Die drei Mauern
Wer darf eine Kirche reformieren, deren Leitung sich nicht reformieren lassen will? Luther gibt dieses Recht jedem getauften Christen, und seinen Gebrauch den Obrigkeiten.
Roms Verteidiger, schreibt Luther, verschanzen sich hinter drei Mauern aus Stroh und Papier: Die geistliche Gewalt stehe über der weltlichen, nur der Papst dürfe die Schrift auslegen, nur der Papst ein Konzil berufen. Gegen die erste wendet er ein, dass die Taufe schon jeden zum Priester, Bischof und Papst weiht, die Ordination also bloß einen aus der Gemeinde beauftragt, für alle zu handeln, so wie Schuster oder Schmied ihr eigenes Werk haben. Mit ihr fallen die anderen. Bricht in einer Stadt ein Feuer aus, wartet niemand, weil es im Haus des Bürgermeisters begann.
- Religiöse Autorität
- päpstliche Autorität
- Kirchenautorität
- Schrift
- Autorität der Bibel
- Konzilien
- Politische Autorität
- weltliche Obrigkeit
- Kirche und Staat
- Politische Legitimität
- Kirchenrecht
Ins Gespräch kommen
- Rom hat sich nach Ihren Worten mit drei Mauern aus Stroh und Papier umgeben, damit niemand es reformieren kann. Wodurch halten so dünne Mauern so lange?
- Wer aus der Taufe gekrochen ist, schreiben Sie, darf sich rühmen, schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht zu sein. Wozu ist ein geweihter Priester dann noch da?
- Zehn Königssöhne könnten nach Ihren Worten einen aus ihrer Mitte das gemeinsame Erbe verwalten lassen. Warum ist die Weihe nichts anderes?
- Schuster, Schmied und Bauer haben jeder ihr eigenes Handwerk, schreiben Sie, und sind doch alle gleich geweihte Priester. Wird damit jedes Gewerbe zum heiligen Amt?
- Bei einem Stadtbrand stünde niemand still, nur weil es im Haus des Bürgermeisters brennt, argumentieren Sie. Was folgt daraus für einen Papst, der ein Konzil verhindert?