Vernunft entsteht durch Übung
Ist gutes Denken eine Gabe, mit der manche geboren werden, oder eine Fertigkeit wie jede andere? Ist es eine Fertigkeit, dann hat die Schullogik die Regeln eines Spiels gelehrt, das niemand zu spielen lernte.
Wir werden mit Fähigkeiten geboren, die zu fast allem taugen, schreibt Locke, doch erst ihr Gebrauch macht uns fähig. Ein Pflüger hat so gute Glieder wie ein Tanzmeister, den Unterschied machen Jahre der Übung, und beim Verstand ist es ebenso. Die Logik der Universitäten liefert die Formen des Schließens und keine Übung im Beurteilen einer wirklichen Frage. Locke empfiehlt Mathematik, um zu erfahren, wie eine Beweiskette beschaffen ist, und diesen Maßstab auf andere Gebiete zu übertragen. Auch Lesen allein genügt nicht: Bücher liefern Stoff, erst das Durchdenken macht ihn zum eigenen. Vieles, was als angeborene Stumpfheit gilt, ist fehlende Übung.
- Schlussfolgern
- Praxis
- Gewohnheit
- Erziehung
- Mathematik
- Lernen
- intellektuelle Entwicklung
- Methode
- Verstehen
- Lektüre
Ins Gespräch kommen
- Ein Pflüger hat ebenso gute Glieder wie ein Tanzmeister und kann doch nicht tanzen. Was sagt dieser Vergleich über Menschen, die als schwer von Begriff gelten?
- Mathematik soll bei Ihnen vernünftige Wesen hervorbringen, keine Mathematiker. Was nimmt jemand, der nie Algebra braucht, aus einem Beweis mit?
- Wir gehören zu den Wiederkäuern, schreiben Sie, und müssen Gelesenes noch einmal durchkauen. Warum nährt es noch nicht, sich mit Büchern vollzustopfen?
- Die Universitäten drillten ihre Studenten jahrhundertelang in den Formen des Schließens. Warum machten diese Regeln sie nach Ihrem Urteil bei keiner wirklichen Frage klüger?
- Jemand merkt mit vierzig, dass er nie gelernt hat, klar zu denken. Lässt sich die Steifheit eines erwachsenen Verstandes Ihrer Ansicht zufolge noch beheben?