Ein Buch unter der Korrektur eines Freundes
Was schuldet ein Autor einem Leser, der an seinem Buch etwas auszusetzen hat? Locke behandelt jeden Einwand Molyneux’ als Geschenk, und die Briefe zeigen, welcher seiner eigenen Lehren er am wenigsten sicher war.
Locke bittet Molyneux, im Essay anzustreichen, was falsch oder überflüssig ist, denn eigene Gedanken richteten schlecht über eigene Gedanken. Wahrheit, schreibt er, ist Gold, wer immer es gegraben hat. Der Austausch berührt die schwierigsten Stellen. Bei der Freiheit gesteht er, dass er die Freiheit des Menschen nicht mit Gottes Allmacht und Allwissenheit vereinen kann, obwohl er beider gewiss ist, und er schickt eine neue Erklärung dessen, was den Willen bewegt. Die Moral hält er weiter für beweisbar und bezweifelt, dass er der Mann dafür ist. Den Essay will er nicht zum Logiklehrbuch umarbeiten, und seine Schrift gegen Malebranche lässt er ungedruckt, weil er Streit nicht liebt.
- Wahrheit
- Kritik
- intellektuelle Demut
- Wissen
- Empirismus
- Freier Wille
- Verlangen
- Autorschaft
- Publikation
- Wissenschaftliche Methode
- Beobachtung
- Kontroverse
- Medizin
Ins Gespräch kommen
- Wahrheit ist Gold, schreiben Sie Ihrem Freund Molyneux, wer immer es aus der Mine holte. Kann ein Autor das wirklich empfinden, wenn sein eigenes Buch getadelt wird?
- Sie sind sich Ihrer Freiheit so gewiss wie der Allwissenheit Gottes und gestehen Molyneux, beides nicht vereinen zu können. Warum lassen Sie das offen stehen?
- Ihr Freund Molyneux wünschte sich Ihren Essay als Logiklehrbuch für Studenten. Warum erwidern Sie, das Disputieren sei so ziemlich der schlechteste Weg zum Wissen?
- Die Freuden des Himmels werden oft zugunsten eines gegenwärtigen Unbehagens vernachlässigt. Warum bewegt, wie Sie Molyneux erklären, das größere Gut vor Augen den Willen nicht?
- Gegenüber dem Bruder Ihres Freundes Molyneux, einem Arzt, tun Sie allgemeine Krankheitstheorien als Wachträume ab. Worauf soll sich ein Arzt an ihrer Stelle verlassen?