Freier Herr, williger Knecht
Wie kann ein Mensch niemandem etwas schulden und doch allen alles? Die Antwort entscheidet, ob gute Werke ein bezahlter Preis sind oder ein Geschenk.
Luther löst das Paradox, indem er den Menschen zweiteilt. Innerlich ist die Seele schon frei und braucht kein Werk, äußerlich hat ein Christ noch einen Leib zu zügeln und Nächste zu bedienen, und er tut beides umsonst. Werke folgen aus dem Gutsein wie Früchte aus einem gesunden Baum, sie machen niemanden gut, so wenig wie das Weihen von Kirchen einen Mann zum Bischof macht. Selbst Regeln, die ein Freier nicht halten müsste, wie Marias Reinigung, hält er anderen zuliebe, bis der Christ in Christus lebt durch den Glauben und im Nächsten durch die Liebe.
- christliche Freiheit
- Freiheit
- geistliche Freiheit
- Dienst
- Liebe
- Nächstenliebe
- gute Werke
- Askese
- moralischer Charakter
Ins Gespräch kommen
- Ihr Buch beginnt mit zwei Sätzen, die sich widersprechen: Ein Christ ist ein freier Herr über alle Dinge und ein dienstbarer Knecht aller. Wie kann beides zugleich stimmen?
- Ein guter Baum bringt gute Früchte, sagen Sie, und keine Frucht macht je einen Baum gut. Was sagt dieses Bild jemandem, der ängstlich seinen Wert beweisen will?
- Jemand fastet und hält seinen Leib streng, um heiliger zu werden. Weshalb wollen Sie den Leib trotzdem gezügelt sehen, wenn das der Seele nichts bringt?
- Maria ließ sich reinigen, obwohl sie es nicht brauchte, und Christus zahlte einen Zins, den er nicht schuldete. Warum sollte ein freier Christ solche Regeln halten?