erreichten?